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Missbrauchsfall Münster: Ermittler durchsuchen Ferienwohnung in Belgien

Missbrauchsfall Münster : Ermittler durchsuchen Ferienwohnung in Belgien

Um alle Beweise auswerten zu können, arbeiten 115 Ermittler der Polizei am Missbrauchsfall Münster. Auch eine Ferienwohnung in Belgien konnte nun durchsucht werden. Dort könnte sich der Hauptbeschuldigte mit einem der Opfer aufgehalten haben.

Im Zuge der Ermittlungen zu den Missbrauchsfällen in Münster sind seit Montag 115 Mitarbeiter mit der Auswertung von Beweisen betraut. Dies geht aus einer gemeinsamen Presseerklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei hervor. Unterstützt werde das Polizeipräsidium in Münster von 34 Polizeibehörden in ganz Nordrhein-Westfalen.

Auch die Spurensuche im Umfeld der Beschuldigten gehe weiter. Kriminalbeamte des Polizeipräsidiums Münster nehmen am Dienstag eine Ferienwohnung in Belgien in Augenschein. Die Wohnung war dem Hauptbeschuldigten vom damaligen Chef der Wirtschaftsförderung Münster zur Verfügung gestellt worden. Kostenpflichtiger Inhalt Dieser ist zwischenzeitlich vom Stadtrat seiner Aufgaben enthoben worden.

„Wir können nicht ausschließen, dass sich der 27-jährige Beschuldigte mit dem zehnjährigen Opfer in der Wohnung in Belgien aufgehalten hat", erläutert Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt. Eine erste Durchsuchung der Wohnung habe aber bislang keine Hinweise auf mögliche Missbrauchshandlungen.

Nach Vorwürfen des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern ermittelt die Ermittlungskommission „Rose“ und wertet eine Vielzahl von IT-Asservaten aus. Einen besonderen Fokus legen die Ermittler auf die Aufbereitung und Auswertung von Datenträgern wie Festplatten, USB-Sticks, Handys und Laptops.

In dem Kindesmissbrauchsfall gibt es inzwischen 18 Verdächtige und sechs identifizierte Opfer. Sieben Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft. Der Fall war erst Anfang Juni bekannt geworden. Rund eineinhalb Jahre hatten die Ermittler gebraucht, um die hochprofessionell verschlüsselten Computer, Handys und Tablets des Hauptverdächtigen zu knacken und Bilder von Kindesmissbrauch in ungeheuren Mengen zu finden. Haupttatort war eine inzwischen abgerissene Gartenlaube in Münster.

Der heute 27 Jahre alte Hauptverdächtige ist wegen Kinderpornografie zweifach vorbestraft. Im Januar 2016 war er zu einer zweijährigen Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Gegenstand waren Taten von 2010 bis 2013 wegen Besitzes und Zugänglichmachens kinderpornografischer Schriften im Internet. Im Juni 2017 wurde er erneut verurteilt, wobei es um Taten aus 2014 ging.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gartenlaube und Kellerraum des Missbrauchsfalls von Münster

(chal, mit Material der dpa)