Hückeswagen: Realistisches Unfall-Szenario nachgestellt

Alarmübung für Rettungskräfte in Hückeswagen : Unfall-Szenario mit 29 Verletzten

Rund 150 Rettungskräfte waren bei einer groß angelegten Alarm-Übung der Feuerwehr in Kleinberghausen im Einsatz.

Ein erschreckendes Szenario stellte sich den Passanten auf der Großberghauser Straße und dem darunter verlaufenden Radweg am Samstagnachmittag dar: Demolierte Autos mit eingeklemmten Personen, angefahrene Fußgänger mit blutenden Wunden und gestürzte Fahrradfahrer riefen laut um Hilfe. Erst bei genauerem Hinsehen wurde klar, dass es sich um die Konstruktion eines schweren Unfalls handelte. Ein Team der Feuerwehr rund um Brandinspektor Jan Philipp Arens hatte sich seit Juni mit der Planung dieser Großübung beschäftigt.

Gegen 13.30 Uhr wurden die Einsatzkräfte alarmiert, die sich zunächst einen Überblick über den Unfallort verschafften. Da insgesamt 29 Verletzte und acht teilweise unter Schock stehende Personen beteiligt waren, wurde der sogenannte Massenanfall von Verletzten (MANV) ausgerufen, für den weitere Rettungsdienste hinzugezogen wurden. So kamen bei der Übung nicht nur alle vier Einheiten der Hückeswagener Feuerwehr, sondern auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das Technische Hilfswerk (THW), die Deutsche Lebensrettugnsgesellschaft (DLRG), der Malteser Hilfsdienst und die Johanniter Unfallhilfe (JUH) zum Einsatz.

Teamarbeit: Alle Helfer packen an, um die Verletzten die Wupperböschung hochzutragen. Foto: Jürgen Moll. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Eine Herausforderung war die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Organisationen, das Einschätzen der Situation und die Einteilung der Hilfskräfte in dem teilweise unwegsamen Gelände. Besonders real wurde die Szene durch die Statisten, die den Verletzungen entsprechend geschminkt wurden und mit ihrem Weinen, Stöhnen und Hilferufen nicht nur bei den Einsatzkräften für Adrenalinschübe sorgten. Anna Mohncke, die mir ihrer Familie auf dem Radweg unterwegs war, schlug das Herz bis zum Hals. „Ich wusste nicht, ob ich zuerst Hilfe leisten soll oder meine eigenen Kinder schützen muss“, sagte sie. Ein Mann aus Syrien, der schon Kriegsszenen miterlebt hat, bekam Gänsehaut beim Anblick der vielen Verletzten.

Jonathan Schütte. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Die geplante Verkettung unglücklicher Umstände stellte sich wie folgt dar: Ein Planwagen mit elf Personen wird auf der Großberghauser Straße von einem Pkw mit einer Familie überholt, der mit einem entgegenkommenden Auto zusammenstößt. Die Familie ist im Fahrzeug eingeschlossen. Der Planwagen kommt ins Schleudern und kippt um, wobei alle Insassen in den angrenzenden Wald geschleudert und zwei von ihnen unter dem Planwagen begraben werden. Der überholende Pkw fährt eine Großmutter mit ihrer Enkelin an. Der entgegenkommende Wagen rast durch den Wald, touchiert dabei zwei spielende Kinder und kommt am Radweg durch einen Baum zum Stehen, wobei der Baum zwei Spaziergänger trifft. Das Gestänge des Planwagens trifft einen Fahrradfahrer auf dem Radweg, der in der Wupper landet. Seine beiden Töchter stürzen vor Schreck mit den Rädern. Zwei weitere Fußgänger versuchen, den verletzten Fahrradfahrer aus dem Wasser zu holen, verletzen sich dabei jedoch zum Teil schwer.

Die Einsatzkräfte mussten zunächst Ordnung in das vorgefundene Chaos bringen. Andre Engels von der Remscheider Feuerwehr machte sich als Übungsbeobachter Notizen. „Es gibt keine Schulnoten, aber eine Übung ist zum Lernen und Verbessern da“, sagte der Ausbilder. Ein weiterer Beobachter lobte den Einsatz der Rettungskräfte, auch wenn nicht jeder Handgriff saß: „Es heißt Übung und nicht ‚Könnung’“, sagte er. Zudem dürfe man nicht vergessen, dass die Rettungskräfte ehrenamtlich tätig seien. Geduld benötigten die Statisten, die fast eine Stunde in der Wupper ausharren mussten, bis sie von den Strömungsrettern der DLRG aus dem Wasser gezogen werden konnten. Ihr Zittern auf der Trage unter der Rettungsdecke war danach nicht mehr nur gespielt.

Schwer demoliert: Ein Pkw überholt einen Planwagen und verunglückt. Zum Glück nur eine Übung. Foto: Jürgen Moll. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Von der Stadt kamen Isabel Bever in Vertretung des Bürgermeisters, und Andreas Schröder vom Ordnungsamt, zur Übung „Es ist schön zu sehen, wie die Kommunikation unter den verschiedenen Rettungsorganisationen klappt – immer in der Hoffnung, dass nie der Erstfall eintrifft“, betonte Bever.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Planwagen stürzt in die Wupper

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