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Kommunalwahl 2020 in Kaarst: Uschi Baum jetzt FDP-Bürgermeisterkandidatin

Kommunalwahl 2020 in Kaarst : FDP setzt auf Verjüngungskurs

Nach satten vier Stunden Wahlversammlung und Stadtparteitag der Kaarster FDP am Samstag im Georg-Büchner-Gymnasium steht fest: Uschi Baum ist jetzt offiziell Bürgermeister-Kandidatin.

Ein Blick auf die Reserveliste der Bewerber für ein Ratsmandat zeigt zudem, dass die Partei radikal verjüngt wurde. Die Jungen waren auch maßgeblich an der Ausarbeitung des Wahlprogramms beteiligt – von den Urgesteinen gab es dafür Lob.

Der Bundestagsabgeordnete Otto Fricke leitete Wahlversammlung und Stadtparteitag. Er achtete penibel darauf, dass keine Formfehler gemacht wurden und beliebte dennoch zu scherzen: „Ich glaube, dass du knapp darüber bist“, sagte er zu Uschi Baum und meinte das Mindestalter von 23 Jahren, das für Bewerber des Bürgermeisteramtes gilt. Wenig später war die Kandidatin mit 20-Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen und einer Nein-Stimme offiziell zur Bürgermeister-Kandidatin gekürt worden. „Ich will Bürgermeisterin werden, das ist mein ganz klares Ziel“, erklärte sie. Für alle Unternehmer in Kaarst wolle sie den roten Teppich ausrollen, die Digitalisierung sei ihr wichtig. 

Auf der Reserveliste der Bewerber für ein Ratsmandat steht Uschi Baum auf Listenplatz 1, gefolgt von der Parteivorsitzenden Astrid Werle. Dirk Salewski (45) steht auf Platz drei, er hatte sich bei der Ausarbeitung des Wahlprogramms besonders hervorgetan. Listenplatz 4 bekam der Architekturstudent David Engelbrecht (23), auf Rang 5 steht die Beamtin Silke Pescher (51). Die Plätze sechs bis zehn belegen Christoph Witthaut (24), Jan Günther (23), Maximilian Jaschke (33), Torsten Fuhrberg (66) und Maya Sastges (23). Auf den hinteren Plätzen mit eher theoretischen Chancen, in den Rat einzuziehen, stehen liberale Urgesteine wie Walter Boestfleisch, Horst Blechschmidt oder Johann Heinrich Thywissen. Der lobte das Parteiprogramm, das im Wesentlichen die Handschrift der jüngeren Generation trägt. Was ins Auge fällt, sind kurz und knackig formulierte Kernforderungen. So sollen alle Schulformen gleichberechtigt existieren, im Mittelpunkt steht eine solide Wirtschaft und bei allem Sinn für Sparsamkeit müsse dort, wo es wichtig für die Zukunft ist, geklotzt werden. Gemeint ist damit unter anderem die frühkindliche Betreuung.

Zu den außergewöhnlichen Ideen in dem 31 Seiten starken Wahlprogramm gehört ein „Mobiles Bürgerbüro“. Ein Mitarbeiter der Stadt könne beispielsweise Bewohner von Altenheimen nach Absprache aufsuchen, um ihnen den Weg ins Bürgerbüro zu ersparen. Übers Ziel hinaus geschossen hatten die Macher des Wahlprogramms nach Ansicht der erfahrenen Parteimitglieder mit der Forderung, Corona-bedingt den Gewerbesteuerhebesatz deutlich zu senken: „Das würde Mindereinnahmen von zweieinhalb Millionen Euro bedeuten, das kann die Stadt so nicht verkraften“, kritisierte Thywissen. Jetzt ist von „passgenauen Lösungen für Unternehmen“ die Rede. Die Terrassengebühr für Gastronomiebetriebe wollen die Liberalen auch für nächstes Jahr aussetzen.