Schauspielhaus Düsseldorf: Spielzeit 2019/2020 - "Dschungelbuch“ und Fortuna-Stück

Schauspielhaus-Saison 2019/2020 : „Das Dschungelbuch“ und ein Fortuna-Stück

Das Schauspielhaus zieht zurück an den Gründgens-Platz. Jetzt hat es sein Programm für die kommende Spielzeit vorgestellt.

Seine schönste Inszenierung feierte Wilfried Schulz jetzt im Großen Haus am Gustaf-Gründgens-Platz. Der Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses stellte das Programm der Spielzeit 2019/2020 vor und hatte mit seinem Team mitten auf der großen Bühne Platz genommen. Es sollte ein Statement sein an dem Ort, um welchen Schulz so lange gerungen hatte. Sanierungsarbeiten vertreiben die Kunst von dort seit drei Jahren. Im Frühherbst kehrt sie zurück. „Ab September werden wir das gesamte Repertoire wieder im Großen und Kleinen Haus spielen“, sagte Schulz. „Wir wollen dieses Haus in die Zukunft führen.“ Die zerrissene Gesellschaft brauche Orte wie das Theater, „an denen man sich trifft und sich mit der eigenen Sache auseinandersetzt“. Die Dynamik politischer und kultureller Fragen erkennen und überdenken zu wollen, das ist das Schulz’sche Credo, das der Theaterchef seit Beginn zur Arbeitsgrundlage erklärt hat. Mit Erfolg. Die Auslastung lag in der Saison 2017/2018 bei 85,2 Prozent, und Schulz gab sich zuversichtlich, dass „wir die Zahlen mindestens halten können“.

„Dantons Tod“ von Georg Büchner markiert den Beginn der neuen Spielzeit am 20. September. Das ist insofern besonders, als im Januar 2020 das 50-jährige Bestehen des Schauspielhauses am Gründgens-Platz gefeiert wird, welches wiederum seinerzeit ebenfalls mit „Dantons Tod“ eröffnet wurde. Die aktuelle Version bringt Armin Petras auf die Bühne, der in Düsseldorf unter anderem George Orwells „1984“ inszenierte.

Am 13. Oktober feiert dann „Das Dschungelbuch“ Premiere – so wie Robert Wilson es sieht. Der US-Starregisseur verantwortet auch Licht und Bühne. Am Ende wird also von Disney nicht viel übrigbleiben, denn Wilson erschafft stets neue, sagenhafte Bilder. In Düsseldorf hat er E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ inszeniert, der dauerausverkauft ist. Vor dessen schriller Ästhetik muss sich jedoch niemand fürchten. „Das Dschungelbuch“, eine Ko-Produktion mit dem Pariser Théâtre de la Ville, ist als Kinder- und Familienstück angelegt und Besuchern ab zehn Jahren empfohlen. „Es wird ein schöner Wilson“, verspricht Schulz.

Als deutschsprachige Erstaufführung kommt am 15. November „Die Entdeckung des Himmels“ nach dem Roman von Harry Mulisch auf die Bühne. Ein Werk, das die großen Fragen nach Gott und des In-der-Welt-Seins stellt. „Das Buch sprengt alles“, sagt Chefdramaturg Robert Koall, „und man meint, das kann man gar nicht inszenieren.“ Doch, geht, hat Regisseur Matthias Hartmann entschieden, der für seinen Wagemut bekannt ist und von dem in Düsseldorf unter anderem David Bowies „Lazarus“ zu erleben ist. Auch einen Ferdinand von Schirach wird es im kommenden Jahr wieder geben, nach dem großen Erfolg von „Terror“, das auch in der kommenden Spielzeit aufgeführt wird. Inszeniert wird von Schirachs neues Theaterwerk „Gott“, das sich mit der Sterbehilfe beschäftigt. Das Stück wird dramaturgisch ähnlich konzipiert sein wie „Terror“. Das heißt: Das Publikum darf wieder urteilen.

Einem nicht minder existenziellen Thema widmet sich Volker Lösch in „Volksfeind for Future“. Als Vorlage dient Henrik Ibsens Drama „Ein Volksfeind“, welches das Spannungsverhältnis von Ökonomie und Ökologie beleuchtet. Mit auf der Bühne: Aktivisten der Klimabewegung. Ob Greta Thunberg gegebenenfalls eine Rolle übernimmt, vermochte Schulz noch nicht in Aussicht zu stellen.

Das Junge Schauspiel zeigt unter anderem ein Werk aus der Feder von Kinderbuchautor Martin Baltscheit. Der Düsseldorfer hat die Geschichte des kleinen Prinzen umgeschrieben. Dieser landet nicht in der Wüste, sondern mitten in der Welt, was sein Leben nicht einfacher macht. Premiere ist am 15. September. Die Bürgerbühne macht gemeinsame Sache mit Fortuna Düsseldorf. „Wir wollen verstehen, was die Menschen und ihre Leidenschaft ausmacht“, sagt Christoph Seeger-Zurmühlen, Leiter der Bürgerbühne, weswegen er Fans und Spieler engagiert hat.

Bei aller Aufbruchstimmung gibt es auch betrübliche Nachrichten: Karin Pfammatter („Don Karlos“, „Tartuffe“) wechselt an das Schauspielhaus Zürich. Die gebürtige Schweizerin möchte näher bei ihrer Familie leben. Auch Torben Kessler („Menschen im Hotel“) verlässt zur kommenden Spielzeit Düsseldorf.

Das Publikum muss sich derweil auf höhere Ticketpreise einstellen. Die günstigste Kategorie, 14 Euro, bleibt unangetastet, alle anderen steigen um durchschnittlich sieben Prozent. Die höchste Preisstufe im Central und im Großen Haus betrug bislang etwa 44 Euro, künftig sind es 49 Euro.

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