Korschenbroich: Elterntaxis sind ein Ärgernis für die Stadt

Probleme vor Schulen in Grevenbroich: Stadt ist machtlos gegen Elterntaxis

Wer sein Kind mit dem Auto zum Unterricht bis kurz vor das Schultor bringt, missachtet oft Verkehrsregeln. Die Stadt Korschenbroich und die Polizei versuchen das einzudämmen – haben dabei bislang allerdings wenig Erfolg.

Kurz vor Unterrichtsbeginn an der Andreas-Schule an der Kleinenbroicher Straße in Pesch: Wie aus dem Nichts entsteht plötzlich ein Stau, SUVs drängen Kleinwagen zur Seite, gestresste Fahrer schimpfen und hupen. So wie an der Andreas-Schule sieht es zu bestimmten Zeiten an allen Grundschulen der Stadt aus: Eltern bringen ihre Kinder zum Unterricht, ein paar Stunden später die gleiche Situation, wenn die Schule aus ist.

„Da fällt einem nichts mehr ein, was man da noch regulieren soll“, sagte Ratsherr Andreas Heidemann in einer Bürgerversammlung der CDU. „Die halten sogar an der Bushaltestelle und fahren mit den SUVs auf den Bordstein, obwohl er hoch ist. Selbst, wenn man dort ein absolutes Halteverbot einrichten würde: Das interessiert die Autofahrer nicht.“

„Es geht um ein Fehlverhalten vor allem morgens“, sagte der Technische Beigeordnete Georg Onkelbach. „Wir sind permanent präventiv dabei, auch mit Hilfe der Polizei, an den Schulen unserer Stadt Abhilfe zu schaffen. Aber das ist an jeder Schule das Gleiche.“ Das gelte auch für die Realschule und das Gymnasium. „Sie dringen zu den Leuten einfach nicht durch“, sagte Onkelbach. Es sei deshalb auch so schwierig, „weil wir es auf Dauer mit einer wechselnden Betroffenheitsgruppe zu tun haben.“

In Mönchengladbach geschehe es jeweils am Einschulungstag, dass die Stadt gemeinsam mit der Polizei auf die Problematik aufmerksam mache. „Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen: Drei Tage später haben die Eltern das vergessen“, beschrieb Onkelbach die Situation in Mönchengladbach. Dann gehe alles wieder von vorne los. Die Polizei kontrolliere vor der Schule einige Fahrer, die keine Kindersitze im Auto haben. Wenig später interessiere das die Fahrer nicht mehr.

Leben wir in einer immer egoistischer werdenden Gesellschaft? Wer Georg Onkelbach an diesem Tag hörte, kann das wohl vermuten. „Sie können das den Leuten 1000-mal erzählen,“ sagte der Beigeordnete. Das sei genauso wie mit dem zu schnellen Fahren. „Zu schnell gefahren wird immer nur bei mir vor der Haustür. Wenn das in der nächsten Straße passiert, interessiert mich das nicht mehr.“ Auch beim Thema Parkplätze sei das so. „Das findet nur Interesse, wenn es mich behindert, aber ansonsten nicht.“ Selbst wenn die Stadt Halteverbotsschilder aufstellen würde, wäre das nicht zu regeln.

In der Diskussion wies ein Bürger darauf hin, dass es an der Realschule früher viel schlimmer gewesen sei, doch nun nutzten Eltern den Parkplatz vor der Schule. „Das ist so, weil es dort andere Möglichkeiten gibt“, sagte Bürgermeister Marc Venten. Dies sei aber bei den anderen Schulen nicht der Fall. Ist die Stadt nun etwas hilflos, wenn es um die Elterntaxis für Schulkinder geht?

Bei der Bürgerversammlung jedenfalls stand am Schluss ein deutliches Jein. Denn trotz Präsenz der Polizei und trotz der Halteverbotsschilder kann das Problem offenbar nicht gelöst werden. So bleibt der Stadt letztlich immer wieder nur der Appell an die Eltern, die Kinder auf einem sicheren Schulweg so oft wie möglich zu Fuß zur Schule gehen zu lassen.

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