Düsseldorf: Star-Künstler mit krächzendem Kakadu

André Krengel : Star-Künstler mit krächzendem Kakadu

Dieses Doppel hat überall einen besonderen Auftritt: André Krengel ist ein Ausnahmekünstler, den sein Kakadu Rocko „Schätzchen“ nennt.

USA, Kanada, Indien, Großbritannien, Osteuropa – mehr als 100 Konzerte vor zum Teil 3000 Besuchern in Philharmonien absolviert André Krengel im Jahr, doch die Heimat des Ausnahme-Gitarristen liegt am Rhein. Seit 18 Jahren lebt der in der Nähe von Bonn geborene Musiker in Düsseldorf – und dies in einer glücklichen Lebensgemeinschaft mit einem ganz besonderen Partner. „Ohne Rocko reise ich nur, wenn es nach Übersee oder sehr weit weg geht“, erzählt der 42-Jährige lachend und sieht seinen hübschen Gefährten an. Der hat es sich auf seiner Schulter gemütlich gemacht: Rocko ist ein verschmuster Gelbhauben-Kakadu, der seinem Herrchen nur beim täglichen Rundflug durch den Park oder um den Kirchturm von der Seite weicht und ihn jeden Morgen mit den liebevollen Worten „Hallo, mein Schatz!“ begrüßt. Neugierig beäugt er jedes Gespräch, wenn Krengel spielt, ist Rocko vollkommen tiefenentspannt.

André Krengel, Kulturpreisträger Musik und Komposition der Stadt Düsseldorf, begann mit 14 Jahren, Gitarre zu lernen, mit 17 spielte er in den ersten Bands. Er studierte Jazz- und Popmusik am Konservatorium im niederländischen Arnheim, doch bald zog es ihn in die Welt hinaus. Er ging nach Frankreich und Spanien und gab erste kleine Konzerte, anschließend zog er für zwei Jahre nach Florida und tourte mit einer Band; bald avancierte er zu einem Gitarristen, den Stars wie Rod Stewart und Gloria Gaynor als Background-Musiker ebenso buchten wie diverse TV-Shows. André beherrscht alle Spielarten der Gitarrenmusik – Flamenco und Swing, Gypsy, Jazz, lateinamerikanische Rhythmen, Blues, Fado, Pop und Rock ’n’ Roll. Zuletzt war er in Indien zu Gast bei dem dort hochverehrten Sarod-Meister  Pandit Ranajit Sengupta, den er zufällig im Zug kennenlernte und den er in Kalkutta besuchte.

Krengel wäre nicht Krengel, hätte er sich dort nicht intensiv mit indischer Musik und Kultur beschäftigt und schließlich mit dem berühmten Instrumentalisten Konzerte gegeben. Auch gemeinsame Stücke für die nächste CD sind bereits aufgenommen. „Es geht mir in allen Projekten um das Verschmelzen von Welten, um das Aufheben von Grenzen und um das Heranführen des Publikums, an ’neue’ Klänge, Kulturen und Gefühle. Meine Konzerte holen die Leute sozusagen beim Mainstream ab und führen sie dann an Musik mit Niveau und Gefühl“, erklärt er und steckt seinem Vogel ein Stück Keks zu, das zum Tee gereicht wurde.

André Krengel beherrscht sein Saiteninstrument wie wenige, fast all seine Stücke sind Eigenkompositionen. Die sind immer mitreißend, ob mit höchster Virtuosität in schnellen Rhythmen gespielt oder in ruhig fließenden Melodien voller Melancholie und Besinnlichkeit. Krengels vielschichtige Musik verführt zum Träumen und zum Tanzen, zum Mitswingen und zum Nachdenken, stets geht sie unter die Haut. Einen „wahren Meister“ nannte ihn Tonino Baillardo, der Gitarrist der Gypsy Kings, und Konzertveranstalter Marc Heinersdorff sagt über ihn: „Wer ihn einmal gehört hat, vergisst es nie wieder.“ Krengels letztes Album „Beneath the words“ ist ein beeindruckendes Beispiel seiner Kunst. Zwei Jahre arbeitete er an der Aufnahme, 30 internationale Spitzenmusiker begleiten ihn. Darunter Domingo Patricio, einer der weltweit besten Flötisten, sowie der Bassist Carles Benavent, der mit Legenden wie Quincy Jones, Chick Corea und Miles Davis gespielt hat. André Krengels Sinn für Humor beweisen Stücke wie seine Version von „Mer losse d’r Dom en Kölle“, die er mit der ausdrücklichen Genehmigung der Bläck Fööss interpretierte. Und auch Kakadu Rocko hat einen krächzenden Solo-Auftritt. Die Gelegenheit, André Krengels Performance live zu hören oder auch mitzutanzen, gibt es am Dienstag (8. Januar) um 21 Uhr in den Rudas Studios – mit seinem Ensemble Accoustic Revenge gibt er ein Konzert. Dorothee Achenbach

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