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Polizeieinsatz am Hambacher Forst: Barrikaden und 15 Meter hohe Bauwerke

15 Meter hohe Konstrukte : Polizei reißt Barrikaden im Hambacher Forst ein

Eigentlich müsste der Konflikt um den Hambacher Forst entschärft sein. Der Kohle-Kompromiss sieht vor, dass der Wald zwischen Köln und Aachen erhalten bleibt. Dennoch gab es jetzt wieder eine größere Polizeiaktion, bei der teils 15 Meter hohe Konstruktionen abgerissen wurden.

Die Polizei hat am Dienstag erneut einen Einsatz im Hambacher Forst gehabt. Es ging dabei nicht um die Räumung von Baumhäusern, sondern von Barrikaden, die die Einsatzwege versperrten, wie zuvor ein Polizeisprecher bestätigte. Waldbesetzer hatten teilweise bis zu 15 Meter hohe Strukturen aus Baumstämmen mit Plattformen auf den Waldwegen errichtet. Dies könne die Polizei nicht hinnehmen, da die Wege für Rettungsfahrzeuge frei bleiben müssten. „Da das ein öffentlich zugänglicher Wald ist, müssen wir da auch Streife fahren können“, sagte der Polizeisprecher.

Gegen 17.30 Uhr vermeldete die Polizei dann das Ende der Aktion. Drei größere Holzkonstruktionen (zwei Tripods und ein Quadropod) wurden abgerissen, die ein Befahren der Wege unmöglich machten. Auf einzelnen Einsatzwegen verstreute „Krähenfüße“, ausgelegte Nagelbretter sowie mit Totholz und Unrat errichtete Barrikaden wurden ebenfalls entfernt. An einem Wegesrand fanden Beamte dem ersten Anschein nach eine Weltkriegsgranate. Ein Sprengmittelexperte von RWE begutachtete und beseitigte diese. Eine augenscheinliche Gedenkstätte, die auf einem Hauptweg errichtet worden war, stellte keine Behinderung für die Einsatzkräfte dar. Diese musste nicht entfernt werden, jedoch eine dahinterliegende Barrikade.

Zwei Frauen kamen den mehrfachen ausgesprochenen Platzverweisen nicht nach. Sie wurden in Gewahrsam genommen. Eine der beiden leistete versuchte, einen Polizisten zu beißen. Der Beamte blieb unverletzt. Sie erwartet nun ein Strafverfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Auf dem Weg zur Wache verunreinigten beide zudem das Polizeifahrzeug. Wie eine Polizeisprecherin sagte, gehen die Beamten davon aus, dass es Exkremente waren. Die Reinigung wird ihnen in Rechnung gestellt.

Die Zahl der Waldbesetzer schwankt nach Polizeiangaben stark, bewegt sich aber ungefähr um die Marke von 100 Personen. Sie kämen aus einem breiteren politischen Spektrum, unter anderem aus der anarchistischen und aus der Umweltszene.

Der Wald am Tagebau Hambach zwischen Köln und Aachen sollte ursprünglich für den fortschreitenden Tagebau gerodet werden. Dabei entwickelte sich der Wald zu einem Symbol für den Kampf von Klimaschützern gegen die Kohlebranche. In einem der größten Polizeieinsätze der nordrhein-westfälischen Geschichte wurde der Wald im Herbst 2018 geräumt. 86 Baumhäuser wurden damals zerstört. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) argumentierte, es dürfe keinen rechtsfreien Raum geben. Gleiches sagte auch damals bereits NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) auf einer Sondersitzung des Bauausschusses vor zwei Jahren. Seit 2012 hätte es Hunderte Straftaten gegeben, bei denen auch Unbeteiligte verletzt worden seien – etwa eine Mutter mit ihrem Kind.

Schließlich verständigten sich Bund, Länder und Energiekonzerne jedoch Anfang dieses Jahres im Zuge der Kohle-Einigung darauf, dass der Wald doch erhalten bleiben soll. Die Aktivisten des Anti-Kohle-Bündnisses „Ende Gelände“ bezeichneten dies als Erfolg des zivilen Ungehorsams. Sie lehnten es jedoch ab, sich aus dem Wald zurückzuziehen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Polizei räumt Barrikaden am Hambacher Forst

(dtm/dpa)