Hückeswagen: Detlef Gaßmann hat einen Rotmilan aufgezogen und in die Freiheit entlassen

Greifvogel aus Hückeswagen : Falkner entlässt Rotmilan in die Freiheit

Zweieinhalb Wochen hat Falkner Detlef Gaßmann einen aus dem Nest gefallenen Rotmilan aufgezogen. Jetzt begann für den Greifvogel der Ernst des Lebens.

Ein leichter Armschwung von Detlef Gaßmann reicht aus, dann breitet der Rotmilan seine Schwingen aus und fliegt in die Freiheit. Ab jetzt muss der Greifvogel selbst auf die Jagd gehen. Gertrud und Detlef Gaßmann hatten ihn mit Leckereien wie Taubenbrust, Eintagsküken und Kaninchen aufgepäppelt, nachdem Spaziergänger den Jungvogel in einem Wald nahe der Bever-Talsperre auf dem Boden liegend gefunden hatten. „Es waren die heißen Tage, der Vogel war dehydriert und ziemlich am Ende“, erinnert sich der Hückeswagener, der viel Erfahrung mit Greifvögeln hat.

Nachdem der Tierarzt den Rotmilan behandelt und Detlef Gaßmann ihn mit Wasser versorgt hatte, habe er bereits am zweiten Tag angefangen zu fressen. „Ein gutes Zeichen“, weiß der Falkner, dessen Garten zu einer Auffangstation für diese imposanten Wildtiere geworden ist. Hier wurden bereits Turmfalken, Mäusebussards und Waldkäuze aufgenommen, um sie später wieder in die Freiheit zu entlassen. Sie waren entweder als Jungvögel aus dem Nest gefallen, hatten sich in Zäunen verfangen oder von Autos angefahren worden. Äußerliche Verletzungen ließen sich gut heilen. „Wir haben da gute Erfahrungen mit Manuka-Honig gemacht, der eine schnelle Heilwirkung hat“, berichtet der Falkner. Ein Bruch der Hohlknochen in den Schwingen bedeutet für Vögel in der Natur jedoch meistens den sicheren Tod.

Der von Detlef Gaßmann aufgepäppelte Rotmilan. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Der Rotmilan hatte Glück. Innerhalb von nur sechs Wochen nach dem Schlüpfen aus dem Ei ist er zu einem selbstständigen Vogel herangewachsen. Der Flaum ist einem rötlichen Federkleid gewichen, das Fliegen hat er an der Lockschnur trainiert. „Das Jagen wird er selbst erlernen, sobald der Hunger kommt. Das können die Vögel ganz instinktiv“, erklärt Getrud Gaßmann. Während der Inobhutnahme hat der Falkner darauf geachtet, den Greifvogel nicht zu sehr an den Menschen zu gewöhnen. „Er ist relativ scheu“, sagt er, was für ein Leben in der freien Wildbahn von Vorteil sei.

Zur Freilassung des Rotmilans sind unter anderem Johannes Meier-Frankenfeld, Katharina Mörike und ihr Sohn Johannes (9) vom Hegering gekommen, um diesen besonderen Moment mitzuerleben. Auf dem Falknerhandschuh sitzend, geht es für den Vogel auf eine große, relativ windgeschützte Wiese. Zunächst bedeckt Gertrud Gaßmann den Kopf des Vogels vorsichtig mit einem weichen Tuch, dann entfernt ihr Ehemann die Lederriemen an den Füßen – das sogenannte Geschüh. Anschließend gibt der Falkner ihm die Freiheit zurück. Nach einer kleinen Runde über der großen Wiese landet der Rotmilan auf einem Baum am Waldrand.

Der Falkner arbeitet eng mit dem Hückeswagener Hegering und deren Jäger, den örtlichen Tierärzten und den Tierheimen der Umgebung zusammen. Jedes aufgenommene Wildtier muss der Jagdbehörde gemeldet werden. Gaßmann empfiehlt dringend, gefundene Tiere nicht anzufassen, sondern sie lediglich dem Ordnungsamt oder Hegering zu melden. „Auch aus dem Nest gefallene Jungvögel werden von den Eltern weiter gefüttert, solange der Mensch sie nicht anfasst“, betont der Landesvorsitzender des Verbands Deutscher Falkner (VDF).

Der Rotmilan ist in der Schloss-Stadt zum Gesprächsthema geworden, da ein brütendes Paar dieses Greifvogels eine Zeit lang den Bau der Ortsumgehung zwischen West- und Kobeshofen verhindert hat. „Der Rotmilan ist das Wappentier der Ortsumgehung geworden“, sagt Johannes Meier-Frankenfeld. Die Population dieser Vogelart in der Region sei jedoch gut, bestätigt Gaßmann. „Der Rotmilan ist ein Kulturfolger, er passt sich den gegebenen Lebensbedingungen an“, fügt der Greifvogel-Experte hinzu. Sollte beispielsweise der Sturm ein Rotmilan-Nest aus dem Baum wehen, sei das kein Todesurteil. Der Greifvogel suche sich vielmehr einen neuen Nistplatz, ist sich Gaßmann sicher.

Die nächsten zwei Tage will der Falkner noch auf der großen Wiese Futter auslegen. Danach ist der Rotmilan auf sich selbst gestellt. Die Bedingungen sind überaus positiv für den gesunden, kräftigen Vogel. „Tschüss Rotmilan, pass auf Dich auf“, gibt Getrud Gaßmann ihrem Zögling zum Abschied noch mit auf die Flugbahn.

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