Grevenbroich: Bibliothek in Warteschleife für E-Books

Grevenbroich : Bibliothek in Warteschleife für E-Books

In Neuss und Langenfeld sind E-Books der Renner. Sie gehören seit Jahren zum Büchereiangebot. Auch in Dormagen wird zum September die "Onleihe" starten. Für die Grevenbroicher Stadtbibliothek ist es das nächste große Projekt.

Statt zur Lektüre auf Papier greifen immer mehr Leser gern zur leichteren digitalen Variante: Bestseller, Krimis oder Ratgeber werden auf dem Tablet oder E-Book gelesen. "Es vergeht kein Tag, an dem Kunden nicht nach E-Books fragen", sagt Claudia Schmidt, Leiterin der Stadtbibliothek in Dormagen. Zurzeit bereitet man deshalb den Start der "Onleihe" für September vor. Zunächst wurden 12 000 Euro investiert; 80 Prozent davon trägt das Land.

So weit wäre Stefan Pelzer-Florack, Leiter des Fachbereichs Kultur in der ähnlich großen Stadt Grevenbroich, auch gerne. "Leider haben wir noch keine E-Books", bedauert Pelzer-Florack. Dies liege an der finanziellen Situation der Stadt. "Das ist ein zu hoher Kostenfaktor. Unser Etat gibt das zurzeit nicht her." Rund 20 000 Euro steht dem Bibliotheks-Team pro Jahr zu Verfügung — und das reicht laut Pelzer-Florack nicht aus, um einen guten Start in den Bereich der E-Books hinzulegen: "Mit fünf Büchern kommt man da nicht weit."

In der deutlich größeren Nachbarstadt Neuss hat die Bibliothek bereits 2007 den E-Book-Sektor erobert — und gehörte damit zu den ersten, wie sich Uwe Pauschert (56), stellvertretender Leiter der Stadtbücherei, erinnert. Zunächst sei das Angebot schleppend angelaufen, doch seit 18 Monate "herrscht ein Boom". 30 000 Euro habe die Stadt damals zum Start investiert, rückblickend sei das vielleicht etwas wenig gewesen. "Doch wir haben jedes Jahr ausgebaut. Bis zu 9000 Euro wurden investiert", sagt der stellvertretende Leiter. "Ich glaube, dass die Leser mittlerweile E-Books erwarten. Wir wollten nicht warten, bis andere uns das Wasser abgraben."

Dass E-Books am preiswertesten und einfachsten über einen Bibliothekenverbund bereitgestellt werden, erläutert Martina Seuser, Chefin der Langenfelder Stadtbücherei. Diese gehört zum Bibliothekenverbund Mettmann. Über einen gemeinsamen digitalen Verbund könne man die "Onleihe" arbeitsteilig abwickeln; ein weiterer Vorteil: Der Bestand sei sehr groß. "Die Nachfrage ist riesig — besonders nach Bestsellern. Wir werden förmlich überrannt", sagt Sauser. Auch für die Bücherei sieht sie Vorteile: "Wir brauchen weniger Platz für Bücher, die Bücher werden nicht abgenutzt.". Das Lesen wandele sich ebenso wie die Gesellschaft: "E-Books gehören mittlerweile einfach dazu."

Diesem Trend folgen — das ist für das E-Book-Angebot auch ein Ziel der Stadtbücherei Grevenbroich: "Das ist unser nächstes großes Projekt", sagt Stefan Pelzer-Florack. Allerdings müsse der Start auch etwas größer angelegt sein: "Denn dann wollen wir ja auch etwas bieten können."

(NGZ)
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