Dormagen: Rheinwasser-Pipeline erfordert 70 Meter breiten Baustreifen

Rheinwasser-Rohre durch Dormagen : 70-Meter-Baustreifen für Wasser-Pipeline

Rheinwasser für das Tagebau-Restloch: Vier Kubikmeter Wasser sollen nach dem Jahr 2030 pro Sekunde durch die Doppel-Pipeline schießen. Sie führt unterirdisch durchs Stadtgebiet. Für den Bau wird viel Platz benötigt.

Mitte des Jahrhunderts soll der Braunkohlentagebau Garzweiler auslaufen. Übrig bleibt ein riesiges Loch westlich der heutigen A 61, das mehrere Quadratkilometer groß sein dürfte. Dieses Loch soll etwa 40 Jahre lang mit Wasser aus dem Rhein gefüllt werden – Wasser, das dem Fluss bei Rheinfeld entnommen werden soll. Eine 27 Kilometer lange, unterirdisch verlegte Doppel-Pipeline soll pro Jahr 130 Millionen Kubikmeter Wasser unter anderem quer durch das Dormagener Stadtgebiet bis nach Grevenbroich transportieren. RWE gab dazu jetzt Details bekannt. Demnach sollen durch die beiden parallel verlaufenden Stahlrohre mit einem Durchmesser von je 1,40 Metern vier Kubikmeter Wasser pro Sekunde schießen.

Noch in diesem Jahr sollen Bürger bei einer öffentlichen Versammlung Anregungen und Bedenken äußern können. Derzeit läuft das sogenannte Braunkohlenplanverfahren, „in dessen Zuge auch der genaue Verlauf der Trasse festgelegt wird“, sagt Tagebauplaner Gero Vinzelberg. „Die Bezirksregierung Köln prüft derzeit Stellungsnahmen, die im Rahmen des Beteiligungsverfahrens bei ihr eingegangen sind.“ Konkret sollen in Köln 200 Stellungnahmen eingegangen sein. Bis 2025 sollen die Planungen abgeschlossen sein – so sieht es der grob skizzierte Zeitplan vor. Dann könnte der Startschuss für den Bau der XXL-Pipeline fallen, die in mindestens 1,25 Metern Tiefe an Straßen, Wegen sowie Stromtrassen entlangführen und über Felder verlegt werden soll.

Der derzeit geplante Verlauf: Das Wasser soll dem Rhein zwischen dem Landgasthaus Piwipp und der Kläranlage entnommen werden. „Dort planen wir ein Entnahmebauwerk am Ufer und ein Pumpwerk hinter dem Deich“, sagt Gero Vinzelberg. Der Pumpendruck, der dort aufgebaut werden soll, soll so stark sein, dass das Wasser auf dem Weg zum RWE-Gelände bei Grevenbroich-Frimmersdorf nicht mehr „angetrieben“ werden muss. Die Leitung soll östlich an Rheinfeld sowie nördlich an Horrem vorbei westwärts und unter der A 57 hindurch Richtung Nievenheim geführt werden. Südlich an Nievenheim vorbei sollen die beiden Pipeline-Stränge zwischen Straberg und Gohr hindurch nach Widdeshoven und von dort aus weiter nach Grevenbroich geleitet werden.

Für die unterirdische Verlegung der stählernen Rohre wird laut Vinzelberg ein 70 Meter breiter Arbeitsstreifen vorgesehen. „Der breite Streifen ist notwendig, da unter anderem der Bodenaushub und die Rohre vor ihrem Einbau entsprechend gelagert werden müssen“, nennt der Tagebauplaner einen Grund. Später sei nur noch ein Schutzstreifen von 15 Metern vorgesehen, auf denen keine Häuser oder andere Bauwerke errichtet werden dürfen. Ackerbau hingegen sollen Landwirte auf den betroffenen Arealen betreiben können. Dafür soll die Tiefe von mindestens 1,25 Metern ausreichen.

Eine Ausnahme in Dormagen: An der schmalsten Stelle sollen die Leitungen den Knechtstedener Wald kreuzen. Weil das Wurzelwerk der Bäume dort recht tief geht, soll unter dem Wald hindurchgebohrt werden – und zwar in vier Metern Tiefe. Wie RWE mitteilt, stehen die Planer im Kontakt mit den jeweiligen Grundstückseigentümern. Tagebauplaner Gero Vinzelberg geht davon aus, dass die Wasserentnahme frühestens ab 2030 starten könnte – dann noch nicht für den Tagebau-Restsee, aber für Feuchtgebiete im Schwalm-Nette-Gebiet, die derzeit noch von Sümpfungswasser aus dem Tagebau gespeist werden.

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