Krefeld: In Gellep-Stratum sorgen sich Bürger wegen eines stechenden Geruchs

Umweltbelastung: Ammoniak über Gellep sorgt für starken Geruch

Geruchsbelästigung in Gellep-Stratum

Bei Messungen am Hafen sind geringe Konzentrationen von Ammoniak nachgewiesen worden. Bürger aus Gellep-Stratum hatten seit März stechende Gerüche festgestellt. Jetzt sucht die Bezirksregierung nach dem Verursacher.

Ammoniakbelastung in Gellep-Stratum: Das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Verbraucher (Lanuv) ist am Wochenende zu einem Sondereinsatz nach Krefeld ausgerückt und hat Messungen vorgenommen, um der Ursache für einen stechenden Geruch auf die Spur zu kommen und herauszufinden, ob Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung besteht. Pressesprecher Wilhelm Deitermann nannte auf Anfrage unserer Redaktion das Unternehmen Compo als möglichen Verursacher. Am Montagnachmittag wurde das Ergebnis bekannt: Mithilfe der Messungen wurden geringe Konzentrationen von Ammoniak nachgewiesen. Eine Sprecherin des Lanuv erklärt: „Die Grenzwerte sind nicht überschritten, es besteht keine Gesundheitsgefahr.“ Dennoch sei der Austritt von Ammoniak eine Belästigung, die häufig von Gülle und Schweinemast-Betrieben ausgehe. Nun müsse nach der Ursache gesucht werden. Dies sei Aufgabe der Bezirksregierung.

Die Bezirksregierung geht, teilt Sprecherin Dagmar Groß mit, von mehreren Verursachern aus. Bei der Firma Compo seien keine Verstöße gegen die bestehende Genehmigung festgestellt worden. Die Beschwerden der Bürger würden ernst genommen. „Um die möglichen Verursacher zu finden, führen sowohl die Bezirksregierung als auch die Stadt Krefeld weitere Kontrollen und Streifengänge durch“, sagt Groß. Die Bezirksregierung wertet die Ammoniak-Messungen als „ohne Ergebnis“. Die Untersuchungen dauerten noch an, sagt Groß.

Die Verunsicherung unter den Gellep-Stratumer Bürger ist groß, viele haben Angst, dass gesundheitliche Gefahren von den Emissionen ausgehen könnten. Foto: Carola Puvogel

Seit März haben Anwohner immer wieder beißende Gerüche wahrgenommen, die, je nach Windrichtung, vor allem abends über den Stadtteil ziehen. „Man kann sich kaum mehr draußen aufhalten, die Augen jucken, der Hals wird trocken“, schildert Bürgervereinsvorsitzender Gregor Roosen das Problem. Andere Bürger berichten von einem pelzigen Gefühl, Atemproblemen und vor allem von Gestank. In hunderten Einträgen auf der geschlossenen Facebook-Seite „Ich bin Gelleper...“ haben Anwohner über die vergangenen Monate ihrem Ärger über die Belästigung Luft gemacht und immer wieder vermerkt, wann es stinkt. Auch die Bürger haben das Unternehmen Compo in Verdacht. Die in der Facebook-Gruppe gesammelten Informationen sind außerdem an die Bezirksregierung als zuständiger Aufsichtsbehörde weitergegeben worden.

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Compo-Werksleiter Heinrich Leymann weiß von den Vorwürfen. „Die Beschwerden sind bekannt“, sagt er auf Anfrage. Die Bezirksregierung sei bereits vor Ort gewesen. Leymann berichtet, sein Unternehmen sei den Beschwerden „intensiv nachgegangen“. „Aber es konnte kein Bezug zu unserer Produktion hergestellt werden“, sagt er. Die Liste mit den Zeiten der von den Bürgern notierten Geruchsbelästigung sei mit den Produktionsdaten von Compo abgeglichen worden. „Wir konnten zeigen, dass wir oft zu den genannten Zeiträumen gar nicht produziert haben“, sagt Leymann. Die Überwachungseinheiten der Anlagen hätten zudem keine Auffälligkeiten gezeigt. Leymann ärgert sich darüber, dass Compo im Fokus der Vorwürfe steht. „Was ist mit den anderen Unternehmen im Hafen?“, fragt er. Er selber habe übrigens, sagt er, den Geruch noch nie wahrgenommen.

Damit steht er im Stadtteil ziemlich allein da. Zum Pressetermin am Montagmorgen am Rewe-Markt sind trotz kurzfristiger Bekanntgabe mehr als 20 Bürger jeden Alters gekommen. Die Ergebnisse der Messungen sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Die Anwohner berichten von Ängsten vor einer möglichen Gesundheitsgefahr, besonders für Kinder. Die Verunsicherung ist groß. „Das riecht wie verbrannter Kunststoff, beißend, das geht auf die Lunge“, sagt etwa Gabriele Theißen. Bürgervereins-Vorstandsmitglied Kurt Hartwich kritisiert Stadt und Bezirksregierung: „Man wird nicht ernst genommen und nur vertröstet“, schildert er seine Erfahrungen der letzten Monate. „Anfragen werden abgeblockt, keiner hält sich für zuständig“, sagt er.

Gregor Roosen fühlt sich durch die Ergebnisse der Messungen in seinem Verdacht bestätigt. „Das ist genau das, was ich erwartet hatte, und ich bin froh, dass wir jetzt Fakten vorliegen haben“, sagt er. „Es fehlt noch der letzte Schritt: Das Auffinden des Verursachers. Ihn muss man dazu bringen, das Leck im Ventil oder was auch immer zu finden und endlich die Belästigung abzustellen.“ Roosen kündigt an, der Bürgerverein Gellep-Stratum werde weiter Druck machen und nicht locker lassen, bis die Geruchsbelästigung beseitigt ist.

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