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Grevenbroich: Im Mercedes Coupé übers Land gekurvt

Grevenbroich : Im Mercedes Coupé übers Land gekurvt

Bei echtem Oldtimer-Wetter zog es am Sonntag zur Rhein-Erft-Rallye viele Autobegeisterte auf die Straßen: Mehr als 80 historische Autos legten 105 Kilometer auf einer Tour durch die Region zurück – ein Fahrbericht.

Bei echtem Oldtimer-Wetter zog es am Sonntag zur Rhein-Erft-Rallye viele Autobegeisterte auf die Straßen: Mehr als 80 historische Autos legten 105 Kilometer auf einer Tour durch die Region zurück — ein Fahrbericht.

105 Kilometer Rallye liegen hinter ihnen: Die schwarz-weiß karierte Flagge sahen die Oldtimerfreunde Günter Möller, Detlef Koster und NGZ-Mitarbeiter Christian Kandzorra (v. l.) kurz vor der Ziellinie hinter dem Schlossbogen. Foto: l. berns

Es sind fahrende Originale, historische Kulturgüter und nicht zuletzt Erinnerungsstücke, bei deren Anblick vielen Oldtimerfreunden das Herz aufgeht. So zog es gestern wieder 85 begeisterte Oldie-Fahrer aus der Region in ihren historischen Gefährten zur zehnten Rhein-Erft-Rallye zum Alten Schloss. "Das älteste Fahrzeug, das an der Rallye teilnimmt, ist 1929 gebaut worden", sagt Heinz Laumann, Mitorganisator vom Stammtisch der Grevenbroicher Oldtimerfreunde.

105 Kilometer Rallye liegen hinter ihnen: Die schwarz-weiß karierte Flagge sahen die Oldtimerfreunde Günter Möller, Detlef Koster und NGZ-Mitarbeiter Christian Kandzorra (v. l.) kurz vor der Ziellinie hinter dem Schlossbogen. Foto: l. berns

Auf dem Plan steht eine Rallye, deren Route durch das Schwalm-Nette-Gebiet über Ortsteile der Stadt Erkelenz, Düren und Heinsberg bis an die holländische Grenze und zurück an die Erft führt. Mit dabei sind auch Detlef Koster (51) aus Gustorf und Günter Möller (49) aus Grevenbroich, die pünktlich um 10.20 Uhr mit ihrem Mercedes Strich/8Coupé an die Startlinie rollen. Der 1969 gebaute Oldtimer trägt heute die Wagennummer 61 und hat rund 105 Kilometer vor sich: "Die erste Etappe zählt etwa 65 Kilometer, die zweite 40", sagt Detlef Koster, der das historische Auto mit 150 PS unter der Haube vor 21 Jahren einer alten Dame abkaufte.

"Anfang der 70er Jahre war der Strich/8 ein hochmodernes Auto, das auf dem neuesten Stand der Technik war", sagt Koster, der den Wagen über die Startlinie steuert. Zum Komfort gehörten damals auch schon eine Servolenkung, ein schlichtes Radio und ein elektrisches Schiebedach — "Digitale Anzeigen, Kopfstützen oder gar Sicherheitsgurte findet man hier aber nicht", erläutert Günter Möller.

"Die Rhein-Erft Rallye ist vergleichbar mit einer großen Schnitzeljagd", sagen die beiden Oldtimerfreunde — immer wieder müssen sie an bestimmten Kontrollstellen ihre Durchfahrt abstempeln lassen, versteckte Zeichen am Straßenrand erfassen und Aufgaben wie das Durchfahren eines Slalom-Parcours in einer bestimmten Zeit erfüllen. Für die Navigation zuständig: Kein modernes Navigationsgerät sondern der Beifahrer mit einer Beschreibung, die den Weg und die jeweiligen Kilometerzahlen enthält. Dabei sind Stoppuhr, Kilometerzähler, die exakte Uhrzeit und die Fähigkeiten zum Schätzen gefragt. Für beide ist die Rallye aber kein knallharter Wettbewerb: "Wir wollen das Fahren in dem alten Schätzchen genießen und gemütlich durch die Landschaft kurven", sagen Koster und Möller.

Auf Geschwindigkeit komme es weniger an: "Gewertet werden vor allem die Vollständigkeit der Streckenstempel und die Aufgaben, die die Fahrer erfüllen müssen", erläutert Heinz Laumann vom Oldtimer-Stammtisch.

Und das ruhige Fahren zahlt sich im beschaulichen Örtchen Koffern im Kreis Düren aus, wo zwischen gelb blühenden Rapsfeldern sechs Rehe über die Wiesen springen. Nach Überquerung der Rur führt die Route Detlef Koster und Günter Möller bis in den Ort Harren, einen Steinwurf von der holländischen Grenze entfernt. "Im Kreisverkehr auf drei Uhr raus", heißt es vom Beifahrersitz, auf dem Detlef Koster nach einer kurzen Kaffeepause irgendwo bei Heinsberg das Kommando übernommen hat.

"Bei solchen Rallyes ist Improvisation gefragt, wenn man vom Weg abkommt", sagt Koster. "Da fragt man Einwohner, die sich auskennen." Das bietet sich auch an — denn die stehen oft winkend am Straßenrand. Und so fahren beide um genau 15.24 Uhr über die Ziellinie hinter dem Schlossbogen und belegen in der Gesamtwertung Platz 25 — doch was für sie zählt, ist das besondere Fahrgefühl im historischen Coupé.

(cka)