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Kaarst: "Ein ganz normaler Sommer"

Kaarst : "Ein ganz normaler Sommer"

Seit sechs Jahren betreibt Sebastian Günther eine private Wetterstation an der Cusanusstraße. Für Kaarst er die Daten der vergangenen Jahre verglichen. Sein Fazit: Regen und Niedrigtemperaturen typisch für die Region.

Wann wird's mal wieder richtig Sommer? Definitiv beantworten kann Sebastian Günther diese Frage zwar nicht, aber — er hat eine Ahnung. Der 25-Jährige betreibt seit sechs Jahren eine private Wetterstation an der Cusanusstraße. Eigentlich erwartet man im Sonnenschein und Temperaturen um die 30 Grad Celsius. Doch der vergleich der Werte von heute mit denen der vergangenen Jahre führt zu einer unerwarteten Erkenntnis: "Es ist eigentlich ein ganz normaler Sommer", sagt Günther.

Der Wetterexperte hat die gesammelten Daten der vergangenen Jahre einzeln und mit dem Gesamtdurchschnitt verglichen. Außer im letzten "Supersommer" 2010 regnete es im Juni immer viel. In diesem Jahr fielen in dem Monat 74,6 Liter pro Quadratmeter, in 2011 sogar 82,8 Liter. Und selbst in 2007 und 2008 war es regnerischer. Also müsste der Mensch es gewöhnt sein und bräuchte nicht mehr zu klagen.

"Beim Wetter erinnern sich die Leute immer nur an die letzten schlechten Tage. Das vermiest natürlich die Stimmung", meint Günther. Seit seiner Datenaufzeichnung ab 2006 hat er für den Juni eine Durchschnittstemperatur von 18,6 Grad Celsius ermittelt. Darin enthalten sind alle Werte rund um die Uhr. Mit 17,13 Grad war es dieses Jahr also kühler. Der heißeste Tag des Jahres war trotzdem im selben Monat, als das Thermometer am 28. Juni in der Spitze 30,7 Grad erreichte.

"Auffällig ist, dass es in diesem Jahr oft viele Tage am Stück regnete", sagt Günther. Die bisherige Menge von 63 Litern pro Quadratmeter sei für Juli allerdings normal, so der Hobby-Meteorologe. Zwischen dem 9. und 15. Juli gab es bis auf eine Ausnahme täglich Regen. Der Gesamtwert für den Monat liegt im Schnitt bei 100 Litern pro Quadratmeter. "Zu einer solchen Menge kommt es aber auch, weil bei Gewitter viel Regen in kurzer Zeit fällt", erklärt er. Bei den Temperaturen liegt der Durchschnitt nach aktuellem Stand bei 18,76 Grad, knapp einen Grad über dem im Vorjahr, rund 1,5 Grad unter dem Gesamtschnitt. Zum Vergleich der Supersommer im Juli 2010: Bei durchschnittlich 22,63 Grad erreichte der heißeste Tag den Top-Wert 36,6 Grad.

Aber auch dieses Jahr wurde bereits geschwitzt, nämlich am 5. Juli mit 30,6 Grad. Die letzten sieben Tage erreichte die Quecksilbersäule aber nie die 25 Grad. Der Sommer ist mit Blick auf die Statistik der vergangenen Jahre nicht ungewöhnlich, aus meteorologischer Sicht trotzdem außergewöhnlich. "Die Tiefs haben sich nach Süden verlagert. Früher zogen sie über Großbritannien hinweg, heute direkt über Nordrhein-Westfalen", sagt Sebastian Günther. Eine Prognose kann der 25-Jährige über seine Wetterstation nicht erstellen. Aus Erfahrung rechnet er aber mit wechselhaftem Wetter für den Rest der Woche, auch in der kommenden solle es kaum wärmer als 25 Grad werden. "Unser Wetter ist unberechenbar."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Regensommer - unsere Leser sind ab auf die Insel

(stef)