Badeunfall am Kaarster See: "Jede Lage muss immer wieder neu bewertet werden"

Badeunfall am Kaarster See : „Jede Lage muss immer wieder neu bewertet werden“

Der Schock nach dem tödlichen Badeunfall eines vierjährigen Jungen sitzt noch immer tief. Die von den Rettungskräften durchgeführten Maßnahmen waren richtig. Ein Protokoll für einen solchen Einsatz gibt es nach Angaben der Stadt Kaarst allerdings nicht.

Zwei Tage nach dem tragischen Unglück am Kaarster See sind noch viele Fragen offen: Wie konnte es zu einem solchen Unfall kommen? Wieso wurden die Rettungskräfte erst mindestens eine halbe Stunde, nachdem der Vierjährige vermisst wurde, informiert? Und wieso haben sie erst das Ufer und später das Wasser abgesucht?

Stadtsprecher Peter Böttner hat zwar keine genauen Antworten auf diese Fragen, erklärt jedoch, dass die Rettungskräfte vor Ort richtig gehandelt haben. „Ein Protokoll im Sinne einer konkreten Handlungsvorschrift für einen Einsatz am Kaarster See gibt es nicht. Und zwar deshalb, weil jede Lage immer wieder neu bewertet werden muss“, sagt Böttner. „Aus Sicht der Feuerwehr war die Menschenkette die geeignete Maßnahme, um den Jungen zu finden“, sagte er. Die Feuerwehr, die an diesem Tag ihren Tag der offenen Tür feierte und am Nachmittag bereits zweimal zu Einsätzen ausgerückt war, verfügt über Lagepläne bestimmter Örtlichkeiten, der Kaarster See gehört dazu. Die Rettungskräfte wissen also, wie tief der See an den einzelnen Stellen ist und wo sich elektrische Anlagen befinden.

DLRG-Sprecher Achim Wiese bestätigt, dass die Lebensretter bei solchen Badeunfällen wie in Kaarst zuerst auf eine Menschenkette zurückgreifen. „Immer, wenn eine Person vermisst wird, wird eine Menschenkette gebildet, um sie zu finden. Je nachdem, wie groß das Gelände ist, geht das mal schneller und mal langsamer“, sagt Wiese. Eine genaue Zeitangabe, wann die diese Kette gebildet werden soll, gibt es nicht. „15 Minuten nach dem Eintreffen der Rettungskräfte wäre schon fix“, sagt er.

Am Montag verstarb der Junge im Krankenhaus. Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft haben die Ermittlungen aufgenommen, einen neuen Stand gab es am Dienstag allerdings nicht.

In Deutschland sind laut einer DLRG-Statistik im Jahr 2017 mindestens 404 Menschen ertrunken, 137 davon in einem See oder einem Teich. Neun Opfer waren zwischen null und fünf Jahre alt. In Nordrhein-Westfalen ertranken 55 Menschen. „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass diese Statistik in diesem Jahr leider wieder nach oben geht. Aber natürlich müssen wir die Zahlen abwarten, der Sommer geht ja gerade erst richtig los“, sagt Wiese.

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