Der Landfrauenverband Jüchen stellt sich neu auf mit Bildungsangeboten für die breite Öffentlichkeit

Landfrauenverband Jüchen : Frauen vom Land als gesellschaftliche Kraft

Weit weg vom „Nur-Bäuerinnen-Image“ stellt sich der Jüchener Landfrauenverband mit öffentlichen Bildungsangeboten ganz neu auf.

Einem weit verbreiteten Vorurteil tritt der Landfrauenverband Jüchen, der sich zu Jahresbeginn neu aufgestellt hat, entschieden entgegen: „Landfrauen müssen keine Bäuerinnen sein. Tatsächlich sind die wenigsten unserer 76 Mitglieder noch Bäuerinnen. Wir sind Frauen, die gerne auf dem Lande leben und da auch gesellschaftlich etwas bewegen wollen“, sagt die 60-jährige Christel Arimond. Sie ist Vorsitzende im neuen Landfrauen-Vorstand, zu dem auch ihre 25-jährige Tochter Jacqueline gehört. Die Wirtschaftsrechtsstudentin ist ein typisches Beispiel dafür, wie sich das Bild der Landfrau geändert hat. „Bildung hat bei uns die oberste Priorität“, sagt Jacqueline Arimond, die sich jetzt auch als Landfrauen-Guide ausbilden lässt. Sie möchte dann in Vorträgen oder Workshops Verbraucherthemen aufgreifen. Und auch als Ortsverband wollen die Jüchener Landfrauen Fortbildungen organisieren. Auch die übrigen Vorstandsfrauen haben „Zivilberufe“, die nichts mit der Landwirtschaft zu tun haben.

Aber die Generation der „alten Landfrauen“, die noch die Vollerwerbshöfe in Jüchen mit aufgebaut haben, gibt es auch noch, erinnern die Vorstandsfrauen Helga Siemen und Marie-Luise Müschen. Da Vorstandsmitglieder bei den Landfrauen laut Verbandssatzung nur bis zum 65. Lebensjahr neu gewählt werden dürfen, hatte der vorherige Vorstand aufgeben müssen. So wäre der Ortsverband aufgelöst worden, wenn sich nicht das neue, engagierte Frauenteam gefunden hätte. Schon 15 neue Mitglieder haben sie in diesem Jahr auch durch Auftritte wie beim Treckertreffen der Landjugend gewinnen können. „Flagge zeigen“, war dabei ihr durchaus auch gesellschaftspolitisches Motto, bei dem es auch um Frauenrechte und die berufliche Integration ging.

Doch das Wissen und die Lebenserfahrungen der „alten Bäuerinnen“ sollen nicht verloren gehen: „Noch können sie uns erzählen, wie es früher war“, weiß Marie-Luise Müschen. Und Helga Siemen fügt hinzu: „Auch früher waren für die Bäuerinnen die Frauenrechte schon ein Thema.“ Neben dem Generationenwandel - mit Jacqueline Arimonds drei Monate junger Tochter Gerda ist schon wieder eine neue Landfrauengeneration geboren - werde aber auf der Strukturwandel mit seiner Veränderung der Landschaft und natürlich auch der Arbeitswelt zu einem großen Thema für die Landfrauen, sagt Marie-Luise Müschen.

Die Öffnung nach außen ist für den neuen Landfrauen-Vorstand zudem ein wichtiges Anliegen. Natürlich werde es auch mal ein Kaffeekränzchen, Kochtreffs oder gesellige Feiern nur unter den Landfrauen geben, aber auch immer mehr öffentliche Veranstaltungen mit Themen von allgemeinem Interesse.

Den Auftakt machen die Jüchener Landfrauen mit einem Thema, das immer mehr Familien hautnah angeht: die Demenz. Gemeinsam mit der Deutschen Alzheimergesellschaft und der AOK laden sie zu einem Vortrag ein, der in allgemein verständlicher Weise dabei helfen soll, die Demenz zu erkennen und die Kranken besser zu verstehen. Ein ebenfalls spannendes Vortragsthema steht bereits fürs nächste Jahr auf dem Programm. In Kooperation mit der Caritas-Familienberatung Grevenbroich/Jüchen geht es dann um Hilfestellungen für die „Herausforderung Alltag - als Mutter im Spannungsfeld zwischen Partnerschaft, Familie und Beruf“.

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