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Kreis Heinsberg: Medizinische Versorgungslage verbessert durch mobiles Untersuchungszentrum in Erkelenz

Neue Untersuchungsstelle für Corona-Verdachtsfälle in Erkelenz : Corona-Fälle: moderater, nicht exponentieller Anstieg

Die medizinische Versorgungslage im Kreis Heinsberg hat sich laut Landrat Stephan Pusch am Mittwoch entspannt. Ein Brief der niedergelassenen Ärzte an die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein, den auch er zwei Tage zuvor unterzeichnet hatte, habe Wirkung gezeigt.

„Inzwischen sind eine zusätzliche Notarztpraxis in Birgden, weitere Ärzte und eine zweite Untersuchungsstelle für Corona-Verdachtsfälle in Erkelenz hinzugekommen. Medizinisch wird sich die Lage dadurch in den nächsten Tagen deutlich entspannen“, berichtete Pusch in einer Pressekonferenz über die Erwartungen seines Krisenstabs, sagte allerdings auch: „Entwarnung kann ich nicht geben.“

Zwischen dem ersten bekannten Krankheitsfall vor einer Woche und Mittwochmittag hat der Kreis Heinsberg mittlerweile 104 Personen registriert, die nachweisbar mit dem Corona-Virus infiziert sind oder waren. Geschätzt die Hälfte geht laut Landrat inzwischen aber wieder ihrem Alltag nach: „Neu hinzugekommen ist allerdings ein Patient, dessen Lage ernst ist.“ Er befinde sich, wie sechs weitere Personen aus dem Kreis Heinsberg, in stationärer Behandlung: „Die ernsteren Krankheitsverläufe betreffen alle Personen, die schon eine Vorschädigung hatten. Kinder und Jugendliche sind nicht dabei. Die Schwerkranken werden in den Unikliniken Düsseldorf und Köln behandelt.“ Prognosen zur weiteren Entwicklung im Kreisgebiet wollte Pusch nicht abgeben, sagte aber: „Wir erkennen derzeit, dass sich die Krankheit nicht exponentiell ausbreitet“, wie vor einigen Tagen zu befürchten gewesen sei, „sondern dass die Zahlen moderat ansteigen.“

Zur verbesserten medizinischen Lage im Kreis Heinsberg trägt Pusch zufolge auch bei, dass in der Nacht zum Mittwoch zusätzliche Schutzkleidung eingetroffen ist und dass „die Richtlinien gelockert werden konnten, damit Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte handlungsfähig bleiben und die medizinische Versorgung über die Corona-Fälle hinaus erhalten werden kann. Unter strengen Schutzvorkehrungen können Kontaktpersonen, die nicht infiziert sind, weiter medizinisch tätig sein“, erklärte Pusch und ergänzte: „Wir verfolgen das sehr streng, und diese Personen werden auch regelmäßig auf Corona kontrolliert.“

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein und das Hermann-Josef-Krankenhaus Erkelenz errichteten am Mittwoch die von Pusch angekündigte neue Anlaufstelle für Menschen, bei denen eine mögliche Infektion mit dem Virus abgeklärt werden muss. „Außergewöhnliche Situationen bedürfen außergewöhnlicher Maßnahmen“, erklärte Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, zu deren Eröffnung in einer Pressemitteilung. „Die Situation im Kreis Heinsberg erfordert zusätzliche Kapazitäten zur Versorgung von Patienten, bei denen der Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus besteht. Mit der neuen Einrichtung können wir diese Patienten nicht nur adäquat medizinisch betreuen, sondern auch verhindern, dass sie in die stark frequentierten Praxen der Niedergelassenen oder in die Ambulanzen der Kliniken vor Ort gehen.“ Gleichzeitig hat die Kassenärztliche Vereinigung die Hotline 116117 so erweitert, dass Patienten dort nicht nur Informationen zur Erkrankung erhalten, sondern auch an die richtigen Anlaufstellen verwiesen werden. Über diese Nummer erfolgt zumindest in den kommenden Tagen auch die Terminvergabe für das neue Diagnosezentrum in Erkelenz.

Die Patienten werden in der mobilen Praxis am Willy-Stein-Stadion getestet. Um eine mögliche Infektion festzustellen, werden Rachenabstriche gemacht, die über das Kreisgesundheitsamt an ein Labor geschickt werden. Teile des Sportzentrums werden als Wartezimmer genutzt, es gibt zwei Behandlungszimmer und einen Aufenthaltsraum. „Diese zusätzliche Anlaufstelle ist notwendig, um die ambulante und stationäre Gesundheitsversorgung im Kreis Heinsberg aufrecht zu erhalten“, sagte Jann Habbinga, Verwaltungsdirektor des Erkelenzer Krankenhauses. Foto: dpa