Claudio Ingrassia lebt die Inklusion bei Germania Krefeld vor

Ringen : Ingrassia lebt die Inklusion bei Germania vor

Der Deutsch-Italiener begrüßt einmal im Monat Menschen mit Autismus zum Training in der Halle an der Steinstraße.

Es ist Samstagnachmittag und in der Halle an der Steinstraße ist es dem Augenschein nach wie immer. Die große Ringermatte liegt in der Mitte des Hallenboden und Claudio Ingrassia von Germania Krefeld hat noch den ein oder anderen Schützling zum Training da. Doch dann wird es etwas stiller und Ingrassia freut sich auf die kommende Stunde, in der er einmal im Monat einen besonderen Unterricht hat. Seit drei Jahren erwartet der 52-Jährige jeden ersten Samstag im Monat die Bewohner des Hauses „Alte Landstraße“ aus Hüls in seiner sportlichen Heimatstätte. Es sind nicht irgendwelche Gäste, sondern meist fünf bis acht Menschen mit Autismus, die eine andere Wahrnehmungsverarbeitung haben ihre Art der sozialen Interaktion, Kommunikation und Verhaltensweisen nicht-autistischen Menschen nicht unmittelbar verständlich zu vermitteln.

Und hier zeigt der Deutsch-Italiener, dass er nicht nur ein Feingespür für Ringertalente in seinem Verein hat, sondern auch die richtige Antenne im Umgang mit behinderten Menschen. Auf die Frage wie die Verbindung zustande gekommen ist erinnert sich Ingrassia gleich an den ersten Besuch zurück. „Der Kontakt ist über unser Vereinsmitglied Axel Haeffner entstanden. Es kam mal die Frage auf, ob wir bei Germania mit den Kindern mal Sport machen können“, erklärt er umgehend und fügt noch hinzu, dass er zu Beginn etwas skeptisch gewesen war. Was ihn erwartet war die große Frage, doch Ingrassia hatte keine Angst. „Ich habe mir einfach das Ziel gesetzt, dass die Kinder mich erstmal wahrnehmen. Natürlich musste ich Laufe der Zeit auch etwas dazulernen“, sagt er zu seinem ersten Gedanken. Am ersten Tag gab es schon ein Lächeln für den Trainer. „Das hat von Anfang an funktioniert. Die Empathie ist da, die Kinder haben plötzlich Sachen gemacht, die sie ansonsten vorher nie gemacht haben“, sagt Karl Heinz Hoffmann, der mit seiner Frau Doris den Verein „Die Insel“ ins Leben gerufen hat, um Menschen mit Autismus zu unterstützen. Gemeinsam mit Germania Krefeld haben sie den Beweis angetreten, dass Inklusion im Sport keine leeren Worthülsen ist. „Die Hemmschwelle wird schon geringer, wenn die Kinder die Ringermatte sehen, denn das ist wie ein Spielfeld für sie“, und kaum gesagt geht es schon los. Die Schützlinge von Ingrassia setzen sich auf Pezzibälle und hüpfen drauf los. Einzig Daniel steht dann etwas abseits, es scheint als ob er seine Umgebung nicht wahrnimmt. Doch dann bekommt er einen Basketball in die Hand und er fängt ihn abzutasten. Was dann folgt ist für einen unbeteiligten Betrachter ein beeindruckendes Erlebnis. Daniel nimmt den Ball und wirft ihn auf den Korb. Doch Ingrassia weiß da geht noch mehr. Prompt nimmer er sich zwei Pratzen, die eigentlich als Schlagpolster im Kampfsport und in der Kampfkunst verwendet werden, gibt eine an Daniel und fordert sein Gegenüber auf gegen seine Pratze zuhauen. Das Vorhaben gelingt und Daniel sieht man die Freude im Gesicht an. Es ist ein kleiner, aber wertvoller Erfolg, den der Ringertrainer aufbringt. In der Übungstunde darf entsprechend etwas auf seiner Sportart nicht fehlen. So wird Dennis zum Duell auf der Matte aufgefordert. Der fackelt nicht lange und schon geht es hin und her. Peng und schon liegt Ingrassia auf dem Rücken. „Der Dennis ist ein Naturringer“, sagt er mit einem Lächeln. „Wir freuen uns über das was geht und ärgern uns nicht über das, was nicht geht“, sagt Hoffmann. Am Ende stellt sich dann bei Ingrassia die Frage, was von dem Vorherigen hängen bleibt. “Ich werde oft von denjenigen Bewohnern, die sprechen können, gefragt wann es wieder in die Halle geht“, sagt Doris Hoffmann. Bei solchen Aussagen darf nicht nur Ingrassia, sondern auch der Verein Germania Krefeld stolz auf die gelebte Inklusion sein, die mehr Wert ist als ein Meisterschaftssieg.