Feierstunde am Mittwoch, Lesung am Donnerstag Hilden gedenkt der Opfer der Pogromnacht

Hilden · Am Mittwoch reinigen Hildener die Stolpersteine und legen einen Kranz am Gedenkstein nieder. Donnerstag gibt es eine besondere Lesung.

Anne Kathrin Stroth vom Arbeitskreis Stolpersteine legt Blumen an den Stolpersteinen von Dr. Siegmund Sommer und Hendrika Grüter nieder. 
  Archivfoto: teph

Anne Kathrin Stroth vom Arbeitskreis Stolpersteine legt Blumen an den Stolpersteinen von Dr. Siegmund Sommer und Hendrika Grüter nieder. Archivfoto: teph

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

48 Opfer forderte der Nationalsozialismus in Hilden. Sieben Menschen starben allein in der Pogromnacht 1938 oder an den in dieser Nacht erlittenen Verletzungen. Damit war der 9. November 1938 ein gewalttätiger Höhepunkt der antijüdischen Gräueltaten in Hilden. Im Gedenken an die Ermordeten und in Erinnerung an diese schlimmste Zeit der Hildener Geschichte laden der Arbeitskreis Stolpersteine, die Evangelische sowie die Katholische Kirchengemeinde, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und die Stadt Hilden am Mittwoch, 9. November, zu einer zentralen Gedenkveranstaltung ein.

Ab 15 Uhr tragen Mitglieder des Arbeitskreises Stolpersteine, des Jugendparlaments und der Hildener Schulen an ausgewählten Stolpersteinen Informationen zu den Personen sowie Gedichte vor, stellen Kerzen auf und legen Rosen ab. Das sind die Startpunkte: 15 Uhr Gerresheimer Str. 340 (Dr. Siegmund Sommer, Hendrika Grüter); 15 Uhr Walder Str. 222 (Wilhelm Schmitt); 15 Uhr Grabenstr. 2 (Katharina Gammel); 15.15 Uhr Pungshausstr. 17 (Karl H., Christine, Gisela Weiss); 15.15 Uhr Richrather Str. 96 (Hermann Klemens); 15.15 Uhr Am Jägersteig 7 (Wilhelm Johann Weiler); 15.30 Uhr Berliner Str. / Ecke Marie-Colinet-Str. (Sigmund, Bertha, Erna Herz).

Anschließend beginnt der sternförmige Gang entlang weiterer Stolpersteinen zum Gedenkstein im Stadtpark hinter der Stadthalle. Dort legt Bürgermeister Claus Pommer mit Vertreterinnen und Vertretern aus Rat und Verwaltung gegen 16.45 Uhr den Kranz der Stadt Hilden nieder, musikalisch von kurzen Beiträgen der Musikschule umrahmt. Um 17.30 Uhr findet der ökumenische „Gottesdienst gegen das Vergessen“ in der Reformationskirche statt.

Am Donnerstag, 10. November, um 19.30 Uhr im Heinrich-Strangmeier-Saal präsentieren die Künstlerinnen Katharina Gun Oehlert (Lesung) und Karola Pasquay (Klangkonzeption) eine Veranstaltung unter dem Titel „sprachlos“ – Lyrik von Hilde Domin, Selma Merbaum-Eisinger und Nelly Sachs, zum Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht vom 9. November 1938.

Hilde Domin war eine bedeutende Vertreterin des „ungereimten Gedichts“. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland im Jahre 1954 veröffentlichte sie Gedichte unter dem Pseudonym Domin. Sie nannte sich nach dem Namen der Insel, auf der sie Zuflucht gefunden und ihr Dichterleben begonnen hatte. Selma Merbaum-Eisinger war eine rumänische, deutschsprachige Dichterin. Das Werk Merbaums umfasst 57 Gedichte, die sie sorgfältig mit Füller auf Einzelseiten geschrieben und zu einem Album gebunden hatte, das sie mit „Blütenlese“ betitelte. Ihr Werk zählt mittlerweile zur Weltliteratur. Nelly Sachs war eine jüdische deutsch-schwedische Schriftstellerin und Lyrikerin. Im Jahre 1966 verlieh das Nobelpreiskomitee Sachs den Nobelpreis für Literatur „für ihre hervorragenden lyrischen und dramatischen Werke, die das Schicksal Israels mit ergreifender Stärke interpretieren. Katharina Gun Oehlert und Karola Pasquay arbeiten seit vielen Jahren zusammen und haben in Hilden bereits viele berührende Abende zum Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht gestaltet.

Eintrittskarten zum Preis von 13,50 Euro (zzgl. Vorverkaufsgebühr) sind im Reisebüro Dahmen, Mittelstraße 73, oder online auf www.neandericket.de erhältlich. Die Abendkasse eröffnet eine halbe Stunden vor Veranstaltungsbeginn.

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