Düsseldorfer Unternehmen: Neophon versorgt jetzt Vinyl-Liebhaber

Neues Geschäftsmodell : Neophon versorgt jetzt Vinyl-Liebhaber

Einen Namen für das ungeborene Kind gab es bereits. Neophon sollte das geplante Vinyl-Presswerk mit dem Standort Düsseldorf heißen. Doch im November vergangenen Jahres wurde schließlich klar: Die Finanzierung des Projekts ist auf absehbare Zeit nicht möglich.

Für Michael Heiber bedeutet diese Erkenntnis das vorläufige Aus eines großes Traumes. Mehr als zwei Jahre kämpfte er für die Realisierung eines eigenen Presswerks, zuerst mit einem Partner, dann alleine. „Am Anfang habe ich das als Scheitern empfunden. Im Rückblick war es aber das Beste, was mir passieren konnte“, sagt er heute.

Denn in der Zwischenzeit hat sich der Düsseldorfer beruflich neu aufgestellt. Neophon heißt nun seine Agentur für Tonträgerherstellung, mit der er sich selbständig gemacht hat. Seinen Job bezeichnet er als „Vinyl-Broker“ und erklärt: „Ich kooperiere mit Schallplatten- oder CD-Presswerken und lasse dort im Auftrag von Neophon Tonträger produzieren.“ Heibers Arbeitsweise unterscheidet sich dabei gar nicht so sehr von der des Inhabers eines Presswerks. Er zieht Aufträge von Plattenfirmen oder Künstlern an Land, berät Kunden und kauft eigenes Vinyl-Granulat für die Herstellung von Schallplatten. Die Platten lässt er anschließend pressen, beispielsweise in einem kleinen Presswerk in Wassenberg nahe der niederländischen Grenze.

Die Selbständigkeit als „Vinyl-Broker“ ist für Michael Heiber ein stetig gewachsener Plan B. In den vergangenen zwei Jahren eignete er sich das nötige Wissen an und akquirierte erste Aufträge. Neben Platten und Kassetten sollen künftig auch Merchandising-Artikel angeboten werden. Ein Online-Shop für Tonträgerzubehör ist ebenfalls in Planung.

Die Verbindung des musikbegeisterten Düsseldorfers zu seiner Heimatstadt ist ihm auch in Ausübung seiner Tätigkeit als „Vinyl-Broker“ wichtig. Für die Band Cryssis ließ er jüngst 350 blaue Singles des im Mai erscheinenden Titels „Argentina“ pressen. Den Auftrag hierfür erhielt er von Label-Betreiber und Toten-Hosen-Schlagzeuger Vom Ritchie. „Vom und Mary Ritchie haben die Entwicklung von Neophon verfolgt und wollten mich als lokales Start-Up unterstützen“, sagt Heiber. Weitere Aufträge, auch über Düsseldorf hinaus, warten bereits auf ihre Realisierung.

Währenddessen träumt Heiber weiter von einem eigenen Presswerk: „Wenn sich Neophon gut entwickelt, ist das noch eine Option“, sagt er. So könne er sich gut vorstellen, später einmal ein bestehendes Werk zu übernehmen. „Für die Zukunft ist alles offen, und das ist das Schöne.“

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