Schlüsseldienst-Prozess in Kleve: Urteil ist gefallen - Haftstrafen

Mammut-Verfahren in Kleve : Haftstrafen gegen Angeklagte im Schlüsseldienst-Prozess

Der 58-jährige Unternehmer aus Geldern und der 39-Jährige aus Weeze sind schuldig gesprochen worden. Sie müssen mehrere Jahre in Haft.

Betrug, Steuerhinterziehung, Vorenthalten von Arbeitsentgelt: Das Klever Landgericht hat die beiden Angeklagten im „Schlüsseldienst-Prozess“ schuldig gesprochen. Der 58-jährige Unternehmer aus Geldern muss für sechseinhalb Jahre ins Gefängnis, der 39-Jährige aus Weeze für drei Jahre und neun Monate.

Die beiden Männer hatten über das in Geldern ansässige Unternehmen „Deutsche Schlüsseldienst Zentrale“ ein Schüsseldienst-Imperium aufgebaut. Sie hatten bundesweit Anzeigen für Schlüssel-Notdienst-Leistungen geschaltet, die den Eindruck erweckten, Kunden hätten es mit unterschiedlichen, ortsansässigen Handwerkern zu tun. Tatsächlich landeten aber alle Anrufer, die eine der angegebenen Nummern wählten, in der Gelderner Telefonzentrale.

Dort vermittelten Telefonisten die Fälle an Monteure. Diese hatten häufig eine weite Anreise und sollen dann schlecht gearbeitet, völlig überhöhte Rechnungen geschrieben, mitunter überflüssige Arbeiten ausgeführt oder sogar Schlösser zerstört haben, um möglichst hohe Rechnungen zu schreiben. Von den Einnahmen landete mehr als die Hälfte – im Schnitt 55 Prozent – bei der Schlüsseldienst-Zentrale.

Mit der Methode sollen der heute 58-Jährige aus Geldern und der 39-Jährige aus Weeze, der als Geschäftsführer fungierte, über Jahre viele Millionen Euro verdient haben.

Weil die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass die Monteure nur scheinselbstständig waren und als Angestellte hätten bezahlt werden müssen, wirft sie den Angeklagten zudem vor, rund 5,8 Millionen Euro Umsatzsteuer hinterzogen und knapp 10,5 Millionen Euro an Lohnnebenkosten nicht gezahlt zu haben.

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