Fotografie : Ein neuer Blick auf Düsseldorf

Jakob Krebs hat die Welt bereist und fotografiert, jetzt setzt er seiner Heimatstadt ein Denkmal.

Jakob Krebs ist in Tokio aufgewachsen, elf Jahre hat er dort gelebt. Mit wachen Augen und auf dem Fahrrad hat der Sohn eines ARD-Auslandskorrespondenten die Stadt erkundet. Und schnell drängte sich der Wunsch auf, diese überwältigenden Eindrücke festzuhalten. Krebs begann zu fotografieren. Das macht er bis heute, auch wenn er beruflich einen anderen Weg eingeschlagen hat: Nach dem Studium in Hamburg (BWL und Politologie) trat er der von Alexander Kluge gegründeten Fernseh-Entwicklungsgesellschaft DCTP bei, die in Programmfenstern des Privatfernsehens Inhalte unabhängiger Dritter sendet (etwa Spiegel TV). Das Steckenpferd des Geschäftsführers: BBC Exclusiv.

Jedenfalls kam der Medienmanager auf diese Weise auch nach Düsseldorf. Obwohl er und seine Frau Pia eigentlich irgendwie immer auf Reisen sind. Viel in den USA, möglichst in Metropolen, und die Canon ist stets dabei. „Früher sind wir in den Urlaub geflogen und ich habe nebenbei fotografiert. Inzwischen ist es fast schon so, dass wir konkret Ziele aussuchen, damit ich dort neue Aufnahmen machen kann“, sagt Krebs, der vor allem vom Urbanen fasziniert ist. „San Francisco und New York, London, Paris, Barcelona und Amsterdam“, nennt er als seine Lieblingsstädte. „Es ist schon mehr als nur ein Hobby. Wenn ich davon leben könnte, würde ich meinen Beruf wahrscheinlich aufgeben“, so der 55-Jährige.

 Jakob Krebs vor einer Auswahl seiner Fotos im Kleinformat.
Jakob Krebs vor einer Auswahl seiner Fotos im Kleinformat. Foto: Jakob Krebs/Jakob Krebs/Marc Ingel
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Vor drei Jahren eröffneten Pia und Jakob Krebs ein Café an der Weseler Straße 65. „PYC – Cheesecake und Gallery“ heißt es, die Buchstabenkombination steht für „Picture your City“, was übersetzt so viel heißt wie „Mache dir ein Bild von deiner Stadt“. Während Pia Krebs in dem Geschäft den wahrscheinlich besten Käsekuchen in Düsseldorf verkauft, stellt Jakob Krebs seine Bilder aus. Sein Anspruch dabei: „Ich möchte, dass der Betrachter auf den zweiten Blick viel mehr entdeckt, als er selbst zunächst annimmt. Dass er sich die Zeit nimmt und in die Fotografien eintaucht.“ Daher arbeitet er vorzugsweise mit unterschiedlichen Bildebenen und gerne mit Spiegelungen in Fensterfronten oder auf dem Wasser. Das Bearbeiten lehnt er weitestgehend ab. Ein wenig hat er sich damals aus diesem Grund gesträubt, als die digitale die analoge Fotografie ablöste „auch weil ich die Farben zunächst nicht überzeugend fand“. Inzwischen geht Krebs aber mit der Zeit.

 Die Spitze des Schalenbrunnens am Corneliusplatz aus der Froschperspektive.
Die Spitze des Schalenbrunnens am Corneliusplatz aus der Froschperspektive. Foto: Jakob Krebs/Jakob Krebs/Marc Ingel

Nachdem der Medienmanager die Welt abgelichtet hat, konzentriert er sich akutell auf seine Stadt. In der Galerie im Zooviertel („Wir sind mittlerweile im Viertel angekommen“) sind jede Menge „Heimat-Bilder ausgestellt. „Düsseldorf ist eine sehr interessante Stadt, die ganz viel Unterschiedliches zu bieten hat “, sagt Krebs. Der Hafen mit den Gehry-Bauten oder die Kö mit ihren Brunnen – Jakob Krebs ist auf seiner Motivsuche mehr als fündig geworden und bietet die schönsten Aufnahmen bei PYC in unterschiedlichen Größen auch zum Verkauf an. Für die Fotos gilt: „Ich möchte keine Atmosphäre einfangen, ich will Atmosphäre schaffen.“

Dass der Gast von dem Ambiente im Café schnell gefangen genommen wird, ist selbstverständlich Absicht, denn Pia und Jakob Krebs haben die Inneneinrichtung selbst durchgeführt. So hat der 55-Jährige Lampen im Bauhaus-Stil kreiert, die jedoch nur spärlich in dem Laden verteilt sind. Denn die Beleuchtung geht primär von den Strahlern aus, die auf die Bilder gerichtet sind. Jakob Krebs freut sich, wenn Besucher dieses besondere Konzept anerkennen. Ebenso natürlich, „wenn zum Beispiel Menschen aus New York den Weg zu uns finden, die Fotos loben und sagen, der Cheesecake meiner Frau sei besser als der bei ihnen zu Hause“.