Hückeswagener Ortschaft Wüste ist grün

Hückeswagener Orts- und Straßennamen : Keine Spur von Lebensfeindlichkeit

Hans-Peter Berbecker wohnt seit fast 80 Jahren in Wüste. Die Außenortschaft ist trotz ihres Namens ein grünes Idyll.

Wenn Hans-Peter Berbecker sagt, wo er wohnt, erntet er zumeist ein Lachen oder auch einen ungläubigen Blick. Der 79-jährige Hückeswagener lebt seit genauso vielen Jahren in der kleinen Außenortschaft Wüste. „Das sind schon die lustigen Momente, wenn ich nach meinem Wohnort gefragt werde und dann sage: Ich wohne in Wüste“, erzählt der 79-Jährige lachend.

Woher genau der Name der Ortschaft komme, zu der man von der Bundesstraße 483 Richtung Radevormwald kurz vor Linde links abbiegen muss, wisse er indes nicht. „Das werde ich sehr oft gefragt. Ich weiß nur soviel – das hat mir der Heimatforscher Fredi K. Roß vom Bergischen Geschichtsverein anhand seiner Nachforschungen in den Kirchenbüchern sagen können –, dass meine Vorfahren schon im 18. Jahrhundert in Wüste gelebt haben“, sagt Berbecker. Diese hätten auch schon Berbecker geheißen. Oft sei es so, dass kleinere Ortschaften oder Ansiedlungen ihre Namen von Menschen bekämen, die dort lebten. „Vielleicht hat mal einer hier gewohnt, der den Nachnamen Wüste oder Wüster hatte. Aber darüber habe ich keine gesicherten Informationen“, sagt der 79-Jährige.

Es sei allerdings vor einigen Jahren einmal ein Mann aus Wien zu ihm gekommen. „Der hieß Wüster und war auf einer Messe irgendwo in Nordrhein-Westfalen gewesen“, erinnert sich Berbecker. Der Österreicher habe vermutet, dass seine Ursprünge möglicherweise in der Hückeswagener Außenortschaft liegen könnten. „Aber ich habe danach nie wieder von ihm gehört. Ich weiß auch nicht genau, warum er wirklich hier gewesen ist“, sagt der 79-Jährige.

Dafür würde auch gerade in heißen und trockenen Sommern immer wieder das Regionalfernsehen nach Wüste kommen, um hier zu drehen. „Die finden den Namen wohl lustig in diesem Zusammenhang“, sagt Berbecker. Dabei ist es in Wüste alles andere als sandig, heiß, wasserarm und lebensfeindlich. Im Gegenteil, die Ortschaft mit ihren vier Häusern und der Reitanlage ist umgeben von Feldern und dem Wald. „Ich hatte früher auch eine Landwirtschaft – Milchviehhaltung. Aber meine Kinder hatten dazu keine Lust, deswegen habe ich den Hof irgendwann aufgegeben“, sagt der langjährige FDP-Ratsherr. Dafür gebe es jetzt den Pferdehof, von dem das Wiehern der Tiere bisweilen im alten Haus von Berbecker zu hören ist.

Hündin Charlotte liegt auf dem Sofa und lässt sich davon nicht weiter stören. Es ist ein gemütliches Leben in der kleinen Ortschaft, in der gerade einmal elf Menschen leben. „Ja, es lebt sich gut hier, und die Pferde sind gute Nachbarn. Ich mag die Einsamkeit hier“, versichert Berbecker. Auch wenn Wüste auf halbem Weg nach Radevormwald liegt, fühlt sich der 79-Jährige als Hückeswagener. „Ich war lange Jahre im Stadtrat tätig. Man fühlt sich hier schon mehr zu Hückeswagen gehörig, keine Frage.“

Dennoch ist es sehr einsam in Wüste, was insofern schon wieder zum Namen passt. Noch einsamer wird es hingegen, wenn man durch die Ortschaft weiter in Richtung Böckel fährt. „Da wohnen noch einmal zwei Menschen“, sagt Berbecker lachend. Da wirke es beinahe schon überlaufen und überfüllt, wenn die vielen Mountainbiker durch die Ortschaft rollten. „Davon haben wir tatsächlich eine Menge. Und sie kommen teils recht schnell in den Ort gefahren“, sagt Berbecker. Da seien ihm die Wanderer, die auch in größerer Zahl durch Wüste kommen, schon lieber.

Trotz seines Alters ziehe es ihn regelmäßig ins Holz. „Ich habe die, wie meine Familie es nennt, dumme Angewohnheit und kümmere mich gerne um den Wald. Uns gehört auch noch viel davon. So lange es mir Spaß macht, werde ich das auch weitermachen“, betont der 79-Jährige. Hündin Charlotte findet das prima, denn so kommt sie zu ausgedehnten Spaziergängen im Grünen. Eine Lieblingsecke habe er auch, sagt Berbecker. „Früher bin ich auf die Jagd gegangen, das geht heute nicht mehr. Aber ich gehe nach Möglichkeit jeden Morgen eine Runde bis nach Böckel – dort ist eine Bank, von der aus man einen wunderbaren Blick übers Land hat.“ Übers ganz und gar nicht wüstenartige Land wohlgemerkt.

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