Düsseldorf: Wenn plötzlich eine Schildkröte in deinem Garten schlüpft

Kleines Wunder aus Düsseldorf: Wenn plötzlich eine Schildkröte in deinem Garten schlüpft

Die griechische Landschildkröte kam im September plötzlich aus der Erde in einem Garten in Düsseltal gekrabbelt. Und das ist äußerst ungewöhnlich.

Kaum größer als eine Streichholzschachtel ist sie, wiegt nur ein paar Gramm. Der Panzer ist wohl geformt, das Muster darauf schöner als bei vielen ihrer Artgenossen – gelblich, oliv und braun, gleichmäßig und kräftig, nicht verwaschen und schon gar nicht matschfarben. Die kleine Schildkröte, die den Namen Nika trägt, kam am 6. September aus der Erde gekrabbelt, sie ist ein besonderes Exemplar, eine Superhelden-Schildkröte sozusagen, weil sie in freier Natur geboren wurde. Ungewöhnlich ist das, wie Schildkröten-Experte Heinz-Werner Meier erzählt, „das passiert eigentlich nur in den Herkunftsländern“. Griechenland in diesem Fall, denn das Reptil ist eine griechische Landschildkröte. Entsprechend groß war die Überraschung, als Nika Anfang September plötzlich durch den Garten tapste, irgendwo in Hilden, wo die Besitzerin doch eigentlich 2017 alle Männchen abgegeben hatte, damit es keinen Nachwuchs mehr gibt.

Doch Nika und ihre Mutter hatten andere Pläne: „Offenbar wurde das Weibchen schon 2017 begattet und hat den Samen bis 2018 gespeichert“, sagt Meier. Heimlich hat das Weibchen die Eier verscharrt, aufmerksam ist die Besitzerin auch nicht gewesen, Schildkröten-Babys erwartete sie schließlich keine. Optimal sind aber die Bedingungen gewesen in diesem Sommer, kaum ein Tag verging, an dem das Thermometer weniger als 30 Grad zeigte: „Normalerweise werden die Eier im Brutapparat bei plus/minus 30 Grad gebrütet“, sagt Meier, bei dem Nika inzwischen wohnt, in einer Aufzuchtbox in Düsseltal, wo es auch noch andere Schildkröten gibt.

Weil Nika in freier Wildbahn geschlüpft ist, nicht mal einen genauen Geburtstag hat, „es dauert manchmal Tage, bis sie ganz aus dem Ei gekrochen sind“, sagt Heinz-Werner Meier, kann er auch nicht sagen, ob die Schildkröte ein Männchen oder ein Weibchen ist. „Über die Temperatur können wir das mit dem Brutkasten regeln“, erklärt Meier. Aus Eiern, die knapp unterhalb der 30 Grad brüten, schlüpfen Männchen, aus Eiern, die über 30 Grad im Brutkasten liegen, kommen die Weibchen. Bei Nika wird er erst Gewissheit haben, wenn das Tier geschlechtsreif ist, und das dauert sicher noch zehn Jahre. Deshalb hat Nika auch einen neutralen Namen bekommen, „ein Kürzel eines Autors aus der Zeitung“, sagt Meier, „und es kann einem Mann oder einer Frau gehören“.

100 Jahre alt kann Nika werden, ihr ganzes Leben lang wächst sie, groß wie ein Toilettendeckel soll sie irgendwann sein. Viel Pflege braucht die Schildkröte nicht, vernünftiges Futter aber. Einen richtigen Ernährungsplan hat Meier aufgestellt für die kleine Nika, die Löwenzahn und Kohldisteln frisst, verschiedene Kleearten, Brennnesseln und grünes Laub von Obst- und Waldbäumen. Kopf-, Eisberg- und Römersalat stehen auf dem Speiseplan, dazu Petersilie und Gurkenscheiben, rote Paprika und Tomaten mag Nika gern, überhaupt ist Rot ihre Farbe. Rot lackierten Fußnägeln kann sie kaum widerstehen. Ganz selten gibt es mal Himbeeren, Erdbeeren und Apfel, rot natürlich, „zu viel Fruchtzucker ist aber nicht gut“, sagt Heinz-Werner Meier.

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Seit 20 Jahren hat er schon Schildkröten und ist jedes Mal aufs Neue wieder ganz fasziniert, wie streng sich Schildkröten an bestimmte Abläufe halten. „Sie legen fast immer sechs taubengroße Eier“, sagt der 72-Jährige, „ohne dass man eine Veränderung beim Weibchen am Panzer bemerkt“. Irgendwann, da frisst das Weibchen nicht mehr richtig, dann weiß der Experte, bald legt es die Eier. Damit hat es sich dann aber auch eigentlich mit den elterlichen Pflichten.

Die Schildkröte verscharrt den ungeborenen Nachwuchs noch schnell unter der Erde und ist fertig mit der Erziehung. In diesen Momenten muss Meier wachsam sein, damit er schnell die Eier wieder ausgraben kann, „ab dem zweiten Tag dürfen sie nicht mehr bewegt werden“. Ziemlich genau 60 Tage dauert es dann, bis die Babys schlüpfen, der Panzer ist weich bei der Geburt, fast rund. Ein paar Wochen dauert es, bis sich die Form verändert, er länglich wird und fester.

Jetzt bereitet Heinz-Werner Meier Nika und ihre Artgenossen auf den Winterschlaf vor, obwohl es fast noch zu warm ist. Konstant unter 15 Grad muss es sein, damit sich die Tiere zurückziehen, im Notfall kommt Nika in den Kühlschrank, „am besten in einen Weinkühlschrank, der ist erschütterungsfrei“, sagt Meier. Und im Frühjahr, sobald es drei Tage in Folge wärmer als 18 Grad ist, wachen sie wieder auf.

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