Mädchenfußball : Kämpferherzen: Mission Regionalliga beginnt

Die B-Juniorinnen von SV Bedburg-Hau wurden in der vergangenen Saison Niederrhein-Meister. Nun entschieden sie sich für den Aufstieg.

Für die Mädchen der U17-Kämpferherzen war es ein wichtiger Termin: das alljährige Foto-Shooting auf dem Rasenplatz des Talentförderzentrums beim VfR Warbeyen. 21 Mädchen wollen bestmöglich in Szene gesetzt werden – eine Herausforderung für jeden Fotografen. Immer wieder muss die Frisur gerichtet und das Trikot geradegerückt werden. Noch mehr aber fällt bei der Beobachtung des Fotoschießens die ausgelassene Stimmung auf. Durchgängig quatschen, lachen und witzeln die Mädchen miteinander. Das obligatorische „Bitte lächeln“ ist bei dieser Mannschaft obsolet. Dabei stehen zwei große Herausforderungen vor dem Team. In der kommenden Spielzeit werden sie in der Regionalliga und damit der zweithöchsten Juniorinnen-Spielklasse starten. Zudem hat sich die Truppe von zahlreichen Leistungsträgerinnen verabschieden müssen, die aufgrund ihres Alters der Gruppe entwachsen sind und sich nun der Frauenmannschaft Warbeyens angeschlossen haben. „Wir freuen uns extrem auf dieses Abenteuer. Es gibt für uns doch keinen Grund, Angst zu haben. Schließlich sind wir eine richtig gute Mannschaft“, sagt Torhüterin Clara Giebels (16).

Die vergangene Saison schlossen die Nachwuchs-Kickerinnen von Trainer Sven Rickes als Tabellenerster der Niederrheinliga ab. 88 Ligatore, 18 Siege und kein Punktverlust nach der Winterpause – es sind die Kennzahlen einer überragenden Spielzeit. „Das war für alle Beteiligten der Wahnsinn. Insbesondere unsere Souveränität zum Saisonende war beeindruckend. Aber ob wir wirklich aufsteigen, haben wir lange beraten“, erklärt Rickes. Der Übungsleiter wollte alle Spielerinnen, den Betreuerstab, die Eltern, den SV Bedburg-Hau sowie die Leitung des TFC hinter der Entscheidung wissen. Einzelne Zweifel habe es gegeben, erklärt er, aber nun gehen alle dem Abenteuer freudig entgegen. Ein Saisonziel wird Rickes erneut nicht ausgeben, dafür ist allein die Mannschaft verantwortlich: „Wie im letzten Jahr werden sie sich selber Ziele stecken. Erst in der Winterpause formulierten die Mädels den Aufstieg als Ziel. Ich bin gespannt, was sie nun anpeilen“, sagt Rickes, der vor Saisonbeginn noch zu einem Trainingslager nach Warbeyen einladen wird. Das Prinzip der Eigenverantwortung wird bei den Kämpferherzen ohnehin großgeschrieben, auch der Mannschaftsrat wird von den Kickerinnen in der kommenden Woche selber gewählt werden. Nur die Spielführerin bestimmte das Trainerteam: Anna Schneider (16) wird die Elf ab sofort auf dem Rasen anleiten.

Ehe sich die Nachwuchs-Spielerinnen aber auf die Regionalliga vorbereiten können, mussten sie sich von einigen Leistungsträgerinnen verabschieden, die nun im Seniorenbereich kicken. „Es sind viele Tränen geflossen. Schließlich begleite ich diese Mädels nun schon seit knapp acht Jahren. Aber nun blicken wir nach vorn“, sagt Rickes. Unter anderem musste er den Abgang seiner Töchter Zara und Chloé verkraften; auch Julia Hülsken, die im vergangenen Durchgang dreißig Mal einnetzte, ist nicht mehr an Bord. Dafür, dass die Truppe dennoch schlagkräftig aufgestellt ist, zeichnet sich wiederrum Klaus Bartsch, Leiter des TFC verantwortlich: „Es ist für uns alle eine ganz neue Situation, auf die wir uns aber sehr freuen. Allein organisatorisch gibt es in der Regionalliga viel höhere Standards, die Professionalisierung ist viel weiter.“ Über Monate hinweg scoutete er in der Region nach neuen Talenten und wurde fündig: Er verpflichtete Rieke und Lorena Hofkens (beide 14) von Alemannia Pfalzdorf, Naomi Wörner (14) vom SSV Reichswalde sowie Mahee Derricks (15) und Róme Helmus (13) aus Kevelaer. Darüber hinaus stießen zahlreiche Spielerinnen aus der eigenen Jugend zum Kader. Mahee wird in die großen Fußstapfen von Julia Hülsken treten, blickt ob ihrer eigenen Fähigkeiten aber optimistisch auf die Herausforderung: „Druck mache mir da keinen allzu großen. Ich weiß, was ich kann und werde alles geben“, sagt sie. Auch Rickes glaubt an seinen Neugewinn: „Mahee ist sehr sprintstark und hat einen guten Abschluss. Sie wird uns zweifelsfrei bereichern.“

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Für einen echten Coup sorgte die sportliche Leitung der Kämpferherzen erst kürzlich, als sie die Verpflichtung der 15-jährigen Schwestern Alysha und Kira Zemlin aus Moers bekanntgab, die im Juniorinnenfußball über die Grenzen des Niederrheins hinaus einen hervorragenden Ruf genießen und vom GSV Moers dazustoßen. Dort waren sie zuletzt abgestiegen. „Es war unser Ziel, auch in diesem Jahr unbedingt Regionalliga zu spielen. Die Wahl für die Kämpferherzen fiel uns dann leicht: Schließlich ist die Stimmung hier einfach hervorragend, wir verstehen uns schon jetzt mit allen gut“, sagt Kira.

Zwei Wünsche aber konnten Rickes nicht erfüllt werden: „Gerne hätte ich noch zwei Innenverteidigerinnen bei uns begrüßt. Dennoch sind wir bestens aufgestellt – das Ausbildungsniveau wird immer höher“, sagt er. Hervorragend aufgestellt waren die Kämpferherzen auch beim Fotoshooting. Wenn die Stimmung im Team so gut bleibt, dürften sie auch in der neuen Liga aufhorchen lassen.