Kreis Kleve: Wolf scheint bei Schermbeck heimisch zu werden

Herdenschutzberaterin im Kreis Kleve : Der Schutz der Schafe wird immer wichtiger

Die Berichte vom Auftauchen des Wolfes versetzen die Züchter am Niederrhein in Alarmstimmung. Herdenschutzberaterin vor Ort.

Jetzt steht es endgültig fest: Im Raum Schermbeck und Hünxe ist ein Wolf unterwegs. Nachdem das Landesamt für Umwelt und Naturschutz (Lanuv) vor einiger Zeit auf Anfrage der Redaktion noch erklärt hatte, die Schafe seien vermutlich von Hunden gerissen worden, bestätigte das Amt per Pressemitteilung, dass doch ein Wolf dafür verantwortlich ist. Das Amt beruft sich dabei auf die genetischen Ergebnisse des Senckenberg Forschungsinstitutes. Das hatte Speichelproben bei getöteten Schafen in Schermbeck-Gahlen untersucht.

Fest steht jetzt auch, woher das Tier kommt. Es gehört zu einem Wurf eines Wolfspaares, das sich in Schneverdingen in Niedersachsen angesiedelt hat. „Das Tier wird von dort an den Niederrhein gewandert sein, es ist maximal zwei Jahre alt“, erläutert Wilhelm Deitermann, Sprecher des Landesamtes. Und: Der Wolf von Schermbeck ist ein Weibchen.

Die Schafhalter in der Region sind angesichts der neuen Ergebnisse natürlich sehr verunsichert. Zumal die Meldungen von getöteten Tieren nicht abreißen. Diese Woche wird es auch wieder ein Treffen der Schafhalter geben.

Dass das Thema gerade in der Region viele bewegt, ist für Wiebke Mohrmann von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen keine Überraschung: „Die Kreise Wesel und Kleve sind die Hotspots der Schafhaltung im Land Nordrhein-Westfalen“, sagt die Herdenschutzberaterin. Hier gäbe es besonders viele Schafhalter. Und bei denen ist Wiebke Mohrmann derzeit besonders viel unterwegs, auch im Kreis Kleve.

Seit etwa vier Wochen sei die Anspannung gestiegen, es gehe da auch um Existenzängste. Zwar gebe es bei einem nachgewiesenen Wolfsriss eine Entschädigung von 120 Euro bis 160 Euro pro Tier, aber der eigentliche Schaden sei viel höher. Wenn der Wolf einmal aufgetaucht sei, würden die Tiere viel unruhiger. Es bestehe die Gefahr, dass sie auf die Straße laufen. Es komme auch verstärkt zu Frühgeburten, ganz kleine Lämmer würden in Panik totgetreten.

Und auch im Kreis Kleve sind Wölfe bereits mehrmals auffällig geworden. Eine Wölfin überquerte sogar den Rhein bei Emmerich und lief, wie seinerzeit ausführlich berichtet, über Weeze in Richtung der Niederlande. In Kerken wurden Schafe nachweislich vom Wolf gerissen. Ganz klar: Der Wolf ist hier ein Thema.

Die Herdenschutzbeauftragte berät die Schäfer, wie sie sich schützen können. Empfehlung ist, die Herde mit einem 90 Zentimeter hohen Zaun mit 2500 Volt Spannung zu schützen. Da Wölfe oft springen würden, solle zusätzlich in 1,20 Meter Höhe Flatterband als optische Abschreckung gespannt werden. Immer helfen würde das nicht. Die Wölfin aus Niedersachsen sei durch das Rudel dort bereits gut auf Zäune vorbereitet. Da in Schermbeck noch kaum Strom auf den Zäunen sei, habe das Tier dort quasi gute Trainingsmöglichkeiten, um das Überwinden der Absperrungen zu trainieren.

Ein Problem könnten auch freilaufende Hunde werden. Einmal kann es zu unangenehmen Begegnungen mit dem Wolf kommen. Zudem gebe es die große Gefahr, dass ein Hund eine läufige Wölfin deckt. „Die Hybrid-Wölfe, die dann entstehen sind wirklich problematisch und gefährlich“, sagt Wiebke Mohrmann. Das habe man bereits in Thüringen erlebt.

Christiane Rittmann hat mehrere Schafe durch den Wolf verloren. Sie wundert sich darüber, dass das Lanuv zunächst immer nur von Hunden gesprochen hatte. Bereits in dem Bericht der Pathologie, den sie selbst bekommen hatte, hatten die Experten darauf verwiesen, dass nach den massiven Bissverletzungen ein Wolf in Erwägung gezogen werden müsse. „Die Verunsicherung bei uns ist jetzt natürlich groß“, sagt sie.

Noch gibt es keine öffentlichen Bilder des Schermbecker Wolfes. Foto: dpa/Bernd Thissen
In den Kreisen Kleve und Wesel gibt es besonders viele Schafe. Foto: Maren Könemann

Auch Martin Tiemann, Schafzüchter aus Uedem-Keppeln, fordert, dass die Informationspolitik des Landesamtes verbessert wird. Außerdem müsse die öffentliche Hand auch den Schafhaltern unter die Arme greifen. Denn zusätzliche Maßnahmen zur Sicherung würden natürlich auch zusätzliches Geld kosten.

(zel)