Düsseldorf: Spektakuläre Kriminalfälle 2019 vor Amts- und Landgericht

Amts- und Landgericht Düsseldorf : Diese spektakulären Kriminalfälle kommen 2019 vor Gericht

Rund 600 Prozesse stehen in diesem Jahr beim Amts- und Landgericht Düsseldorf an. Zur Verhandlung kommt auch der Messerangriff auf der Bachstraße, bei dem eine 36-Jährige tödlich verletzt wurde.

Rund 600 Prozesstermine bewältigen Amts- und Landgericht an jedem Sitzungstag im Justizzentrum am Oberbilker Markt. Das Spektrum reicht von Familienstreitigkeiten, etwa Scheidungen oder der Kampf ums Sorgerecht für Kinder, über Millionenklagen rivalisierender Konzerne, Reiseklagen (meist von Flugpassagieren) bis hin zu Zwangsversteigerungen oder Insolvenzverfahren. Zudem stehen im kommenden Jahr etliche spektakuläre Kriminalfälle zur Verhandlung an. 

  • Psychisch Kranker tötet Mutter

Am 14. Januar startet vor dem Landgericht der Prozess gegen einen 34-jährigen Psychiatrie-Patienten. Im August soll er nach jahrelangen medizinischen Behandlungen in einem Streit um Nichtigkeiten ausgerastet und auf seine Mutter (61) losgegangen sein. Tage später war die Frau in der gemeinsamen Wohnung in Wittlaer tot aufgefunden worden – getötet laut Obduktionsbericht durch „massive, stumpfe Gewalteinwirkung gegen Oberkörper und Kopf“.

Laut Ermittlungen hatte die Frau ihren Sohn über Jahre hinweg durch die verschiedenen Phasen seiner Krankheit begleitet, hatte ihn betreut und bei sich aufgenommen. Mehrfach war der Sohn polizeilich in Erscheinung getreten, war wegen Widerstands, Körperverletzung oder auch Sachbeschädigung aufgefallen.

Basierend auf psychiatrischen Gutachten geht die Staatsanwaltschaft nun davon aus, dass der 34-Jährige zur Tatzeit nicht schuldfähig war, aber als gemeingefährlich zu geltend hat. Da von ihm krankheitsbedingt weitere, schwere Straftaten zu befürchten seien, soll er laut Antrag nun dauerhaft in einer geschlossenen Psychiatrie-Klinik untergebracht werden.

  • Kind getötet, um Mutter zu bestrafen?

Ein Eifersuchtsdrama mit besonders tragischem Verlauf beschäftigt das Schwurgericht ab dem 18.Januar. Angeklagt ist dann ein 32-jähriger Familienvater, der im Juli aus Wut über seine angeblich untreue Ehefrau zum Mörder am eigenen Kind geworden sein soll.

Nach einem Zwist der Eheleute hielt sich die Frau am Vormittag des Tattages nicht in der gemeinsamen Wohnung in Rath auf. Mann und Frau führten noch zwei Telefonate, bei denen der Vater die kleine Tochter mit einer Waffe bedroht haben soll. Als Polizeikräfte eintrafen, begangen stundenlange Verhandlungen mit dem 32-Jährigen, der sich samt Tochter in der Wohnung verschanzt hatte.

Als er gegen Mittag damals aufgab, entwaffnet und überwältigt wurde, fanden Beamte in der Wohnung die leblose Tochter vor. Die Siebenjährige starb laut Untersuchungen durch Gewalteinwirkung gegen den Hals. Die Anklage gegen den Vater geht davon aus, dass er das Kind „aus niedrigen Beweggründen“ ermordet habe – um sich dadurch an der vermeintlich untreuen Ehefrau zu rächen. Zweifel an seiner Schuldfähigkeit gibt es bisher nicht.

  • Frau tötet Ehemann mit Brotmesser

Bereits im Mai war es in Niederkassel zu einem anderen Familiendrama gekommen. Im vierten Stock eines Hochhauses hatte eine 59-Jährige damals ihrem acht Jahre älteren Ehemann vermutlich im Affekt durch Angriffe mit einem Brotmesser so schwere Verletzungen zugefügt, dass der Mann wenig später daran starb.

Noch am Abend des Pfingstsonntags hatte die Frau selbst die Polizei alarmiert und zum Tatort gerufen. Über die Hintergründe und Einzelheiten der Bluttat schwieg sich die Frau dann aus. Ermittler schlossen jedoch aus den Umständen, es müsse sich um eine spontane Tat der Frau gehandelt haben. Sie wurde zunächst festgenommen, doch der Haftbefehl gegen sie wurde gegen eine Kaution von 30.000 Euro inzwischen außer Vollzug gesetzt.

Wann der Prozess gegen die 59-Jährige startet, ist völlig ungewiss. Grundsätzlich müssen jene Fälle bevorzugt vom Gericht behandelt werden, bei denen Tatverdächtige in Untersuchungshaft sitzen. Nach der Freilassung der 59-Jährigen wird ihr Fall jetzt nicht mehr als „Haftsache“ geführt.

  • 84-jährige Ex-Schauspielerin getötet

Von ihrem 81-jährigen Bruder, der bei ihr in Eller nur für ein paar Tage zu Besuch war, ist eine 84-jährige Frau im Juli getötet worden. Das gab der erheblich angetrunkene Rentner selbst an, als er kurz nach der Attacke blutüberströmt aus der Tatwohnung gewankt war und eine Passantin angesprochen hatte.

Eine Blutprobe bei dem Senior ergab später rund zwei Promille. Er ließ sich widerstandslos festnehmen. Nach bisherigen Ermittlungen sollen auch hier Nichtigkeiten erst zum Streit der Geschwister, dann zur tödlichen Attacke geführt haben.

Das Opfer war einst als Schauspielerin bekannt geworden. Unter ihrem Mädchennamen war sie in den 1960er Jahren unter Regie von Adrian Hoven in einem deutschen Horrorfilm in einer der Hauptrollen aufgetreten. Ein Termin für den Prozessstart gegen ihren Bruder ist bisher nicht bekannt.

  • Tödlicher Messerangriff auf der Straße

Gellende Hilfeschreie einer 36-jährigen Frau hatten Anwohner an der Bachstraße in Friedrichstadt Ende August in Schrecken versetzt. Ein 44-jähriger Büdchenbetreiber mit Einweghandschuhen soll der Frau mit gezücktem Messer aufgelauert haben, als sie morgens ihre Wohnung verließ, zu ihrem Auto gehen wollte. „Ich hab’ doch nichts getan“, waren laut Zeugenaussagen ihre letzten Worte, bevor der Angreifer neben einem Schulgelände über sie herfiel, sie mit wuchtigen Messerstichen niederstreckte und tödlich verletzte.

Der Mann, dem zunächst die Flucht bis nach Spanien gelang, wo er fast zwei Wochen später nach internationaler Fahndung ermittelt und festgenommen werden konnte, soll das Opfer flüchtig gekannt haben. Als Kundin sei die Frau mehrfach in seinen Kiosk gekommen, er habe ihr gegen die damals brütende Sommerhitze sogar einen Ventilator besorgt, sich danach wohl Hoffnungen auf eine Beziehung mit ihr gemacht, sie deswegen offenbar mehrfach und massiv bedrängt. Als sie seine Annäherungen zurückwies, soll er sich zur Bluttat entschlossen haben.

Ob der Mann als geistig zurückgeblieben oder als psychisch krank zu gelten hat, müssen jetzt Sachverständige überprüfen. Wann die Verhandlung beim Schwurgericht über den Tod auf der Bachstraße beginnt, steht noch nicht fest.

  • Neu-Prozess gegen Ex-Chef der Uniklinik

Der Schuldspruch des Landgerichts vom Februar 2017 gegen den 65-jährigen Ex-Chef der Uniklinik muss neu überprüft werden. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, hat damit die damalige Verurteilung von Wolfgang Raab wegen Untreue in einem besonders schweren Fall aufgehoben.

2017 war Raab zu acht Monaten Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er als Leiter der zahnärztlichen Privatambulanz jahrelang einen wissenschaftlichen Mitarbeiter eingesetzt, der Klinik damit einen Schaden von fast 30.000 Euro zugefügt habe. Die Richter gingen damals davon aus, dass der Mitarbeiter von der Uniklinik bezahlt, seine Leistungen aber von Raab selbst abgerechnet worden sei. Als Bewährungsauflage sollte Raab laut Schuldspruch noch 10.000 Euro an den Verein der Förderer und Freunde der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zahlen.

Die Revision seiner Anwälte, die damals auf Freispruch gedrängt hatten, war zuletzt erfolgreich. Der Bundesgerichtshof befand jetzt, dass der komplette Raab-Prozess neu aufgerollt werden müsse. Wann genau diese Neuauflage beginnt, steht aber noch nicht fest.