Kulturstätten in Hückeswagen: Ein Ort für mehr als nur Bücher

Kulturstätten in Hückeswagen : Ein Ort für mehr als nur Bücher

Das historische Gebäude der Stadtbibliothek an der Friedrichstraße ist ein vielfältiger und gern genutzter Veranstaltungsort.

Es könnte wohl kaum einen würdigeren Platz für die Stadtbibliothek geben, als die alte Tuchmachervilla im Haus Friedrichstraße 18-20, in der die Bibliothek ihren Sitz hat. Die hohen stuckverzierten Wände und der knarzende Holzboden drücken die Gemütlichkeit aus, die von einem Ort ausgeht, an dem man sich in die Traumwelten guter Bücher sinken lassen kann. Das findet auch Bibliotheksleiterin Regina Stefer: „Das Haus ist eine richtige Schatztruhe.“ Dabei war die Stadtbücherei vor allem wegen der Kosten nicht immer unumstritten, wenngleich stets ihre große Bedeutung für die Lebensqualität in der Schloss-Stadt hochgehalten worden ist. „Die Bibliotheken sind überall im Wandel, ihre Bedeutung wächst als sogenannter Dritter Ort neben dem Zuhause und der Arbeit“, betont Regina Stefer. Das macht sich auch in der Hückeswagener Stadtbibliothek bemerkbar, in der mittlerweile eine Vielzahl an Veranstaltungen neben der Ausleihe von Büchern und anderen Medien stattfinden.

So gibt es etwa das Reparaturcafé, bei dem ehrenamtliche Mitarbeiter bei der Reparatur kleinerer Defekte an Elektrogeräten helfen. Oder das Erzählcafé, das sich mittlerweile ebenfalls fest etabliert hat. „Einmal im Monat trifft sich der Literaturkreis, da kommen etwa zehn Leute regelmäßig. Wir überlegen schon, ob wir noch einen zweiten Termin dafür machen“, sagt die Leiterin. Außerdem finden regelmäßig Sprachkurse in der Bibliothek statt, eine Schreibgruppe trifft sich in unregelmäßigen Abständen. Manchmal veranstaltet diese Gruppe auch Lesungsabende. „Relativ neu ist noch das Bürgercafé, das jeden Dienstagnachmittag stattfindet und entstanden ist, nachdem der Kleidertreff im Bürgerbad geschlossen wurde“, berichtet Regina Stefer.

Brigitta Lohmann (l.) und Regina Stefer sind die beiden hauptamtlichen Kräfte in der Stadtbücherei an der Friedrichstraße. Foto: Weitzdörfer. Foto: Wolfgang Weitzdörfer

Möglich ist diese Vielzahl an Angeboten nur dank des großen freiwilligen Engagements der Hückeswagener, betont sie. „Wir haben insgesamt zehn ehrenamtliche Helfer, die uns bei den Veranstaltungen helfen, aber natürlich auch den Bibliotheksbetrieb ermöglichen.“ Denn auch wenn die zunehmende Digitalisierung dafür sorge, dass die Bibliotheken mehr und mehr zu kreativen Räumen würden, sei das Kerngeschäft das Verleihen von Büchern, Hörbüchern, CDs und anderen Medien. „Wir haben rund 16.000 unterschiedliche Medien, im vergangenen Jahr wurden die von 1440 aktiven Nutzern ausgeliehen“, zählt die Leiterin auf.

Neben Büchern, Zeitschriften, CDs und DVDs gibt es in der Bibliothek auch eine Vielzahl an Medien speziell für Flüchtlinge. „Die wurden vor zwei Jahren angeschafft – Sprachbücher, andere Medien oder Spiele zum Erlernen der Sprache“, erläutert sie. Im Anschluss hatten die Mitarbeiter der Bibliothek auch eine Führung durch das Haus für die Hückeswagener Neubürger gemacht. „Die kam super an, die Menschen waren begeistert vom Angebot. Einige haben sich auch direkt angemeldet. Ich würde mich aber freuen, wenn die Zahl weiter steigen würde“, sagt Regina Stefer. Neben dem Präsenzbestand gibt es auch die Möglichkeit, Bücher über Fernleihe zu bestellen. „Auch dieses Angebot wird gut genutzt.“

Die Stadtbibliothek verschließt sich zudem keineswegs modernen Angeboten. „Natürlich wird das klassische Buch auch noch sehr viel ausgeliehen. Aber E-Books, E-Paper und E-Learning sind stark im Kommen“, betont die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung. Seit 2015 gibt es das Angebot der Onleihe, bei dem die Mitglieder sich E-Books online ausleihen können. „Das wird sehr gut angenommen. Als es dieses Angebot in Wipperfürth noch nicht gab, haben wir auch von dort viele Nutzer gehabt“, berichtet Regina Stefer.

Zusammen mit Brigitta Lohmann ist sie hauptamtlich angestellt. „Mir macht die Arbeit nicht nur wegen des schönen Umfelds sehr viel Freude, sondern auch, weil ich viel in Kontakt mit Menschen bin“, versichert Regina Stefer. Ihre Kollegin ergänzt: „Wir bieten regelmäßige Klassenführungen durch die Bibliothek an. Und ich finde es immer sehr schön, wenn ich dann sehe, dass die Kinder wieder zu uns kommen, um sich Bücher auszuleihen.“ Da wird die Bibliothek vom Ort der Entspannung zu einem Ort, an dem Politik gemacht wird: „In den UN-Nachhaltigkeitszielen ist ein Punkt die hochwertige Bildung. Und daran arbeiten wird in unserer Stadtbibliothek mit“, stellt die Leiterin klar.

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