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Kaarst: Barrierefreiheit macht Probleme

Kaarst : Barrierefreiheit macht Probleme

Die Politik hat beschlossen, dass das leerstehende Gebäude der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule in eine Kita umgebaut wird. Schwierigkeiten macht den Planern die vorgegebene Barrierefreiheit im ersten Geschoss.

Der 1. August 2013 sitzt allen im Nacken. Das ist der Tag, ab dem Eltern einen Rechtsanspruch auf ausreichend Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren haben. Der angestrebte "Betreuungsgrad" der Bundesregierung liegt bei 35 Prozent, erwartet wird allerdings, dass der tatsächliche Bedarf viel höher sein wird. Um die Vorgaben erfüllen zu können, müssen darum in Kaarst, wie in fast allen Kommunen, schnellstmöglich zusätzliche Kita-Plätze geschaffen werden. Und das setzt Planer, Politik und Verwaltung unter Druck. Viel Zeit, Probleme zu lösen, bleibt nicht. In Kaarst stellt sich aktuell die Frage: Was genau bedeutet eigentlich "barrierefrei"?

Stand der Dinge ist der: Neben einer fünfgruppige Einrichtung an der Danziger Straße und einer zweigruppigen Kita am Vorster Wald soll aus dem leerstehenden Schulgebäude der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule an der Bussardstraße eine sechsgruppige Kindertageseinrichtung entstehen. Die "annähernde" Kostenschätzung des Architektenbüros Buckebrede, Pohl und Belha sieht aktuell 170 000 Euro für die Herrichtung und Erschließung des Grundstücks vor. Für die Baukonstruktionen wurden rund 1,6 Millionen Euro kalkuliert, für die technischen Anlagen 639 700 Euro, für die Aufbereitung der Außenanlagen 212 500 Euro und für die Ausstattung 473 400 Euro. Macht zusammen rund 3,1 Millionen Euro.

Die zugrundeliegende Planung geht wohlgemerkt lediglich von einem barrierefreien Ausbau im Erdgeschoss aus. Der Stadtrat hingegen hatte im Mai beschlossen, das gesamte Gebäude – also Erdgeschoss und Obergeschoss – behindertengerecht durchzuplanen und auszurichten. Eine entsprechende Ausstattung des ersten Geschosses mit zum Beispiel sich selbst öffnenden Türen und breiteren Durchgängen würde die Kosten weiter nach oben treiben. Die Lösung könnte ein Aufzug sein.

Nach den Maßstäben der Inklusion (Integration Behinderter) und nach Abstimmung mit dem Jugendamt sei ein solcher, bei kompletter Barrierefreiheit im Erdgeschoss, zur Erfüllung der Aufgaben als Kindertagesstättenträger ausreichend, sagt Bürgermeister Franz-Josef Moormann. Die Entscheidung darüber erfordere allerdings einen neuen Stadtratsbeschluss. Sabine Kühl (SPD) schlug in der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause vor, sich nicht an den "allein auf Erwachsene ausgerichteten" gesetzlichen Vorgaben zur Barrierefreiheit zu orientieren, sondern Architekt Thomas Belha ein eigenes Kaarster Konzept erstellen zu lassen. Ob das möglich ist, wird nun geprüft. Grünen-Fraktionschef Christian Gaumitz gab indes zu bedenken, ein komplett barrierefreier Aus- und Umbau des ehemaligen Schulgebäudes komme kostenmäßig womöglich an einen Neubau heran. Für eine Überprüfung dieser These wiederum fehlt – die Zeit.

(NGZ)