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Korschenbroich: "Korschenbroich liest" startet mit Kirchen-Kino

Korschenbroich : "Korschenbroich liest" startet mit Kirchen-Kino

Die "Liebe" führte vor allem Frauen, aber auch einige Männer ins Pfarrzentrum St. Andreas. So heißt der Film, der jetzt beim Sommer-Lese-Festival "Schau-Plätze" im Rahmen von "Korschenbroich liest" im Mittelpunkt stand.

Die Besucher" genossen das "KirchenKino kulinarisch": Das Fingerfood von Kornelia Baumeister vom Katholischen Forum war vorzüglich, der Film faszinierend, wenn auch nicht ganz leicht verdaulich - "Liebe" handelt vom Umgang mit zunehmendem Verfall im Alter, der Schauplatz ist Paris.

Es gibt Filme mit vielen aufregenden Effekten, aber mit "plattem" Inhalt. "Liebe" von Michael Haneke ist da ganz anders. Claudia Meuser führte in das Thema ein. Im Mittelpunkt steht das Ehepaar Anne (Isabelle Huppert) und Georges (Jean-Louis Trintignant). Die Zuschauer bekommen einen Einblick in eine großbürgerliche Pariser Altbauwohnung, die ein wenig verstaubt und dunkel wirkt, die aber auch den Geist von zwei gebildeten, musischen Köpfen zu atmen scheint, den der beiden Musikprofessoren, so um die 80 Jahre alt.

Der Erfolg des Films erklärt sich bereits nach wenigen Minuten: Die leisen Töne genügen, um die Zuschauer zu bewegen, zu berühren, betroffen und nachdenklich zu machen. "Du warst hübsch heute Abend": Die Liebe, die die beiden Greise verband, war immer noch spürbar. Sie sollte überraschend schnell auf eine harte Probe gestellt werden: Anne hat plötzlich einen Aussetzer. Es folgt ein leichter Schlaganfall. Auf eine sehr subtile, alles andere als effektheischende Art wird die neue, belastende Situation deutlich: Anne verliert schnell die Lust am Leben, ein zweiter Schlaganfall setzt ihr stark zu: Aus der vornehmen, gebildeten Frau ist ein Wrack geworden, Georges verliert die Nerven, gibt ihr eine Ohrfeige, als Anne ihm das mühsam mittels Schnabeltasse zugeführte Wasser ins Gesicht spuckt.

Die Mühsal des Alltags unter den Vorzeichen der schweren Erkrankung nimmt großen Raum ein in "Liebe". Georges beendet das Leiden seiner Frau, indem er sie erstickt. Auf nebulöse Weise entschwindet er, folgt offenbar seiner Frau. Das Pariser Ehepaar lässt die Zuschauer des Films mit vielen Fragen allein: Wie würde ich entscheiden? War ihr Handeln richtig?

(NGZ)