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Krefeld: Mies-Modell ist Kulisse für Kurz-Spielfilm

Krefeld : Mies-Modell ist Kulisse für Kurz-Spielfilm

Ein Filmteam hat im Pavillon auf dem Egelsberg "MIK - A Daydream" gedreht. In diesem Herbst soll der Film in Linn gezeigt werden. Die Hauptrolle spielt Jeannette Wernecke, die bis vor vier Jahren am Stadttheater gesungen hat.

Mit seinen Ideen zur Architektur hat Ludwig Mies van der Rohe Fantasien beflügelt – und er tut es immer noch, 44 Jahre nach seinem Tod. Wer den Pavillon auf dem Egelsberg besucht, der auf Mies' Plänen für ein Golfklubhaus basiert, fühlt sich aus der Zeit genommen. Vielleicht spürt er auch jene Modernität, die der nie realisierte Bau in den 1930er Jahren gehabt hätte.

Mal angenommen, die Wirtschaftskrise wäre nicht dazwischen gekommen und das Clubhaus für die Golfer am Egelsberg wäre gebaut worden – dann hätte die Frau im feinen taubenblauen Kleid, die zweifellos zur guten Gesellschaft gehörte, dort tatsächlich ihre große Liebe treffen können. So ist das Ganze ein Tagtraum, den eine Filmemacherin aus Wuppertal in Bilder setzt: "MIK – A Daydream" heißt der Kurzfilm, den Melanie Giel jetzt in dem Mies-Modell auf dem Egelsberg gedreht hat. Das zeitlich begrenzte Projekt der Initiative MIK (Mies in Krefeld) soll "auf diese Weise auch in der Zeit nach seiner Demontage festgehalten werden; in Bildern, die bewegen und träumen lassen", sagt die Regisseurin. Der etwa achtminütige Film soll noch in diesem Herbst im Linner Golfclub gezeigt werden.

Die für ihre Kurzspielfilme preisgekürte Regisseurin, die für Modemarken der Galeria Kaufhof, für Steiff und mit Wolfgang Joop gedreht hat, legt Wert auf Ästhetik – deshalb hat sie der Pavillon auf dem Egelsberg gereizt. Eine Frau, nach der neuesten Mode von 2013 gekleidet, schlendert hindurch, als ihr ein Golfball vor die Füße rollt. Sie bückt sich und hebt den Ball auf – und schon tritt sie eine Zeitreise an, zurück in die 1930er Jahre. Im Tagtraum der jungen Frau ist das Clubhaus fertig, mit Bauhaus-Sesseln und Tischen möbliert, sogar weiße Lilien stehen in einer Vase. Zwei junge Männer im Golfdress der Mode von 1930 kommen auf sie zu. Zwischen ihr und einem Golfer funkt es...

Krefelder Theatergänger werden in der Tagträumerin eine gute Bekannte wiedererkennen: Jeanette Wernecke – ehemaliges Mitglied des Musiktheaterensembles am Gemeinschaftstheater – spielt die Hauptrolle. Als böse Stiefschwester von Aschenputtel und Cunegonde in "Werther" hat das Opernpublikum sie erlebt.

Zum Ende des Films wird Wernecke wieder in die Gegenwart geholt – in der ist Mies' Clubhaus nur ein Modell, der Pavillon eine Skulptur gewordene Idee. Aber die Erinnerung – und den Golfball – nimmt sie mit. Diese Stimmung will Giel auch in den Zuschauern erzeugen. Als Kameramann trägt dafür Stephan Schuh die Verantwortung. Der 44-Jährige stand schon für den "Schuh des Manitu" und "(T)Raumschiff Surprise. Episode 1" hinter der Kamera, drehte "SOKO"-Krimis und Comedy für Erkan & Stefan und Kaya Yanar.

Für die Dreharbeiten hatte das Team der Wuppertaler W.I.P. Productions nur einen Tag zur Verfügung. Und mit blauem Himmel optimale Bedingungen. Ein weiterer Tag war für Luftaufnahmen mit einem Hexacopter – eine Schwebeplattform mit vier senkrecht nach unten ausgerichteten Propellern eingeplant. "Jetzt brauchen wir nur noch ein bisschen Glück mit Sponsoren", sagt Christian Stede, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit. Der Dreh sei mit gut 2000 Euro finanziert, aber für die Nachproduktion, das Schneiden, den Ton und die Farbbearbeitung, damit der Film die nostalgische Anmutung der 1930er Jahre vermittelt, fehlt laut Stede ein Budget von knapp 4000 Euro.

Die Premiere des Films soll im Linner Golfclub stattfinden, auch in anderen Golfclubs der Region soll der Film anschließend zu sehen sein. Außerdem hat Melanie Giel eine Sendung bei Arte ("kurzschluss") eingeplant.

(RP)