Kriminaltechnische Untersuchungsstelle: Die Beweis-Spezialisten

Kriminaltechnische Untersuchungsstelle : Die Beweis-Spezialisten

Sie haben ähnliche Namen, die TV-Ermittler und die Spezialisten aus dem Polizeipräsidium. Mehr aber auch nicht. Die Kriminaltechnische Untersuchungsstelle KTU hat der RP Einblicke in ihren Alltag gewährt, über den wir in einer Serie berichten werden.

Mit ihren amerikanischen TV-Kollegen haben sie nicht viel gemein, die Spurensicherer der Düsseldorfer Polizei. Nicht nur, dass Fernsehserien wie CSI (Crime Scene Investigation, deutsch: Tatortuntersuchung) erwiesenermaßen eine ganze Tätergeneration mit Tipps versorgt haben, die den Fahndern heute die Arbeit erschweren. Vor allem hat das Hollywood-CSI mit der täglichen Arbeit der KTU (Kriminaltechnischen Untersuchungsstelle) fast nichts zu tun.

"Die wäre womöglich zu langweilig", meint Andreas Fritsch, der damit aber sicher nicht sagen will, dass sein Job nicht spannend sei. Bloß: wer will schon zugucken, wie Polizisten an Computern sitzen und Berichte schreiben. Und genau das machen Fritsch und seine Kollegen ziemlich oft. Denn sie sind nicht bloß Polizisten, sondern auch Spezialisten, die Spuren und Beweisstücke nicht nur sichern, sondern auch bewerten können. Die meisten der zehn Mitarbeiter in der KTU und der separaten Abteilung der Daktyloskopie sind auch als Gutachter bei Gericht zugelassen.

Bei spektakulären Verfahren treten dort meist auch Gutachter vom Landeskriminalamt auf. Die Kriminaltechniker des LKA sind in der Regel Wissenschaftler und nicht, wie bei der KTU, gelernte Polizisten. Was sie untersuchen und bewerten, haben Fritsch und seine Kollegen immer schon zuerst gesehen. Und entschieden, was vom LKA worauf untersucht werden soll.

Wenn Kollegen aus den Kommissariaten Prüfanträge ans Landeskriminalamt schicken wollen, werden die zuerst bei der KTU geprüft. Die Beamten dort stehen schließlich immer im Kontakt zum LKA, haben dort auch Lehrgänge absolviert und wissen deshalb ganz genau, welche Anforderungen die Wissenschaftler an das Material haben, das sie untersuchen sollen. Und manchmal fällt den KTUlern auch noch die ein oder andere Untersuchungsmöglichkeit ein, an die ein Kollege aus der Fahndung nicht gedacht hat. Das sieht keiner als Kontrolle oder Besserwisserei. Die KTU versteht sich eher als Dienstleister für alle anderen im Haus. "Schließlich sind wir die Spezialisten für diese Dinge."

Und das nicht nur für die Polizei in Düsseldorf. Als eine von 16 KTU-Stellen in NRW ist das Team vom Jürgensplatz auch für die Kreise Mettmann und Neuss zuständig, und zwar immer dann, wenn — so steht es im Erlass des Innenministers — bei der Spurensicherung "besondere Sachkunde" von Nöten ist. Kleinigkeiten kann nämlich jeder Polizist — Spurensicherung gehört schließlich zur Ausbildung.

Die haben auch die KTUler absolviert und waren — die meisten zumindest — viele Jahre bei der Kripo, bevor sie zur "SpuSi" wechselten. Wo die meisten bleiben. Schließlich ist die KTU die einzige Dienststelle, in der alles gebraucht wird, was sie können. Und das ist eine Menge. Schuhspuren sichern, Fingerabdrücke erkennen, Fahrzeuge identifizieren, auch wenn die aus x verschiedenen Teilen zusammengesetzt sind — und sie können sogar Prägezeichen sichtbar machen, die aus Metall herausgefeilt wurden.

Bloß Vernehmungen machen sie nicht. Auch das ist anders als im Fernsehen, wo Kriminaltechniker noch während sie mit Wattestäbchen Blutspuren abtupfen, schon mal Zeugen befragen und hinterher dem Tatverdächtigen so lange ihre Beweise um die Ohren hauen, bis der zerknirscht gesteht. Die KTU fragt am Tatort höchstens mal, wohin diese Tür führt, oder ob jenes Fenster schon vor dem Einbruch kaputt war. Zeugen zu befragen, ist Sache der Ermittler, die auch schon mal auf subjektive Wahrnehmungen angewiesen sind. Für die KTU wären die eher hinderlich, sagt Fritsch. "Bei uns zählen nur objektive Beweise."

(RP)