Lehar-Operette Die Lustige Witwe in Krefelder City open air

Krefelder Fußgängerzone: 34 Grad - Krefeld schwelgt im Walzertakt

Franz Lehars Operette „Die Lustige Witwe“ begeisterte mehrere Hundert Zuschauer: Wunderbare Stimmen und exquisite Streicher brachten Klassik „in Espresso-Form“ in die Fußgängerzone. Ein Erfolg.

Alle Unkenrufe, bei einer solchen Hitze würde wohl kaum jemand zu einer Operettenaufführung im Freien kommen, bewahrheiteten sich nicht. Bereits eine halbe Stunde, bevor „Music To Go e.V.“ mit seiner beliebten „Operette im Espresso-Format“ am Schwanenmarktbrunnen begann, waren alle verfügbaren Bänke, die Steinumkleidung des Brunnens und mitgebrachte Klappstühle besetzt. Später kommende Musikfreunde behalfen sich mit auf dem Boden ausgebreiteten Decken oder lauschten stehend – möglichst im Schatten – den einschmeichelnden Klängen der „Lustigen Witwe“ von Franz Lehár.

Die Sängerin Désirée Brodka, der die Leitung, die Moderation und stets die weibliche Hauptrolle der Aufführungen obliegt und die in diesem Sommer parallel zu „Music To Go“ als Eliza Doolittle („My Fair Lady“) bei den Eutiner Festspielen zu erleben ist, war auch diesmal mit strahlkräftigem Sopranglanz und faszinierender Bühnenpräsenz Dreh- und Angelpunkt des Geschehens.

James Park als Camille de Rossilon
James Park als Camille de Rossilon umgarnt die Baronin Valencienne Zeta (Maija Tutova). Foto: Dirk Kamp

Als angebliches „Landmädchen“ darf Hanna Glawari den sie verehrenden Grafen Danilo nicht heiraten, so ehelicht sie einen reichen Mann, der bald darauf stirbt. Nach vielen Irrungen und Wirrungen finden die Liebenden schließlich doch zusammen.

Brodkas Danilo ist in Krefeld der exzellente Bass-Bariton Agris Hartmanis aus Lettland, der mit Charme und baritonalem Schmelz nicht nur seine Hanna, sondern auch das Publikum verzaubert. Einmal gelingt es ihm sogar, eine junge Dame aus dem Publikum zum Mittanzen auf der improvisierten Bühne zu gewinnen.

Die lustige Witwe Hanna Glawari (Désirée
Die lustige Witwe Hanna Glawari (Désirée Brodka) hat endlich wieder zu ihrem Grafen Danilo (Agris Hartmanis) gefunden: Happy End vor dem Schwanenmarkt. Foto: Dirk Kamp
  • Desirée Brodka als Christl von der
    Operette Open Air : Die lustige Witwe singt in der City

Ebenso begeistert sind die Zuhörer zu Recht von dem großartig singenden und faszinierend agierenden Tenor James Park in der dankbaren Rolle des Camille de Rossilon. Er bildet mit der kokett spielenden und ihren gepflegten, hoch liegenden Sopran geschickt einsetzenden Lettin Maija Tutova (als Valencienne) das muntere Buffopaar. Gereon Grundmann ist mit profunder Basstiefe der um die Ehre seiner Frau Valencienne besorgte Ehemann.

Raphael Thöne hat die beliebte Lehár-Operette geschickt und werkgerecht für fünf Sänger und ein Streichquartett bearbeitet und dabei darauf geachtet, dass alle „Ohrwürmer“ berücksichtigt wurden. So durften die animierten Zuhörer genießen oder mitsummen bei „Heut‘ geh‘ ich ins Maxim“, „Das Studium der Weiber ist schwer“, beim „Vilja-Lied“ oder dem hinreißenden Walzer „Lippen schweigen“. Nun hatten sich die Liebenden endlich gefunden, und der Schlussbeifall, der auch die choreografisch stimmige und angesichts der geringen Bühnenfläche äußerst schwierige Ausarbeitung mit einbezog, war ausdauernd und enthusiastisch.

Die klangschöne und fast immer mit dem Gesang bestens abgestimmte Begleitung — ohne Dirigent! — besorgte ein Streichquartett unter der engagierten Federführung der gebürtigen Krefelder Geigerin Katharina Storck.

Auch wenn einige Fahrradfahrer teils mehrmals demonstrativ vor der Bühne vorbeifuhren um zu dokumentieren, dass sie ein solches Straßentheater nicht interessiert, ist mit Sicherheit anzunehmen, dass „Music To Go“, der in diesem Monat insgesamt zehn Aufführungen zu absolvieren hat, beim nächsten Besuch in Krefeld erneut mit einem großen und vermutlich auch wieder begeisterten Publikum rechnen kann. Zuhören und Zusehen sind frei bei dieser Truppe, doch die gelben Kästen, mit denen die Akteure zwar völlig verschwitzt, aber glücklich durch die Reihen gingen, waren am Schluss zum Glück gut gefüllt mit Spenden der Zuhörer. So wird diese verdienstvolle Unternehmung, ganz locker und ohne jeden Zwang auch Fernstehende mit Musik vertraut zu machen, doch entsprechend honoriert.