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Kaarst: Erzbistum will Kirchenarchive zusammenführen

Kirchenarchive in Kaarst und Büttgen : Bistum will Archive zusammenführen

Weil die Pfarreien von Kaarst und Büttgen erst 2009 zu einer Kirchengemeinde verschmolzen sind, verfügen beide Ortsteile über ein eigenes Archiv. Das älteste Schriftstück aus beiden Archiven stammt aus dem Jahr 1800.

Im Kaarster Kirchenarchiv im Keller des Pfarrhauses von Sankt Martinus ist es kalt, eine Heizung fehlt. Hier unten „herrscht“ Rudolf Smyrek. Seit fünf Jahren schafft und hält er ehrenamtlich im Archiv Ordnung. In der Regel ist er ein Mal pro Woche dort anzutreffen. „Bei großer Kälte komme ich nicht freiwillig“, sagt Smyrek und lacht. Das Archiv ist in einem Raum untergebracht: Lange Regalreihen mit farbig gekennzeichneten und sorgfältig beschriebenen Aktenordnern, einem verschlossenen Schrank, ein kleiner Tisch und ein Stuhl runden die karge Einrichtung ab. Die Ordner enthalten alle Sakramentsempfänge wie Taufen, Erstkommunion, Firmung, Eheschließungen und Sterbefälle. Auch Akten zur „Pfarrsoziographie“ gibt es – dahinter verbergen sich Aus- und Eintritte. Viele Akten sind aber einfach „schnöde“ Haushaltspläne und Personalakten, die bis 2050 aufbewahrt werden müssen, alle Finanzunterlagen sogar dauerhaft, erklärt Rudolf Smyrek. Findebücher des Erzbistums informieren über die richtige Ablage.

Am spannendsten findet Smyrek die alten Sachen: „Das verbinden die Menschen ja auch mit einem Archiv“, meint er. Beim vorsichtigen Durchsehen des ältesten Buches von 1800 fällt die sehr dünne und trotzdem sorgfältige Sütterlin-Schrift auf, die penibel Tauf-, Ehe- und Sterberegister auflistet. Die Eintragungen stammen von Pfarrern, vermutet Symrek. Vor fünf Jahren meldete sich der pensionierte Ingenieur auf einen Aufruf und geht seiner Aufgabe nun mit großer Freude nach. Zuvor hätten „Leute aus Köln aufgeräumt und etwas entsorgt“, erzählt er. Nun hat er seine eigene Ordnung eingeführt und weiß auch Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden: Alte Quittungen über längst abgeschaffte Geräte brauche man nicht zu verwahren. Digitalisiert wird grundsätzlich nichts. Aktuelle Aufgabe: Unterlagen für die Neugestaltung des Kirchenvorplatzes und die Statik des Pfarrzentrums recherchieren. Er findet sie aber (noch) nicht. „Vielleicht sind sie falsch abgelegt“, vermutet er.

Die katholische Kirchengemeinde in Büttgen hat ein eigenes Archiv, denn die Gemeinden waren früher streng getrennt, bis sie 2009 zur Pfarreiengemeinschaft verschmolzen. „Auf weite Sicht möchte das Erzbistum die Archive zusammenführen“, erklärt Hermann-Josef Molitor. Nebeneffekt: Die Archivare würden sich dann auch mal kennenlernen. Hermann-Josef Molitor ist gemeinsam mit Bernhard Riedel seit einem Jahr für das Büttgener Archiv zuständig: Beide mussten erstmal „ein bisschen aufräumen“. Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit gehen sie sporadisch nach. In „ihrem“ Archiv im Kellerraum des Pfarrzentrums ist es allerdings warm. Die Akten befinden sich in nummerierten Kartons in verschlossenen Schränken. Auch hier helfen die Findebücher des Erzbistums, um schnell fündig zu werden: Die Zahl 490 verzeichnet beispielsweise im Findebuch den Eintrag „Neubau des Pfarrzentrums mit Bauplänen und Schriftverkehr von 1968 – 1970“. Im entsprechenden Karton liegen dann die Original-Dokumente. Abgeheftet wird nichts, dafür wird aktuell alles am Computer in ein digitales Findebuch mit Schlagwörtern übertragen: „Alle Kategorien der Ablage sind hier vorhanden“, sagt Hermann-Josef Molitor.

Das älteste vorhandene Original-Dokument ist ein Taufregister von 1893: Ebenfalls in Sütterlin-Schrift sind die Namen des Täuflings, der Eltern und Paten aufgelistet. Immer mit den Zusätzen „filius legitimus“ oder „filia legitima“ – also legitime Kinder. Es finden sich aber auch illegitime Kinder, deren Namen ebenso wie der evangelischer Christen rot unterstrichen sind. Viele Dokumente „jüngeren“ Datums von vor über 30 Jahren finden sich hier unten noch nicht, sondern im Pfarrbüro. Die beiden Hobby-Achivare kamen auch durch persönliche Ansprache zu ihrem Engagement. Ingenieur Hermann-Josef Molitor (67) und Verwaltungswirt Bernhard Riedel (70) sind sich einig: „Wir machen das aus Interesse und Freude.“ Ihr Bestreben ist es, das Archiv optimal für einen Nachfolger herzurichten. Mit einem Klick soll alles zu finden sein.

Immer wieder suchen auch Privatpersonen die Archive zwecks Ahnenforschung auf – sogar aus England war schon jemand im Kaarster Archiv. Auch zur Geschichte der Orgeln fand ein Interessierter aus Mönchengladbach Querverweise. Im Büttger Archiv recherchierte kürzlich jemand zum alten Friedhof.