Altstadt: Bürger wollen Bäume retten

Altstadt : Bürger wollen Bäume retten

Die geplante Neugestaltung des Altstadt-Pflasters erhitzte bereits viele Gemüter, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Doch auch Hochbeete sollen weichen und 18 Bäume ersetzt werden – gegen den Willen von Anliegern.

Die geplante Neugestaltung des Altstadt-Pflasters erhitzte bereits viele Gemüter, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Doch auch Hochbeete sollen weichen und 18 Bäume ersetzt werden — gegen den Willen von Anliegern.

Wenn Dieter Pauen von Robert Schmitz Berufskleidung aus seinem Geschäft an der Grabenstraße tritt, fällt sein Blick auf die sechs Gingko-Bäume, die die Straße säumen. In der anderen Richtung, auf der Mittelstraße, sind hochgewachsene Amberbäume, Robinien und Mehlbeeren zu sehen. "Das Grün erhöht die Lebensqualität", sagt Pauen. "Besonders im Sommer, wenn die Bäume Schatten spenden. Von den Anwohnern will niemand, dass sie ersetzt werden. Schon gar nicht durch junge, kleine Bonsai-Bäumchen."

Genau das jedoch sieht das Konzept zur Neugestaltung der Altstadt vor. Seitdem es Anfang Juni erstmals bekannt wurde, erhitzte bereits die geplante Neugestaltung des Straßenpflasters die Gemüter. Das letzte Wort ist diesbezüglich noch nicht gesprochen: So hat Planungsdezernent Gregor Bonin bereits zugesagt, Anregungen der Bürger bei der Arbeit an dem endgültigen Konzept berücksichtigen zu wollen. Darauf bauen Pauen und seine Mitstreiter nun auch im Hinblick auf die Bäume.

"Nicht vom Gartenamt gepflegt"

Laut Planungsamt sind die Amberbäume an der Mittelstraße schlecht entwickelt, die Robinien "windbruchgefährdet". Die Hochbeete, in denen sie sich befinden, sollen laut Gestaltungskonzept zurückgebaut, die Bäume durch neue Amberbäume ersetzt werden. Die Gingkos auf der Grabenstraße wirken höchst vital, ein Grund für den geplanten Austausch gegen Mehlbeeren — wiederum unter Verzicht auf Hochbeete — wird nicht geliefert. Nach Fertigstellung der Wehrhahn-Linie 2014 soll dann auch auf der Hunsrückenstraße, wo die Verwaltung einen "Kümmerwuchs" festgestellt hat, und am Bolker Stern der Baumbestand "vereinheitlicht" werden. Pauen befürchtet eine "Monokultur": "Warum muss denn zwangsläufig alles gleichgemacht werden?"

Dirk Schaper, Vorsitzender der Altstadt-Gemeinschaft, dessen Spielwarengeschäft an der Grabenstraße liegt, sagt, dass "kein Anwohner willig und bereit ist, die Gingkos wegzumachen". Ein Großteil der Bäume könnte erhalten werden, wenn sie im Laufe der Jahre ausreichend gepflegt worden wären. "Hätte das Gartenamt die Bäume an der Mittelstraße regelmäßig beschnitten, wären sie nicht so ausgewuchert", sagt Schaper. Mehlbeeren als Ersatz wolle niemand: "Wenn die Beeren reif sind, gibt das eine Riesensauerei."

Altstadtbäcker Josef Hinkel wünscht sich, dass die Bäume in den Boden eingelassen werden; die aktuellen Hochbeete seien häufig vermüllt. "Dass die Beete wegkommen, das begrüßen wir", sagt auch Pauen. "Dafür haben wir seit Jahren gekämpft." Allerdings müsse man differenzieren zwischen den "Panzersperren", wie sie an der Mittelstraße vorkommen, und den weitaus schöneren Backstein-Einfassungen beispielsweise an der Flinger Straße. "Wenn es die auch bei uns gäbe und dafür die Bäume erhalten bleiben könnten, damit wären wir gut bedient."

Über die CDU-Fraktion haben die Baum-Freunde um Pauen bereits den Kontakt zu Dezernentin Helga Stulgies gesucht. Eine Antwort wird nach den Sommerferien erwartet.

(RP)