Sascha Wagner — erster und einziger Tee-Sommelier in Krefeld

Berufung und Leidenschaft : Krefelds einziger Tee-Sommelier

Tee ist seine Leidenschaft: Dafür ließ er seine berufliche Karriere als Versicherungs- und Finanzdienstleister hinter sich. Über Leidenschaft hinaus legte Sascha Wagner großen Wert auf Kompetenz und ließ sich zu Krefelds erstem und einzigen Tee-Sommelier ausbilden. Seit eineinhalb Jahren lebt der 47-Jährige in Krefeld und führt ein Tee-Fachgeschäft im Schwanenmarkt.

Die Idee, sein Hobby zum Beruf zu machen, ist in einem Asien-Urlaub gereift. Von seiner Tätigkeit in der Finanzdienstleistungs- und Versicherungsbranche hatte Sascha Wagner endgültig die Nase voll. Das sei nicht das gewesen, was er sein ganzes Leben lang machen möchte, sagte der 47-jährige Tee-Liebhaber, der seit rund eineinhalb Jahren als Franchisenehmer das Fachgeschäft Tee-Gschwendner im Schwanenmarkt führt. Tee ist die Leidenschaft des gebürtigen Solingers, der in der Krefelder Innenstadt lebt und seine Entscheidung noch keinen Tag bereut hat.

Seit einige Wochen darf sich der Geschäftsmann Tee-Sommelier nennen — als erster und einziger in Krefeld. Die Prüfung dazu hat er bei der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg abgelegt, den Stoff in der Gschwendner-Akademie gebüffelt. In kleinem Kreis lernen zweimal im Jahr übersichtlich große Gruppe sehr intensiv alles über das aromatische Aufgussgetränk. Die Liste für externe Bewerber sei lang, sehr lang, erklärte Wagner. Drei bis vier Jahre Wartezeit seien keine Seltenheit.

Wagner startete mit einem Wissensvorsprung: Bei seinen Asienaufenthalten bereiste er nicht nur das Land, sondern studierte intensiv die Anbaumethoden. „Ich habe auch selbst beim Tee pflücken mitgeholfen. Das ist sehr aufwendig und endet um die Mittagszeit“, berichtete er. Die Hitze für die Arbeiter und der steigende Teeingehalt spielen eine wichtige Rolle“, sagte Wagner.

Der Tee-Sommelier unterscheidet sich in seiner Tätigkeit kaum vom Wein-Kenner, der das Getränk mit Auge und Nase begutachtet, probiert, ausspuckt und analysiert. So kann auch Wagner am Geruch, Aussehen und Geschmack den Herkunftsort der Teeblätter festmachen und den Geschmack blumig beschreiben.

In den Fachseminaren lernte er alles über grünen, schwarzen und weißen Tee, japanischen und chinesischen Tee, Darjeeling aus Indien und Sunderpani aus Nepal. „Die Kunst ist es, die Tees sensorisch zu bestimmen“, sagte Wagner, der in seinem Geschäft im Schwanenmarkt mehr als 250 Teesorten anbietet. Zu den Verkaufserfolgen zählt seine eigene Mischung — der Krefelder Seidenweber-Tee.

Die besondere Note erhält die Grün- und Schwarzteemischung durch den Zusatz von Mango, Papaya, Zitrus, schwarze Johannisbeere und Rosenblätter. „Die nehmen etwas die Säuerlichkeit weg“, erklärte der Tee-Sommelier, der mit seiner Kreation einen breiten Geschmack treffen will.

Darüber hinaus versteht sich der 47-Jährige als Tee-Botschafter: In Krefeld gebe es durchaus eine Tee-Kultur, die aber hauptsächlich in der Generation 50 plus zu finden sei. Sie sei noch ausbaufähig, betonte Wagner. Er besuche kostenfrei Schulen und Kindertagesstätten, um über Tee zu informieren, sagte Wagner.

An der Volkshochschule habe er schon Kurse gegeben und auch einige Gastronomen davon überzeugt, dass sich zwei bis drei ausgewählte Tees auf der Getränkekarte gut machten. Die Kenntnisse oder das Interesse seien zum Teil noch sehr unterentwickelt. „Einmal habe ich einen Darjeeling bestellt und einen Assam bekommen“, sagte er. Erste Erfolge seiner Mission sind bereits zu sehen. Mehrere Cafés wie das Südlicht, Mari und die Kulisse hätten inzwischen losen Tee aus einem Sortiment im Angebot. Auch die benachbarte Eisdiele im Schwanenmarkt biete Tee mit Qualität an. Wagner trinkt übrigens nie Kaffee. Tee werde ihm nie langweilig, man könne stets Neues ausprobieren.

Ferner bietet der Experte rund 90-minütige Tee-Workshops mit Verkostung für drei bis fünf Personen in seinem Geschäft zu verschiedenen Themen an: darunter auch die japanische Matcha-Zeremonie und die chinesische Entsprechung Gongfu-cha.

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