Toter Junge am See in Kaarst: Was Eltern tun können, wenn Kinder verloren gehen

Tödliches Drama am Kaarster See : Was Eltern tun können, wenn ihr Kind in der Menge verloren geht

Es ist die Horrorvorstellung vieler Eltern: Das eigene Kind geht im Getümmel verloren. Schnelles und sicheres Handeln kann dann Leben retten. Dabei sollten Eltern vor allen Dingen einen Ratschlag beherzigen.

Es ist proppevoll. Große und kleine Köpfe, alle reden durcheinander, irgendwo läuft Musik. Man dreht sich nur kurz um, guckt einen kleinen Moment nicht hin - und plötzlich ist das eigene Kind irgendwo im Gewimmel verschwunden.

Diese Horrorvorstellung vieler Eltern ist am Wochenende für eine Familie in Kaarst Realität geworden. Ein vierjähriger Junge ist während eines Ausflugs zum Badesee plötzlich verschwunden. Nach mehr als einer Stunde haben Rettungskräfte das Kind leblos im Wasser treibend gefunden. Wie lange das Kind zu dem Zeitpunkt schon dort trieb, ist nicht bekannt. Am Montag starb der Junge im Krankenhaus. Die Ermittlungen zu dem Unglück dauern laut Polizei noch an.

Ersten Ergebnissen zufolge hätten einige Beteiligte aber schneller reagieren können, als es am Sonntag geschehen ist. So hat die Mutter wohl erst eine Weile auf eigene Faust nach dem Kind gesucht, bevor sie die Badeaufsicht informierte.

Das Unglück am Kaarster Badesee ist kein Einzelfall. Immer wieder gehen Kinder in großen Menschenmengen verloren, weil sie beispielsweise etwas Spannendes entdeckt haben und sich unbedacht von den Eltern entfernen. Eine englische Bloggerin beschrieb in einem Beitrag vor wenigen Wochen, wie ihr vierjähriger Neffe an einem Strand in Bournemouth verloren ging. Dem Eingreifen eines Armeekadetten ist es zu verdanken, dass der Junge schnell wiedergefunden wurde. Als dieser mitbekam, dass die Mutter panisch nach ihrem Sohn Jake suchte, half er ihr, indem er eine Beschreibung des Jungen in die Menschenmenge brüllte.

Laut eine Beschreibung des Kindes rufen

Genau dieses Verhalten empfiehlt auch Marcel Fiebig von der Düsseldorfer Polizei. „Sobald man realisiert, dass das eigene Kind gerade verloren gegangen ist, muss man sich Gehör verschaffen und eine genaue Beschreibung des Kindes durchgeben.“ Heißt konkret: Eltern sollten nicht zögern und laut in die Menschenmenge rufen, dass sie ihr Kind vermissen. Dazu Namen, Alter, Aussehen und Kleidung nennen. Je mehr Menschen mitbekommen, dass ein Kind vermisst wird, desto höher ist die Chance, dass viele sich umgucken und eingreifen, wenn ihnen das Kind über den Weg läuft. „Wichtig ist, dass Eltern nicht auf eigene Faust nach ihren Sprösslingen suchen, sondern gezielt Multiplikatoren ansprechen, die die Botschaft weitergeben. Bühnenmoderatoren, Bademeister, Ordner oder sonstiges Aufsichtspersonal sollte bei Veranstaltungen umgehend informiert werden und die Suchbeschreibung, wenn möglich, über Lautsprecher oder Mikrofon an die breite Masse weitergeben“, rät Fiebig.

Im Falle des vermissten Jungen in Bournemouth wurde durch die schnelle, wirksame Suche sogar eine Entführung verhindert. Der Junge wäre sonst mit einem ihm unbekannten Mann mitgegangen. Als dieser allerdings bemerkte, dass mehrere Badegäste eine Beschreibung des Jungen über den Strand riefen, ließ er ihn einfach so stehen.

Auch Michael Grohe vom Landesverband NRW der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) rät zu schnellem Handeln und vor allen Dingen dazu, Ruhe zu bewahren. „Ich weiß, dass es für Eltern in solchen Momenten wahnsinnig schwer ist, nicht in Panik zu verfallen. Trotzdem gilt es, einen kühlen Kopf zu behalten und sich in das Kind reinzuversetzen: Wo könnte mein Kind jetzt sein? Wo habe ich es zuletzt gesehen?“

Kindern einschärfen, in der Nähe zu bleiben

Noch besser ist es natürlich, wenn es gar nicht erst soweit kommt. Dazu empfiehlt Grohe, die Kinder von Anfang an in die Situation mit einzubeziehen. Bevor Familien an Orte gehen, an denen viele Menschen sind, können Eltern ihre Kinder vorbereiten, ihnen einschärfen, immer in der Nähe zu bleiben und im Falle eines Verlustes nicht mit Fremden zu gehen. Außerdem ist es ratsam, eine Telefonnummer am Kind zu befestigen. Diese kann man dem Kind entweder auf dem Arm schreiben oder auf einen Zettel notieren und dem Kind um den Hals hängen.

In jedem Fall sollten Eltern nicht zögern, lautstark um Hilfe bei der Suche ihres Kindes zu bitten und - wenn kein Aufsichtspersonal in der Nähe ist - auch selbstständig die Polizei oder Feuerwehr zu verständigen.

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