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Geldern Blick hinter die Kulissen der Kirche als Küster

St. Nikolaus Walbeck : Handwerker Gottes in der Kirche

Erich Naus gibt nach 33 Jahren Tätigkeit die Aufgaben als Küster in die Hände von Claudia Müncks. Beide sind durch und durch Walbecker. Sie erzählen vom Blick hinter die Kulissen und von der Arbeit für die Menschen vor Ort.

Wenn Erich Naus seinen Arbeitsplatz betritt, dann steht da kein Computer, keine Maschine rattert. Stattdessen geht er in die Knie. „Das habe ich mir angewöhnt“, sagt der 63-jährige Küster. Der Blick geht dann zum Allerheiligsten, dem Tabernakel, in dem die geweihten Gaben aufbewahrt werden.

In den 33 Jahren seines Dienstes als Küster in Walbeck war ihm wichtig, die Besonderheit seiner Arbeitsstätte immer im Blick zu behalten. Die Worte seiner Mutter fallen ihm ein. „Du musst dir vorstellen, das sind 1000 Jahre durchbetete Mauern“, hatte sie gesagt. Erich Naus blickt sich um. „Die Kirche, wie sie jetzt steht, ist von 1329, aber die Nordwand existiert noch.“ Und die ist tatsächlich 1000 Jahre alt. Das könne man genau am Mauerwerk sehen, faszinierend sei das.

Genauso wie seine Arbeit. Er geht in den hellen, lichturchfluteten Kirchenraum von St. Nikolaus in Walbeck. „Unser Dom ist ja evangelisch aufgeräumt“, sagt er lächelnd. So manches „Gerümpelchen“ sei im Laufe der Zeit weg geräumt worden. Dadurch wirkt der Kirchraum modern und freundlich. Sein Blick geht nach oben. „Wir müssen die Fenstersimse mal wieder absaugen, die Lampen sind auch dran“, sagt er mit Kennerblick. „Es ist immer was zu tun.“

Seine Zeit als Küster ist nach 33 Jahren und vier Pfarrern zu Ende. Claudia Müncks übernimmt. „Wir kennen uns schon ewig“, sagt die Walbeckerin. Beim Bistum Münster hat sie den Lehrgang zur Küsterin durchlaufen. Fremd ist ihr in der Walbecker Kirche fast nichts. Sie hat immer schon mit angepackt, wie viele andere Walbecker auch. Ihre „Kirchenkarriere“ war klassisch, begann mit Kinderchor, weiter ging es mit Kirchenchor, Lektorat, Firmkatechese und als Kommunionhelferin.

„Wir kannst du nur für diesen Verein arbeiten?“, das wurde sie schon gefragt. Die Missbrauchsfälle, die in der katholischen Kirche ans Licht kommen, lassen auch diejenigen nicht unberührt, die für die Kirche arbeiten. „Die ganzen Missbrauchsfälle müssen aufgeklärt werden. Das ist so“, sagt Naus bestimmt. „Es gibt aber auch viele Priester, die tolle Sachen machen. Die werden alle in einen Topf geworfen“, sagt er. Sowohl er als auch Claudia Müncks wehren sich gegen einen Generalverdacht.

Als Küster sehen sie sich als Verbindungsstück der Menschen vor Ort zum Priester. Gerade in der Zeit nach der Fusion,wo jetzt nicht mehr in jedem Ort ein Pfarrer wohnt. Man sei immer im Dienst, sagt Naus. So kommt es vor, dass bei einem Sterbefall oder wenn jemand eine Krankensalbung wünscht, erst einmal sein Telefon klingelt, auch nachts. „Ich kümmere mich darum“, sagt Naus dann. „Die Krankensalbung, das ist gerade den älteren Menschen wichtig“, weiß er. „Die kommen doch noch alle zur Kirche, so lange sie können.“ Bleibe der Platz in der Kirche dann leer, frage man sich: „Was ist da los?“, sagt Claudia Müncks.

Die Arbeit als Küster ist nicht mit dem Anzünden der Kerze und dem Glockengeläut getan. „Es geht auch viel um die Menschen. Man muss sich um die Leute kümmern.“ Claudia Müncks erzählt von den Messdienern. „Gerade bei den Jungs muss man ein Auge darauf haben.“ Die wachsen so schnell, dass ihr Messdienergewand dann, wenn sie nach vier Wochen das nächste Mal in es steigen, zu kurz ist. Das geht nicht. Dann bekommen sie von ihr eines in einer Nummer größer. „Das hat mit Würde und Erhabenheit der Feier zu tun“, sagt sie, warum sie als Küsterin auch darauf achtet, was die Messdiener tragen.

Jeden Tag neu sorgen die beiden dafür, dass das Gotteshaus als etwas Besonderes wahrgenommen wird. „Vielen Leuten ist die Kirche fremd und fern“, sagt Erich Naus. Die Bitte, das Handy auszuschalten, sei schon Usus. Sie bitten auch Fotografen, wenn es sein muss, nicht um das Allerheiligste bei einer Hochzeit oder Taufe herumzurennen. „Die Kirche ist immer ein Abbild der Gesellschaft“, sagt Erich Naus, fehlende Ehrfurcht ein eher gesellschaftliches als ein Kirchenproblem.

In einem ist er sich aber sicher: „Die Sache Jesu geht auch weiter, wenn die Kirche nicht mehr existiert. Da habe ich keine Bedenken.“ Solange es die Kirche und das Gebäude in Walbeck gibt, sorgen er und seine Nachfolgerin Claudia Müncks dafür, dass es ein einladender Ort für die Menschen ist.