Ein Bürger von Neu-Priesterath sorgt für die Sanierung des alten Wegekeuzes, das an die Heimat vor der Tagebau-Umsiedlung erinnert

Bürger sorgt für Sanierung : Das Priesterather Wegekreuz erinnert weiter an die Umsiedlung

Pilgergruppen kommen, um am jetzt restaurierten Wegekreuz in Priesterath zu beten auf ihrem Weg zum Grab des Heiligen Apostel Matthias in Trier.

Matthias Broich aus Neu-Priesterath fühlt sich auch viele Jahre nach der Umsiedlung durch den Tagebau zumindest dem Wahrzeichen seines alten Heimatortes gegenüber noch verpflichtet. Deshalb hat sich der 66-Jährige jetzt dafür eingesetzt, dass das Wegekreuz in Priesterath erneut aufwendig restauriert wird. Vor 17 Jahren war dies schon einmal notwendig, doch da hatte Broich noch die Dorfgemeinschaft als Verein „mit im Boot“. Jetzt sah es anders aus: „Die Dorfgemeinschaft ruht im Moment. Aber da ich als Anwohner vom Dorfanger das Wegekreuz jeden Tag vor Augen habe, wollte ich dieses Zeichen, das auch die kommenden Generationen noch an Alt-Priesterath erinnern soll, wieder hergerichtet sehen“, sagt Matthias Broich, der vor Jahren auch im Umsiedlungsausschuss mitgearbeitet hatte. „Nun ist das „einzigartige gusseiserne Wegekreuz aus dem Jahre 1846, das auf einem achteckigen Sockel im Dorfanger in Priesterath/Stolzenberg steht, erneut restauriert“, freut er sich. Das Wegekreuz sei im Juli 1991 offiziell in die Jüchener Denkmalliste aufgenommen worden. Aber der Zahn der Zeit und die ungünstigen Witterungseinflüsse hätten nach 17 Jahren erneut Spuren von Rostfraß an den unterschiedlichsten Stellen hinterlassen.

Matthias Broich am restaurierten Wegekreuz in Priesterath. Foto: Anja Tinter. Foto: Georg Salzburg(salz)

Im vorigen Jahr wandte sich Matthias Broich an das Amt für Stadtentwicklung. Und in diesem Jahr erhielt die Stadt Jüchen den Bewilligungsbescheid für die beantragte Landesförderung. Ein Metallrestaurator aus Rheinbach bei Bonn erhielt den Auftrag und nahm die Restaurationsarbeiten vor. Der etwa 25 Kilogramm schwere, mit Gold eingefasste Korpus wurde eigens für die Restauration demontiert und in der Werkstatt des Metallrestaurators wieder mit einer neuen Goldschicht versehen.

Das Kreuz war ursprünglich eine Wegemarke. Die Inschrift verweist auf eine Stiftung des Ehepaares „Joh. Klauth und Marg. Mertens“ aus dem Jahre 1846. „Es ist ein Stück Ortsgeschichte.Vor der Umsiedlung war es unter der mächtigen Kastanie an der Jülicher Straße zwischen Jüchen und Alt-Priesterath plaziert,“ erinnert sich Matthias Broich. Dessen Bruder Hans-Josef Broich hat in seiner Chronik mit dem Titel „Vom Krütz bis an de Maar“ über Alt-Priesterath und Stolzenberg geschrieben. Darin weist der Autor unter anderem auf dieses Kreuz hin, das am alten Standort von den genannten Eheleuten errichtet wurde. Wenn die Priesterather im alten Ort beim geselligen Zusammensein sangen, wurde oft ein Lied angestimmt, in dem es heißt „Vom Krütz bis an de Maar“. Denn zwischen den beiden geographischen Punkten Kreuz im Norden und „Maar“ im Süden erstreckte sich der Doppelort Priesterath-Stolzenberg. Alt-Priesterath wie Stolzenberg sowie die Umgebung bildeten die Wasserscheide zwischen Rhein und Maas. Die sogenannte „Maar“ war der Wasserabzug zum Elsbach, zur Erft und zum Rhein, der nun seit vielen Jahren durch den Tagebau Garzweiler unterbrochen ist. Während der Umsiedlungs- und Bauphase der neuen Dörfer Garzweiler, Priesterath und Stolzenberg in den 80er-Jahren, wurde unter anderem im Jahre 1987 das Wegekreuz an den jetzigen Standort in Priesterath umgesetzt. Damals wie heute kommen Pilgergruppen aus Mönchengladbach, Korschenbroich und der näheren Umgebung, um dort zu beten, eine Weile zu rasten und dann weiter zu pilgern auf ihrem Weg zum Grab des Heiligen Apostel Matthias in Trier.

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