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Kaarst: Urlaubsreise durch Nordkorea

Kaarst : Urlaubsreise durch Nordkorea

Eine Woche verbrachte Patrick Schappert mit einer internationalen Gruppe in dem von der Militärdiktatur abgeschotteten ostasiatischen Staat. Das Programm stand stets im Sinne der Propaganda. Fernab davon erlebte der Kaarster aber auch zahlreiche beeindruckende Momente.

Nordkorea ist das wohl am meisten abgeschottete Land der Welt. Trotzdem lässt der Staat Touristen einreisen. Patrick Schappert verbrachte mit einer internationalen Gruppe eine Woche im Land. Die Tour war vom ersten bis zum letzten Moment durchorganisiert, das Programm stand stets im Sinne der Propaganda.

Zum Beispiel beim Besuch des "Friendship House", in dem mehr als 124 000 Geschenke an die verstorbenen Diktatoren Kim-Il Sung und Kim Jong-il ausgestellt werden. Oder bei der Stippvisite in einem Krankenhaus, wo den Ausländern in einem Video gezeigt wird, welch gutes Essen die Patienten bekämen. Ein in den 1960er gekapertes Spionageschiff der USA wird stolz präsentiert. Bronzestatuen im ganzen Land preisen die Herrscher im Staat. "Ziel ist es zu zeigen, wie beliebt der Führer und das System in der Welt seien", sagt Schappert. Gleichzeitig wüssten die Bürger kaum, wie es im Westen aussieht.

Die Einreise erfolgte über China. Die Beantragung der Visa über die nordkoreanische Botschaft verlief relativ einfach. Schappert musste allerdings unterschreiben, nicht von der Presse zu sein. Die Reiseleitung sammelte alle Reisepässe und Handys ein. Seine mit GPS ausgestattete Fotokamera hätte er ebenfalls nicht benutzen dürfen. Im letzten Moment kratzte er das GPS-Logo ab. "Dabei funktioniert GPS im Land gar nicht", sagt er. Mit seiner Videokamera durfte Schappert mehr filmen als zunächst erwartet. Manchmal ließ er sie aber auch heimlich mitlaufen, etwa als eine Gruppe Soldaten an ihm vorbeimarschierte. Heimliche Videoaufnahmen gibt es wahrscheinlich auch von ihm. "Es hält sich das Gerücht, dass in unserem Hotel im fünften Stock die Überwachungstechnik untergebracht ist. Zumindest gibt es im Aufzug keine Zahl fünf", erzählt er.

Fern der Propaganda erlebte der Kaarster auch viele beeindruckende Momente. Eigentlich dürfen die gewöhnlichen Bürger keinen Kontakt zu Ausländern haben. Begegnen sie ihnen, blicken die Nordkoreaner nach unten. Trotzdem durfte sich Schappert mit einer Hochzeitsgesellschaft fotografieren lassen. Und nachdem er einem kleinen Kind etwas Schokolade schenkte, gab es von Passanten dafür Applaus.

Politisches Interesse und die Abenteuerlust verschlugen Patrick Schappert auf diese außergewöhnliche Urlaubsreise. "Viele glauben, in Nordkorea sei alles grau in grau. Dabei gibt es sehr viel Grün, die Landschaft mit den riesigen Reisfeldern ist toll", sagt er. In fünf Jahren möchte Schappert noch einmal zurückkehren. Er glaubt, das Land werde unter der neuen Führung des jungen Diktators Kim Jong-un für seine Verhältnisse einen Wandel erleben.

(stef)