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Coronavirus im Kreis Heinsberg: Sorge um ärztliche Versorgung

Corona im Kreis Heinsberg : Landrat Stephan Pusch besorgt wegen ärztlicher Versorgung

Weil sich im Zuge der Coronavirus-Problematik immer mehr Arztpraxen abmelden, ist die medizinische Versorgung im Kreis Heinsberg gefährdet. Landrat Pusch spricht von einer ernsten Lage und hofft auf externe Unterstützung.

Seit Tagen gibt Stephan Pusch in seinen Videobotschaften auf Facebook Informationen zur aktuellen Lage der Coronavirus-Problematik im Kreis Heinsberg. Darin war der Landrat stets um eine betont gelassene Tonlage bemüht. „Heute ist mal ein Tag, an dem ich sage, ich mache mir über einige Dinge sorgen“, leitete der Landrat am Montag (2. März) seinen Social-Media-Beitrag ein. Mit Blick auf die aktuelle medizinische Versorgung im Kreis Heinsberg spricht er von einer „ernsten Situation“.

<aside class="park-embed-html"> <div id="fb-root"></div> <script async="1" defer="1" crossorigin="anonymous" src="https://connect.facebook.net/de_DE/sdk.js#xfbml=1&amp;version=v8.0" nonce="GctBVhxq"></script><div class="fb-video" data-href="https://www.facebook.com/kreisheinsberg/videos/766094243915708"><blockquote cite="https://www.facebook.com/kreisheinsberg/videos/766094243915708/" class="fb-xfbml-parse-ignore"><a href="https://www.facebook.com/kreisheinsberg/videos/766094243915708/">Ärztliche Versorgung muss gesichert sein</a><p>🚨Corona: Wie erhalten wir die ärztliche Versorgung 🤕🤒😷 in unserem Kreis aufrecht? Landrat Stephan Pusch gibt einen aktuellen Sachstand. Die Situation ist angespannt, wir tun, was wir können #kreisheinsberg #coronavirus #covid19 #stephanpusch #hsbestrong</p>Gepostet von <a href="https://www.facebook.com/kreisheinsberg/">Kreis Heinsberg</a> am Montag, 2. März 2020</blockquote></div> </aside>
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Die Lage in der medizinischen Versorgung im Kreis Heinsberg spitzt sich nach Angaben von Landrat Pusch zu, weil sich immer mehr hausärztliche Praxen und Notfallpraxen abmelden und keine Patienten mehr behandeln. Die Arztpraxen begründeten diesen Schritt mit den Quarantänevorschriften des Robert-Koch-Instituts. Diese sehen vor, dass Ärzte oder Pflegepersonen, die selbst in Kontakt mit Infizierten waren, mit einem 14-tägigen Berufsausübungsverbot belegt werden. Wegen des fehlenden Personals könnten die Arztpraxen ihre Patienten nicht mehr behandeln. Der Kreis Heinsberg und das Deutsche Rote Kreuz haben am Montag (2. März) in der Turnhalle der Gesamtschule Gangelt ein Zentrum zur Entnahme von Proben bei Patienten mit Coronavirus-Verdacht eröffnet. Das Zentrum soll die Hausarztpraxen entlasten und ist nur nach vorheriger telefonischer Anmeldung über einen Hausarzt zugänglich.

Pusch erklärt in seinem Videobeitrag, dass die kassenärztlichen Vereinigungen für die hausärztliche Grundversorgung zuständig seien. „Wir haben natürlich in den letzten Tagen den kassenärztlichen Vereinigungen mehrfach über alle möglichen Kanäle, bis hin zum Ministerium, den Ernst der Lage erläutert und auch darauf hingewiesen, dass solch eine Situation eintreten kann“, erklärt Pusch. Aus Sicht des Kreises Heinsberg sei eine solche Situation eingetreten und man versuche fortlaufend, auch in Kombination mit den kassenärztlichen Vereinigungen, diese Situation zu verbessern. Es könne nicht sein, dass der Patientenservice unter der Rufnummer 116 117 nicht erreichbar ist und nach einiger Zeit die Aufforderung komme, das Gesundheitsamt oder die 112 anzurufen. „Dass das bei Ihnen zu maßgeblicher Verärgerung führt, weil Sie das Gefühl haben, dass Sie medizinisch nicht mehr ausreichend versorgt sind, kann ich absolut nachvollziehen und ärgert mich persönlich ungemein“, sagt Stephan Pusch.

Der Krisenstab und das Gesundheitsamt des Kreises Heinsberg prüfen nun in Abhängigkeit von der aktuellen Entwicklung, ob sie neue Richtlinien herausgeben, die abweichend von den Vorgaben des Robert-Koch-Institutes beispielsweise erlauben, dass Pflegepersonal oder auch Ärzte, die keinerlei Symptome haben, mit entsprechenden Schutzmaßnahmen weiterarbeiten können, selbst wenn sie in Kontakt mit einer infizierten Person waren. „Für mich ist es wichtiger, dass die ganz normalen medizinischen Fälle – und dazu gehören akute Erkrankungen verschiedenster Art – bestmöglich und schnellstmöglich versorgt werden, als die abstrakte Gefahr zu bannen, dass sich vielleicht jemand bei solch einem Besuch mit dem Coronavirus infiziert“, sagt Landrat Stephan Pusch. „Die Situation betrachte ich selber als ernst. Wir haben heute auch mit den Krankenhäusern entsprechende Gespräche geführt.“ Auch da sei man auf allen Behördenebenen mit Hochdruck dabei, Lösungen zu finden. „Nur, ich sage Ihnen auch ehrlich: Mir sind auch abstrakte Vorschriften und alles, was damit zusammenhängt, relativ – ich will nicht sagen egal -, sondern ich muss da Prämissen treffen“, so Landrat Pusch.

Wenn es um die Gesundheit der Bevölkerung im Kreis Heinsberg gehe, sei er nicht bereit, Kompromisse einzugehen. „Ich hoffe, dass jetzt einige in Bewegung kommen, die jetzt in Bewegung kommen müssten“, sagt Pusch. Er könne gut verstehen, dass die Bürger im Kreis Heinsberg verärgert sind. Pusch: „Wir werden als Gesundheitsamt und Krisenstab alles in unserer Macht und unserer Kompetenz stehende tun, um diese Situation, die sich immer mehr zuspitzt, wieder zu entspannen.“

Stephan Pusch (l.), Landrat des Kreises Heinsberg, hofft in der Coronavirus-Krise auf Unterstützung des Landes NRW und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Foto: dpa/Federico Gambarini

In der vergangenen Woche wurden die ersten am Coronavirus erkrankten Patienten in NRW aus Gangelt vermeldet. Am Montag (2. März) bezifferte der Kreis Heinsberg die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Personen auf 78. Fünf davon befinden sich zur Behandlung in einem Krankenhaus, die übrigen sind in häuslicher Quarantäne.

Der erste gemeldete Patient, ein 47-Jähriger aus Gangelt, ist nach Angaben des Kreises Heinsberg nach wie vor in einer kritischen Situation und wird ebenso wie seine ein Jahr jüngere Ehefrau, der es deutlich besser gehe, in der Uniklinik Düsseldorf behandelt. Der 47-Jährige, der an einer Vorerkrankung leidet, und seine Frau hatten am 15. Februar in Gangelt eine Karnevalsveranstaltung besucht. Während der Kappensitzung sollen sich viele andere Besucher angesteckt haben.