Düsseltal: 300 Meter Kaufrausch „am Zoo“

Serie Meine Einkaufsstraße: 300 Meter Kaufrausch „am Zoo“

In unserer neuen Serie werfen Journalistenschüler der Rheinischen Post einen Blick auf Düsseldorfs Einkaufsstraßen. Zum Auftakt waren wir an der Rethelstraße.

Zwischen der S-Bahn-Haltestelle „Düsseldorf Zoo“ und dem Brehmplatz floriert die Geschäftswelt. Auf einer Länge von rund 300 Metern reihen sich dort viele zumeist inhabergeführte Läden aneinander und bilden eine Einkaufsstraße, die so ziemlich alles bietet, was die Bewohner des Viertels brauchen: von Lebensmitteln über Kleidung und Parfum bis hin zu Brillen und Hörgeräten. Die Kunden lieben ihr Viertel, in dem sich bis 1943 ein Tiergarten befunden hat. Der Zoo ist längst Geschichte – und doch identifizieren sich die meisten Bewohner als solche des „Zooviertels“. Und: Sie halten „ihre“ Einzelhändler an der Rethelstraße, indem sie bei ihnen einkaufen. Sie schätzen die Nähe, den persönlichen Kontakt und den beinahe familiären Umgang, den einige Kunden und Geschäftsleute zu pflegen wissen.

Zwischen große Supermärkte in Brehmplatz-Nähe fügen sich zahlreiche kleine Geschäfte. Martin Braun betreibt dort eines für italienische Damenmode. „Ich bediene fast nur Stammkunden“, sagt Braun und spricht von einem „hochwertigen Klientel“. Seine Kunden würden auch schon mal etwas mehr Geld für stilvolle, italienische Kleidungsstücke ausgeben. „Viele Nachbarn schätzen mein Geschäft.“ Martin Braun findet die Rethelstraße in Bezug auf die Nahversorgung „gut aufgestellt“. Er vermisst lediglich etwas Gastronomie – und einen Laden für Herrenmode, vielleicht als Pendant zu seinem Geschäft. Vom Tresen aus hat er einen guten Überblick. Er kennt die Straße gut. „Zurzeit gibt es hier nur zwei Leerstände.“

Die Neubaugebiete hinter der Bahnstrecke profitieren von der Rethelstraße. Foto: Christian Kandzorra

Eva Wenndorf und Björn Amend haben erst Mitte November im südlicher gelegenen Teil der Rethelstraße einen Leerstand gefüllt und einen Laden eröffnet, in dem Kunden die Lebensmittel, die sie dort kaufen möchten, selbst abfüllen können. Bio-Obst und -Gemüse, trockene Nahrung, Brot, Schokolade, Drogerieartikel und Co. kommen dort ohne Kunststoffverpackungen aus. „Unsere Kundschaft ist bunt gemischt. Es sind viele Singles dabei, Studenten, aber auch ältere Menschen. Die meisten kommen aus der Nachbarschaft“, sagt Eva Wenndorf, die beobachtet, dass immer mehr jüngere Menschen gezielt auf der Rethelstraße einkaufen. „Das liegt an den neuen Wohnvierteln in der Umgebung“, sagt sie und bezieht sich damit auf die zahlreichen Wohnungen, die jenseits der Bahngleise entstanden sind. „Zu uns kommen auch viele Mütter“, berichtet Björn Amend, dem die Idee zum Unverpackt-Laden beim Tauchen im Thailand-Urlaub gekommen ist. Das viele Plastik im Meer schockte ihn.

Das gehört auch zur Rethelstraße: die alten, heruntergekommenen Bordelle  Foto: Christian Kandzorra
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Vor dem Einzug der beiden jungen Geschäftsleute herrschte im südlichen Teil der Einkaufsstraße, also ganz in der Nähe des Bahnhaltepunktes „Zoo“, eher tote Hose, wie sich Wenndorf erinnert. Das kann Buchhändlerin Elke Böttcher bestätigen. Die Buchhandlung, die sie gemeinsam mit Christina Bolland betreibt, bildet eine Art Bindeglied zwischen beiden Straßenabschnitten: zwischen dem manchmal etwas chaotisch anmutenden Teil mit großen Supermärkten und vielen bunten Geschäften, die sich direkt aneinanderreihen, und dem etwas ruhigeren Teil, in dem sich auch einige Ärzte und ein kleines Café angesiedelt haben. Im südlicheren Teil „tut sich etwas“, sagt Böttcher. Die Straße gewinne an Attraktivität. Gegenüber ihrer Buchhandlung findet donnerstags und samstags ein kleiner Wochenmarkt statt. „Die Menschen hier lieben ihr Viertel. Es ist gut situiert“, betont die Buchhändlerin. Die Nachbarn würden bewusst dort einkaufen gehen. „Man kennt sich. Und als Buchhandlung sind wir hier am Standort sehr zufrieden“, sagt sie.

Elke Boettcher hat einen kleinen Buchladen in Düsseltal. Foto: Christian Kandzorra

Die Geschäftsleute an der Rethelstraße halten zusammen. Sie machen gerne auf sich aufmerksam und bieten ihren Kunden die Möglichkeit, beim Einkaufen zu zeigen, dass sie eben nicht irgendwo einkaufen, sondern zu Hause, also in ihrem Zooviertel. Deshalb haben sie – initiiert von der Buchhandlung – eine Einkaufstasche mit einem historischen Foto des Zoos, das einen Elefanten zeigt, und dem Schriftzug „Zoo-Beute“ kreiert, die im Januar – neu aufgelegt – in den Geschäften verteilt werden und zum Kaufen an der Rethelstraße anregen soll.

Björn Amend und Eva Wenndorf in ihrem Unverpackt-Laden Foto: Christian Kandzorra

Die Rethelstraße „pusht“ sich selbst – mit Hilfe ihrer Bewohner, von denen viele wiederum zwischen den S-Bahnhaltestellen „Zoo“ und „Wehrhahn“ (Grafenberger Allee) leben. Dort ist die Rethelstraße eine reine Wohnstraße: Hübsche Hausfassaden schmiegen sich dort aneinander, das Straßenbild ist geprägt von hohen Bäumen, teils auch von schnittigen Neubauten. Mittendrin: die Werner-von-Siemens-Realschule. Der gute Eindruck wird allerdings getrübt von den verschmutzten und mit Graffiti beschmierten S-Bahn-Haltestellen und drei offenbar bereits längere Zeit leerstehenden Häusern direkt an den Schienen, in denen früher Bordelle beheimatet waren.