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Corona-Lockdown im Kreis Gütersloh: Restaurants, Museen, Fitnessstudios - die Regeln

Restaurants, Museen, Fitnessstudios : Corona-Ausbruch bei Tönnies – Laschet verkündet Lockdown im Kreis Gütersloh

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat einen befristeten Corona-Lockdown für den Kreis Gütersloh verkündet. Nach dem Ausbruch beim Schlachtbetrieb Tönnies werden Fitnessstudios und Museen geschlossen, es gelten wieder strengere Kontaktbeschränkungen.

Erstmals seit der bundesweiten Einschränkungen soll ein einzelner Kreis zurück in den Lockdown gehen. Als erstes geht es laut Laschet darum, die Quarantäne der Betroffenen durchzusetzen. Dafür seien drei Hundertschaften der Polizei in die betroffene Region geschickt worden.

„Wir haben entschieden, dass weitere Maßnahmen erforderlich sind“, sagte Laschet. Man habe ein Sicherheitspaket dazu erarbeitet. Die Kernfrage sei, wie viele Menschen von dem Ausbruch betroffen sind. „Innerhalb der Firma Tönnies lässt sich das Zentrum auf die Verarbeitung des Fleisches lokalisieren“, sagte Laschet. Dort sei die Anzahl der Infizierten am höchsten. Insgesamt 24 Infizierte im Kreis Gütersloh hätten keinen Bezug zu der Fleischfabrik. Die gesamte Pressekonferenz können Sie in unserem Liveblog nachlesen.

„Wir werden für den gesamten Kreis Gütersloh einen Lockdown verfügen“, sagte Laschet. Der Lockdown gelte zunächst bis zum 30. Juni. Bis dahin solle weiter getestet werden, vor allem auch in Altenheimen. Außerdem dürfe sich im Kreis jeder freiwillig kostenlos testen lassen, der das wolle. Wenn die Zahlen „niedrig bleiben“, werde man den Lockdown wieder aufheben.

Es gelten wieder die Kontaktbeschränkungen wie im März, so Laschet. Freizeitaktivitäten in geschlossenen Räumen werden unterbunden. Konzerte, Aufführungen, Kunstausstellungen, Museen und ähnliche Einrichtungen werden geschlossen. Auch Fitnessstudios, Wellness-Einrichtungen oder auch Bars müssen zu bleiben. Schulen und Kitas wurden bereits vergangene Woche geschlossen. Restaurants können geöffnet bleiben, aber nur für Personen aus demselben Hausstand.

Diese Maßnahmen müssten nun forciert und umgesetzt werden: "Die Polizei wird mobile Teams in schwierigen Situationen begleiten", erläutert Laschet. Ebenso seien Dolmetscher für Rumänisch und Bulgarisch im Einsatz, um die Kommunikation zu vereinfachen. Wenn nötig, müssten die Behörden diese Maßnahmen "auch mit Zwang umsetzen".

Ihm sei bewusst, dass sein Vorgehen für die Bevölkerung wieder große Einschränkungen bedeute, sagte der NRW-Ministerpräsident: "Das ist eine beschränkte Maßnahme zur Vorsicht", so Laschet. Und: "Wir werden diese Maßnahme so schnell wie möglich wieder zurückfahren."Aber: "Da, wo Gefahr droht, muss man aber auch wieder handeln, und die Maßnahmen wieder hochfahren."

Laschet kritisierte, dass es offenbar Menschen gebe, die ihren Urlaub abbrechen mussten, weil sie aus dem Kreis Gütersloh stammen. Er warnte davor, die Menschen deswegen zu stigmatisieren. Es gebe zwar kein Reiseverbot, jedoch appellierte Laschet an die Menschen aus dem Kreis Gütersloh, sich an die Kontaktbeschränkungen zu halten.

Der NRW-Ministerpräsident äußerte in seinem Statement auch Kritik an Tönnies. Es sei noch unklar, wie es so plötzlich zu dem Ausbruch innerhalb der Firma gekommen sei. Noch vor kurzem hätten die Tests auf null Infizierte innerhalb des Unternehmens verwiesen. "Die Kooperationsbereitschaft hätte größer sein können", sagte Laschet mit Blick auf den Fleischverarbeitungsbetrieb. Die Namen der Mitarbeiter seien zunächst nicht herausgegeben worden - mit Verweis auf den Datenschutz. Nun sei dieses Problem jedoch gelöst, die Herausgabe der Daten verfügt worden. Aus Infektionsschutzgründen sei Tönnies gesetzlich dazu verpflichtet gewesen. Wer nun für den Schadenersatz etwa von Restaurantbetreibern oder Veranstaltern aufkommen müsse, könne erst nach der Krise beantwortet werden, so Laschet. Ob der Tönnies dabei zur Verantwortung gezogen werden könne und solle, müsse zunächst rechtlich geprüft worden.

Nun werde Laschet mit den Handelskammern besprechen, welche Betriebe und Unternehmen in NRW ebenfalls Sammelunterkünfte für die Mitarbeiter hätten. Präventiv sollten auch diese Mitarbeiter getestet werden. Ebenfalls vorsorglich sollen die medizinischen Kapazitäten im Land wieder hochgefahren und Betten bereitgestellt werden, um für den Ernstfall wieder gerüstet zu sein.

Die SPD-Landtagsfraktion hat den Lockdown im Kreis Gütersloh begrüßt, kritisierte aber gleichzeitig den Ministerpräsidenten. SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty sagte unserer Redaktion: „Armin Laschet vollzieht wieder eine Kehrtwende. Noch am Sonntag wollte er von einem Lockdown nichts wissen.“ Jetzt müsse er sich wieder selbst korrigieren. „Mit diesem Schlingerkurs verwirrt er alle. Der Lockdown ist die einzig richtige Entscheidung zum Schutz der Gesundheit der Menschen. Aber sie kommt mal wieder zu spät.“