Neuer Seniorenrat in Düsseldorf fordert Fortschritte bei Wohnen, Pflege und Nahverkehr

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Ulrike Schneider führt die neu gewählte Interessenvertretung der Generation 60 plus. Die 70-Jährige setzt auf Teamwork. Wohnen, Pflege, Verkehr und Integration zählen zu den Schwerpunktthemen der kommenden fünf Jahre. Fünf Mitglieder erklären der Redaktion, was sie in diesen Bereichen ändern wollen.

Wohnungstausch, Bänke ohne Armlehne, teurer Nahverkehr, fehlende Pflegeplätze im stationären sowie im Kurzzeitbereich, Altersarmut, Ausdünnung des Filialnetzes der Stadtsparkasse: Die Liste der Themen, die der neu gewählte Seniorenrat bis 2024 beackern will, ist lang. Am Freitag konstituierte sich die Interessenvertretung der rund 145.000 Düsseldorfer, die älter als 60 Jahre sind. Fünf Mitglieder, darunter der neue Vorstand, erläuterten der Redaktion, wo es in Düsseldorf hakt und welche Ziele besonders wichtig sind.

Die Vorsitzende Mit Ulrike Schneider führt erstmals seit 15 Jahren wieder eine Frau das Gremium, dem neben 20 gewählten Mitgliedern auch Vertreter der Fraktionen und der Sozialverbände angehören. Die ebenfalls für den Chefposten vorgeschlagenen Mitglieder Hartmut Mühlen und Gisela Theuringer hatten unmittelbar vor dem Wahlgang erklärt, dass sie gar nicht oder nur für eine Stellvertretung kandidieren wollen. Schneider, die in Kalkum lebt und seit fast neun Jahren Vize-Vorsitzende war, erhielt 26 von 28 abgegebenen Stimmen. Zwei Stimmzettel waren ungültig. „Ich bin eigenständig, jemand, der schon mal dazwischen redet und – wenn nötig – auch mal frech sein kann“, sagte die 71-Jährige in der Vorstellungsrunde. Zu dem, was sie ändern möchte, zählt der Führungsstil: „Wir sind ein Team und werden künftig mehr gemeinsam entscheiden.“

Die Stellvertreter Neu im Gremium ist Thomas Fellmerk. Mit 60 Jahren ist er der zweitjüngste unter den gewählten 20 Mitgliedern. Er arbeitete bis vor einem Jahr als Rechtsanwalt. „Ich finde es wichtig, dass sich jemand, dessen Seniorendasein gerade erst beginnt, mit seinen Perspektiven einbringt“, sagt der Stockumer, der 16 Stimmen erhielt. Einen großen Vertrauensbeweis gab es für Gisela Theuringer (77), die 18 Stimmen erhielt. Seit zehn Jahren kämpft die neue Vize-Vorsitzende vor allem für die Interessen der Älteren im Linksrheinischen. Mit 14 Stimmen verpasste Marlene Utke den Sprung in das Leitungsgremium nur knapp.

Thema Pflege und Integration „Hier müssen wir ran“, sagt Brigitte Reinhardt, die neu in dem Gremium ist. Die 65-Jährige wohnt in Lierenfeld, ihre Mutter lebte gemeinsam mit vielen älteren Migranten einige Jahre im Hans-Jeratsch-Haus der Arbeiterwohlfahrt. „Dass wir in einer so internationalen Stadt nur einen Pflegedienst haben, der auf diese Zielgruppe spezialisiert ist, kann eigentlich nicht sein“, sagt sie. Ein weiteres Problem sei in Düsseldorf der Mangel an Pflegeplätzen.

Thema Verkehr „Wir müssen den öffentlichen Nahverkehr für unsere Altersgruppe günstiger machen“, sagt Schneider. Dass einige Ältere nicht mehr zu Bekannten oder zu Veranstaltungen führen, weil sie sich das Bahn- oder Busticket nicht leisten können, sei inakzeptabel. „Und wir brauchen an vielen Stellen längere Ampelphasen, weil Senioren mit und ohne Rollator es häufig nicht über die Straße schaffen“, ergänzt die Vorsitzende. Skeptisch blickt ihr Vize Fellmerk auf die Umweltspuren, mit denen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge verhindert werden sollen. „Außer Stauchaos und einer Verlagerung auf Ausweichstrecken wird es nichts bringen“, sagt er.

Thema Nahversorgung Heinz-Werner Meier (72) aus Düsseltal warnt vor einer zu starken Ausdünnung der Angebote. Das betreffe die Sparkassen, aber auch andere Dienstleistungen. „Unsere Proteste haben immerhin bewirkt, dass die Post sich nicht aus der Rethelstraße zurückzieht.“

Thema Wohnen Hier will Gisela Theuringer gemeinsam mit anderen erreichen, dass Rentner nicht ihre gewohnte Umgebung verlassen müssen. Helfen soll dabei auch der Arbeitskreis Wohnungstausch. „Viele Ältere wären dazu bereit, brauchen aber eine Begleitung“, sagt die 77-Jährige.

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