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Erkelenz/Hückelhoven: Altodijo-Chor derzeit ohne Proben, aber mit CD-Aufnahme

Gute Nachricht vom Altodijo-Kammerchor Erkelenz : Eine CD hält das Hansen-Reqiuem fest

Die Corona-Krise wirft die Planung des Kammerchors Altodijo durcheinander, auch die virtuelle Chorprobe scheitert. Doch eine gute Nachricht gibt es.

Der Versuch einer „virtuellen Chorprobe“ ist gescheitert, wie Johannes Fell einräumen muss. Der musikalische Leiter des Kammerchors Altodijo hatte die Sängerinnen und Sänger und den Begleiter am Klavier, Thomas Hansen, per Internet zusammengeschlossen. „Jeder saß in seiner Wohnung und sang seinen Part“, schildert Fell die Situation. Doch: „Es klappte nicht.“

Die zum Teil minimalen Zeitverzögerungen in den einzelnen Verbindungen ließen einen harmonischen Chorgesang nicht zu. „Das Experiment ist misslungen“, bedauert Fell, der aufgrund der Corona-Krise sowie den damit verbundenen eingeschränkten sozialen Kontakten die gemeinsamen Proben des rund 20-köpfigen Ensembles schon längst vermisst. „Es ist ja nicht nur das Singen, es sind auch die Gespräche am Rande, das Lachen und Diskutieren, das zusammenschweißt und das uns allen fehlt.“

Alle Pläne für die nächsten Monate bis zum Sommer sind mit vielen Fragezeichen versehen oder längst Makulatur geworden. „So fällt unser Treffen und das gemeinsame Konzert mit den Freunden vom Chor Kanarien Kemperle aus Quimperle an Christi Himmelfahrt ersatzlos aus.“ Dieses Konzert sollte einer der Höhepunkte im Jahr werden, das so erfolgsversprechend begonnen hatte. „Im Februar hatten wir noch das Glück, dass wir das für uns von Thomas Hansen geschriebene Reqiuem in der deutschen Gemeinde St. Paulus in Brüssel aufführen konnten“, berichtet Petra Ellinghoven. „Da ahnte noch keiner, welche Auswirkungen das Coronavirus tatsächlich haben wird.“

Die Resonanz sei enorm gewesen. „Wir konnten zufrieden sein“, meint der Komponist Hansen, der den Chor am Klavier begleitete. Die Begeisterung sei so groß gewesen, dass inzwischen eine belgische Zeitung einen Bericht über den Chor verfassen will, ergänzt Helga Kockerolls-Eßer. Es soll sogar, so hat es die Schirmherrin und EU-Abgeordnete Sabine Verheyen aus Aachen angedeutet, weitere Konzerte in der Region geben. Der Chor ist nicht abgeneigt, zumal eine Aufführung in Bonn vom dortigen Veranstalter abgesagt wurde, „weil wir aus dem Kreis Heinsberg kommen“, erklärt Fell verständnisvoll.

Bei allem Pech hat der Chor aber doch in einer Sache noch Glück gehabt: „Wir konnten die Aula in Hückelhoven noch für eine CD-Aufnahme nutzen, bevor auch diese von der Stadtverwaltung gesperrt wurde“, berichtet Alexandra Kalisch. Da auch die Musiker von con brio mitzogen, die ihr Konzert absagen mussten und die zugestandene Hallenzeit Altodijo überließen, hatte der Chor zwei komplette Tage, um das Hansen-Requiem für eine Aufnahme einzuspielen. „Wir haben die Zeit auch gebraucht“, sagt Fell.

Nicht zuletzt Hansen fand immer noch ein Härchen in der Suppe beziehungsweise eine Verbesserungsmöglichkeit im Chorgesang. Aber Altodijo wäre nicht der Chor, der er ist, wenn nicht ernsthaft im Vorfeld darüber diskutiert worden wäre, ob er die notwendige Enge während der Aufnahme akzeptieren soll. „Wir haben uns dann einstimmig dafür ausgesprochen, das Projekt durchzuziehen“, erläutert Helga Kockerols-Eßer, und Fell ergänzt: „Welche Ausmaße die Coronakrise haben würde, haben wir zu jenem Zeitpunkt, damals kurz nach Aschermittwoch, nicht ermessen können.“

Jetzt hofft der Chor darauf, dass das Requiem bald auf CD gepresst erhältlich ist. Ein professioneller Tontechniker des WDR hat rund 40 Stunden Material aufgenommen. „Jetzt muss er die Aufzeichnungen noch nachbearbeiten und dann die einzelnen Sequenzen zusammenfügen“, berichtet Alexandra Kalisch. Wie lange das dauert, weiß sie nicht. Ursprünglich geplant war eine Veröffentlichung anlässlich des Besuches der Sangesfreunde aus Frankreich.

Aber in Zeiten von Corona ist alles etwas anders und langsamer. So braucht es Zeit und Geduld, bis endlich die CD vorliegt, bis endlich der Chor wieder dienstags gemeinsam probt, bis endlich wieder Alltag einkehrt. Aber was bedeuten schon Terminpläne in dieser Zeit?