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Krefeld: Eine werdende Mutter hat eine besondere Begegnung mit einem Buchfinken.

Zutraulicher Vogel in Krefeld : Begegnung mit einem Buchfinken

Das Verhältnis von Mensch und Buchfink war schon immer ein Besonderes. Geschichte einer unverhofften Begegnung.

Der Buchfink war schon immer ein besonderer Freund des Menschen, fröhlich einerseits und uns auch deshalb verbunden, weil auf ihn das schöne Wort „Schmutzfink“ zurückgeht: Böse kann man so jemandem schon mal nicht mehr sein. Früher war der Buchfink ein beliebter Käfigvogel - wegen seiner lustigen Gesänge und wegen seiner Gelehrigkeit zur Nachahmung. Vielleicht ist dieser Wesenszug der Grund, warum es zu jener hübschen Begegnung zwischen Nadine Lukoschek und einem Buchfinken kam, der keine Scheu vor der Frau zeigte , ihr folgte, sich füttern und fotografieren ließ. Entstanden sind zauberhafte Bilder, die daran erinnern, dass die belebte Natur der geschwisterliche Grund unserer Existenz ist.

Bei einem Spaziergang der hochschwangeren Frau, so berichtet es Familie Lukoschek, habe sich der Vogel mal auf dem Kopf, mal auf der Schulter der werdenden Mutter niedergelassen; er begleitete sie bis nach Hause, ließ sich füttern.

Der Buchfink hat sich auf dem Kopf von Nadine Lukoschek niedergelassen. Zu der Begegnung kam es kurz vor der Geburt ihres Kindes bei einem Spaziergang. Foto: Daniel Lukoschek

Gut belegt ist, dass Buchfinken ihre Scheu vor dem Menschen verlieren können. Früher war es sogar weit verbreitet, Buchfinken zu halten. „Der Finkenfang war ehedem sehr beliebt, und das Halten von Finken als Käfigvögel, wegen ihres frischen, fröhlichen Schlages, war vor allem bei der Bevölkerung Sachsens, im Anhaltinischen und im Thüringerwald eine außerordentlich verbreitete Liebhaberei“, heißt es dazu in dem schönen Buch „Die Vögel im Volksglauben“ (Ernst und Luise Gattiker, Aula Verlag). „Schlag“ - das ist der Gesang. In dem Buch ist eine Radierung aus dem Jahr 1853 abgebildet, die einen Jungen zeigt, der einem Buchfink auf seiner Hand pfeifend eine Melodie beibringt. „Pfeifunterricht“, heißt die Zeichnung, erschienen in der „Gartenlaube“.

Kommunikation ist am Schönsten in beide Richtungen, und so hat der Mensch alles Mögliche aus dem Gesang des Buchfinken herausgehört; die Überlieferung ist hier reichhaltig. So hörte man aus seinem Ruf im Frühling die Worte „Itz, itz, itz, itz muss der Winter wieder marschiiieeer“ heraus. „Dem Gärtner, der im Garten eine Flasche Bier trinkt, ruft er zu: Fritz, Fritz, Fritz, Fritz, trink de net zuviel Bierrrr“, berichten die Gattikers. Aus der Eifel wird berichtet, dass junge Männer den Ruf des Buchfinken als amouröses Versprechen aufnahmen: „Fit, fit, fit, irf (gib) demm fenge Määdche e lecker, lecker Bützje“.

Der Buchfink gilt als Wetterprophet. Sein Ruf, der wie „schütt, schütt“ klingt wird demnach als Hinweis darauf gehört, dass es bald schüttet. In Schlesien glaubte man daran, dass der frühe Ruf eines Finken Regen bedeutet; in Thüringen hörte man aus dem Ruf des Finken „s trieft, s rieft“ - also: es trieft. Weniger mit dem Ruf, als mit seinem Verhalten hat die Wendung vom „Schmutzfinken“ zu tun: Buchfinken haben auf dem Land unter anderem Pferdeäpfel auf Fressbares untersucht.

Die Tradition ist ungebrochen; bis heute werden dem Buchfinken besondere Fähigkeiten nachgesagt. So finden sich auf der Internetseite „Schamanische Krafttiere“ Passagen, die einerseits die Tradition etwa der Wetterprophetie aufgreifen, aber auch moderne Lebenshilfe umschließen. „Wenn der Buchfink in Ihr Leben fliegt, möchte er Sie daran erinnern, das Leben nicht zu schwer zu nehmen und mit mehr Fröhlichkeit entgegenzutreten. Eine indianische Weisheit bringt es auf den Punkt: Jeder Tag ist gut, weil Du am Leben bist! In diesem Sinne hilft Ihnen der Buchfink dabei, den Blickwinkel zu ändern und mehr Struktur in Ihr Leben zu bringen.“

Das wiederum passt so verblüffend gut zu der Begegnung von Nadine Lukoschek mit ihrem Buchfinken kurz vor der Geburt ihres Kindes, dass man nicht weiter nach dem Woher der Schamanen-Einsicht fragen und den Buchfinken wie das neue Erdenkind ins Herz schließen möchte.

(vo)