Düsseldorf: Eine Brille namens Wersten

Verrückte Sache in Düsseldorf : Eine Brille namens Wersten

Wie nennen Sie Ihre Brille? Vielleicht Darmstadt oder Hamminkeln? Wenn überhaupt nach Orten, dann bitte nach Düsseldorfer Stadtteilen. Die haben zwar auch absurde Namen – aber ein Brillenlabel aus der Landeshauptstadt schwört drauf.

Es gibt eine Indie-Rock-Band aus Hamm (Westfalen) namens Kapelle Petra – und die hat trotz ihres eigenen unmöglichen Namens einen großartigen Song mit dem melodiösen Titel „Curly Sue ist doch kein Name für ein Kind aus Gelsenkirchen“ geschrieben. An diesen Titel muss man denken, wenn man hört, wie das Düsseldorfer Brillenlabel Eyewear seine Gestelle nennt: Kaiserswerth. Itter. Ja, sogar: Wersten. Fast alle Brillengestelle heißen nach Stadtteilen der Landeshauptstadt. Was ist da los?

Ein Anruf bei Düsseldorf Eyewear ergibt: Nein, man schämt sich gar nicht – man ist sogar stolz auf die Idee. „Wir haben uns gefragt: Wie schaffen wir es, den Düsseldorfer Lifestyle in einer Brille widerzuspiegeln?“, erklärt Marketing-Verantwortliche Tamara Strauß. So sei das Modell Königsallee zum Beispiel aus Büffelhorn, einem sehr hochwertigen Material. „Urbaner Chic“ – der passe in die „Modemetropole“. Die Brille namens Medienhafen dagegen „repräsentiert mit ihrem außergewöhnlichen Design die komplexe und kunstvolle Architektur des imposanten Hafengebiets“. An die Gehry-Bauten erinnert sie aber nicht, anders als viele Modelle von Düsseldorf Eyewear ist das Gestell nicht aus Titan oder Edelstahl.

Vielleicht muss man die Sache mit den Stadtteilen auch nicht zu ernst nehmen. Die Sonnenbrille Wersten ist ja schließlich auch eher elegant und mondän. Und nicht (räusper) eher bodenständig. Und die Fassung für das Modell Knittkuhl wird aus einer Acetatplatte gefräst, sie ist sehr groß und schwarz-weiß gepunktet – „vollkommen ausgeflippt“ laut Hersteller. Mutmaßlich nicht die Selbstbeschreibung vieler Knittkuhler. Aber es ist natürlich auch nicht ausgeschlossen, dass sich jemand mit einer solchen Brille in Knittkuhl pudelwohl fühlen würde.

Ein Verkaufshindernis sind Namen wie Volmerswerth oder Lörick übrigens laut Tamara Strauß nicht. Nicht mal bei ausländischen Kunden, denen man auf internationalen Messen wahrscheinlich erst mal beibringen muss, wie man Friedrichstadt ausspricht. „Das ist alles kommunizierbar“; sagt Strauß. Man kriegt direkt Lust, sich ein neues Gestell auf die Nase zu setzen. Frei nach Kapelle Petra: „’Ne hübsche Brille für das Kind,/ auch wenn die Augen heile sind.“

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