Stadt will Fußballschiedsrichter schützen

Die Bedrohungen nehmen zu : Stadt will Fußballschiedsrichter schützen

Nach einem Fall von Bedrohung gegen einen Schiedsrichter im September tritt die Stadt nun auf den Plan. Zukünftig wird für tätliche Angriffe ein Betretungsverbot auf allen Bezirkssportanlagen der Stadt ausgesprochen.

Immer wieder sorgen Fälle, in denen Schiedsrichter beim Fußball beleidigt und bedroht werden, für Aufregung. „Heute gehört es auf vielen Sportanlagen schon zum normalen Umgang. Wir haben hier auch viele Jahre den Fehler gemacht, einfach wegzuhören. Was sich ein Schiedsrichter auf dem Platz anhören muss, das würde in der Fußgängerzone zu dutzenden Anzeigen führen“, sagt Thomas Kirches, der Leiter der Arbeitsgruppe „Keine Gewalt gegen Schiedsrichter“ in Krefeld. Von ihrem Verband, dem DFB, fühlen sich die Unparteiischen allein gelassen. „Dort gibt es meist nicht einmal eine Antwort und wenn wird relativiert. Unlängst gab es eine offizielle Aussage, dass die Zahl von 2.906 tätlichen Angriffen auf Schiedsrichter nicht besorgniserregend sei. Das ist doch Wahnsinn“, befindet Kirches.

Darum wandte er sich nun an die Stadt Krefeld und fand in Oliver Klostermann, dem Leiter des Fachbereichs Sport und Sportförderung, einen starken Fürsprecher. „Ich bin selbst seit vielen Jahren Schiedsrichter und pfeife noch heute so weit es meine Zeit zulässt“, sagt dieser und positioniert sich ganz klar zu der Thematik. „Wir haben uns überlegt, wie wir mit dem Problem umgehen können und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir Spieler, die durch Gewalt gegen Schiedsrichter auffällig werden, nicht mehr auf unseren Sportanlagen haben wollen“, sagt er. In Übereinstimmung mit der Nutzungsordnung, die „ein Verhalten nach guten Sitten, das die Sicherheit nicht gefährdet“, vorschreibt, spricht die Stadt zukünftig ein Betretungsverbot für Spieler auf ihren Anlagen aus, die durch Gewalt gegen Unparteiische auffällig wurden.

„Wir danken der Stadt Krefeld hier sehr für diese Unterstützung. Denn die Sperren für solches Verhalten sind aus unserer Sicht nicht ausreichend. Wer einen Schiedsrichter tätlich angreift, der sollte lebenslang gesperrt werden. Wie soll ich denn einer Frau oder Mutter eines Schiedsrichters erklären, dass ihr Mann, Sohn oder ihre Tochter ein Spiel leitet, bei dem jemand auf dem Platz steht, der schon einmal Schiedsrichter angegriffen hat?“, fragt Kirches. Zumindest dieses Problem sieht er nun durch die Hilfe der Stadt ein Stück weit umgangen.

Trotzdem ist der Frust in Schiedsrichterkreisen groß. Sie vermissen die Unterstützung des Verbandes. „Tatsächlich erlebt statistisch jeder 19. Schiedsrichter pro Jahr einen physischen Angriff. Beleidigungen sind hier gar nicht mit gerechnet. Wenn ich mich vor die knapp 200 Schiedsrichter des Kreises stelle, muss ich ihnen sagen: „Jeder Zehnte von Euch wird angegriffen werden, der DFB sieht das nicht als erschreckend an.“ Das ist doch kein Zustand“, kritisiert Kirches.

Das Problem beginne dabei schon in der Jugend. „Wir sagen oft: Die Kinder wollen spielen, die Eltern wollen gewinnen. Sie leben mangelnde Fairness vor“, sagt der Schiedsrichterbeobachter, der warnt: „Dass wir in Deutschland – anders als in anderen Ländern – noch keine Toten haben, ist reines Glück. Es gab schon Vorfälle, die auch Tote hätten zur Folge haben können.“

Konkreter Auslöser für die aktuellen Maßnahmen in Krefeld war ein Fall beim Verein Viktoria Krefeld im September. Der Schiedsrichter hatte ein Spiel nach massiven Bedrohungen durch einen Spieler abgebrochen. Der Spieler hatte auch nach einer einjährigen Sperre durch das Sportgericht über soziale Medien den Schiedsrichter und den Leiter des Sportgerichts erneut massiv bedroht. „Das zeigt doch, dass er nichts gelernt hat. Dass so jemand in einem Jahr wieder vor unseren Schiedsrichtern steht, darf einfach nicht sein“, sagt Kirches.

Die Stadt will hier nun mit ihrem Betretungsverbot den Referees unter die Arme greifen. Dies aber kann, so befindet Kirches, nur eine kurzfristige Lösung sein. Um das Problem an der Wurzel zu packen, müsse der Verband ins Boot. Ob und wann das geschieht erscheint derzeit durchaus fraglich.

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