Empörung in Düsseldorf: Protest gegen Beleidigung von Rabbiner

Empörung in Düsseldorf : Protest gegen Beleidigung von Rabbiner

Der Geistliche sagt, er habe den Vorfall publik gemacht, um „vorzuwarnen“ – gerade, weil er sich als Jude in Düsseldorf immer wohl gefühlt habe. Aus der Stadtgesellschaft gibt es viel Unterstützung für die jüdische Gemeinde.

Ein Rabbiner beklagt, er sei antisemitisch bedroht worden – der Facebook-Beitrag von Chaim Barkahn hat zu vielen Reaktionen geführt. Aus Politik und Stadtgesellschaft kommt Unterstützung für die drittgrößte jüdische Gemeinde in Deutschland. Die Polizei ermittelt inzwischen wegen der Beleidigung, von der Barkahn berichtet hatte. Der Rabbi selbst sagt, er habe immer mit Stolz davon erzählt, dass Juden in Düsseldorf ruhig leben können. Nun fühle er sich erstmals unsicher. „Gerade deshalb will ich vorwarnen.“

Barkahn, der seit 2001 im Chabad-Zentrum tätig ist, berichtete, dass er am Sonntag an der Collenbachstraße beschimpft worden sei, als er in erkennbar religiösem Gewand unterwegs war. Der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde, Michael Szentei-Heise, hatte sich in einer Reaktion besorgt gezeigt. Vor ein paar Jahren noch habe er gesagt, dass er in Düsseldorf kein Viertel kenne, in das man sich mit Kippa nicht trauen dürfte. „Heute sage ich: Vernünftiger ist es ohne.“

Der polizeiliche Staatsschutz hat nach dem Bericht unserer Redaktion Ermittlungen aufgenommen, Barkahn am Dienstag befragt. Auch wenn Hintergrund und Motiv der Attacke völlig offen seien, sagt Polizeipräsident Norbert Wesseler: „Antisemitismus, egal von wem und in welcher Form, ist nicht zu tolerieren.“ Einem Polizeisprecher zufolge haben sich die antisemitischen Straftaten in Düsseldorf zuletzt nicht gehäuft. Jüdische Einrichtungen werden schon lange mit hohen Sicherheitsvorkehrungen geschützt.

Für den Rabbiner ging am Dienstag der Alltag weiter: Im Chabad-Zentrum an der Bankstraße wurde eine Beschneidung gefeiert. 1500 Mitglieder hat der Düsseldorfer Ableger der größten jüdisch-orthodoxen Bewegung. Der 42-jährige Rabbiner kommt aus Israel und lebt mit seiner Familie in der Nähe des Zentrums. Die Gemeindemitglieder seien mit völliger Selbstverständlichkeit in dem Viertel unterwegs, in dem sich auch die große Synagoge befindet, sagt er.

Barkahn ist unter anderem auch bekannt, weil er an den Chanukka-Feiern auf dem Grabbeplatz mitwirkt. Gerade weil er eine öffentliche Person sei, habe er sich entschieden, den Vorfall publik zu machen. Bei der Polizei hat Barkahn auch eine Täterbeschreibung abgegeben. Was damit geschehe, solle die Polizei entscheiden. Er wolle sich nicht öffentlich äußern, zumal im Internet über die mögliche Herkunft des Mannes wild spekuliert wird. „Das ist für mich nicht entscheidend. In Deutschland gelten Demokratie und Gesetz für alle.“

Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) sagt, der verbale Angriff auf den Rabbiner, den er als weltoffenen Düsseldorfer schätze, mache auch ihn betroffen. „Dennoch sollten wir jetzt nicht in Alarmismus verfallen.“ Von den anderen Religionsgemeinschaften kommt Unterstützung. Der evangelische Superintendent Heinrich Fucks befürchtet, dass sich Antisemiten stärker trauten, „öffentlich frech und übergriffig“ zu werden. „Die Solidarität der Kirchen und Stadtgesellschaft gehört der ganzen jüdischen Community.“

Dalinç Dereköy, Vorsitzender des Kreises der Muslime, sagt, die Tat sei „auf Schärfste zu verurteilen“. Die Stadtgesellschaft müsse als breites Bündnis aufstehen. Auch bürgerschaftliche Organsationen äußerten sich. Und die FDP-Fraktion hat Szentei-Heise für Juli zu einem Gespräch über die Sicherheit in Düsseldorf dazugebeten, zu dem auch Polizeipräsident Wesseler eingeladen ist.

>>>Lesen Sie hier den Kommentar unserer Autorin

Hinweis der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Artikels hieß es im Info-Kasten, in der NS-Zeit seien 1800 Düsseldorfer Juden ermordet worden. In Wirklichkeit liegt diese Zahl nach Expertenangaben bei 2587 Menschen. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten ihn zu entschuldigen.

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