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Grevenbroich: Rick LaSalle - der Komponist aus der Südstadt

Grevenbroich : Rick LaSalle - der Komponist aus der Südstadt

Klassik-Liebhaber schätzen die CD "Klaviersonaten/Ragtime" mit Werken des Grevenbroichers. Als Komponist ist er ein Spätzünder.

Rick LaSalle verfällt sofort ins Wienerische, in fast schon Hans-Moserschem-Schmäh gerät der Komponist aus der Südstadt ins Schwärmen. "Aber geh'" und "Habe die Ehre", sagt LaSalle in beinahe altösterreichischem Singsang. Der 61-Jährige sitzt zurückgelehnt in einem Stuhl in seinem Arbeitszimmer und spricht über Ingrid Marsoner. Die Österreicherin spielt auf der unlängst erschienenen CD "Klaviersonaten/Ragtime" Kompositionen des in Grevenbroich heimisch gewordenen Komponisten. LaSalle lobt die Zusammenarbeit mit der Pianistin. "Es passt perfekt", sagt er. "Es ist, als hätten wir uns gesucht und gefunden."

Den Dialekt beherrscht der Künstler, der früher ein begeisterter Österreich-Urlauber war, hervorragend. Auf dem Tisch vor ihm steht eine Tasse Kaffee. Wenn das jetzt auch noch eine Wiener Melange wäre, dann wäre das kleine bisschen Wien in der Südstadt perfekt.

Das Wienerische lugt einem dort, in der ersten Etage eines Altbaus, ohnehin von allen Seiten über die Schultern. Im Bücherregal finden sich Bildbände und kunsthistorische Abhandlungen über den Jugendstil, der in der österreichischen Hauptstadt auch architektonisch manifest wurde: in der Abkehr vom Historismus der Ringstraßenepoche. In Wien wirkte auch der Komponist Franz Schreker, über den der Musikwissenschaftler 1980 seine Dissertation geschrieben hat. Ein postkartengroßes Foto Schrekers steht gerahmt in LaSalles Arbeitszimmer.

LaSalle selbst war als Komponist ein Spätzünder. "Eigentlich wollte ich schon mit 16,17 komponieren", sagt er. Damals hockte er in der Schule über der Lektüre von MacBeth. "Ich hatte sofort die Idee zu einer Mac-Beth-Ouvertüre. Gemacht habe ich sie aber erst 30 Jahre später." Auf die Frage, warum es so lange gedauert hat, bis er sich dem Komponieren widmete, denkt LaSalle lange nach. "Das ist in der Tat schwer zu sagen", antwortet er dann. Es sei mehr eine Reihe von Gründen, ein Zusammenspiel, das sich kaum zusammenfassen lasse.

Vielleicht lässt sich LaSalles Weg am treffendsten mit dem Entstehen eines guten Weines vergleichen: Auch wenn die Zutaten schon vorhanden sind, bedarf es eines langen Reifeprozesses, bis er sein volles Können entfaltet — beim Wein das Aroma, in der Musik die Komposition. Seit er mit dem Komponieren begonnen hat, ist LaSalle ganz schön umtriebig: Sein Werkverzeichnis umfasst bislang 80 Stücke. "Klaviersonaten/Ragtime" ist die vierte CD mit seiner Musik, eine fünfte — dann ebenfalls wieder mit der Pianistin Ingrid Marsoner — ist bereits in Planung.

Von Klassik-Liebhabern wurde "Klaviersonaten/Ragtime" bestens aufgenommen. Marsoner spielt die Stücke klar, hingebungsvoll, und LaSalle weiß, was er an ihr hat. "Die Stücke sind schwer zu spielen", sagt er. Kennengelernt haben sich die Pianistin und der Komponist über seine Agentur "Pro Classics", die sich auf Pressearbeit und Promotion konzentriert. Daraus ist die musikalische Zusammenarbeit entstanden. Bei aller Ernsthaftigkeit in der Musik geht es dabei locker zu. "Wer eine geschundene Künstlerseele braucht, ist selbst Schuld. Mein Fall ist das nicht."

(NGZ/ac/url)