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Hambacher Forst: Aktuelle Infos zu Protesten und Wald-Rodung in NRW

Hambacher Forst: Aktuelle Infos zu Protesten und Wald-Rodung in NRW (Foto: dpa/Jana Bauch)

Hambacher Forst

  • Ort: Wald in NRW zwischen Köln und Aachen
  • Größe: ca. 500 Hektar
  • Pflanzenarten: Stieleichen, Hainbuchen und Maiglöckchen

Der Hambacher Forst ist der Rest des Hambacher Waldes in Nordrhein-Westfalen. Bis in die 1970er Jahre war dieser Wald mehr als 4100 Hektar groß. Dann begann RWE den Hambacher Forst alljährlich zwischen Oktober und März zu roden, um die darunter liegende Braunkohle abzubauen. Inzwischen ist der Wald nur noch rund 200 Hektar groß. 

Wo liegt der Hambacher Forst?

Der Hambacher Forst liegt zwischen Köln und Aachen. Der größte Teil des Waldes gehört zur Stadt Kerpen. 

Wie ist die Protestbewegung um den Hambacher Forst entstanden?

  • Schon 1977 noch bevor RWE mit der Rodung begonnen hatte, gründete sich die damalige „Hambach Gruppe“ und protestierte gegen den Tagebau. Vornehmlich ging es damals um die Umsiedlung der Menschen. Wie der Spiegel im Mai 1977 berichtete, bezeichneten Landschaftspfleger den Hambacher Forst aber schon damals als den „größten und wertvollsten Eichenbestand des Landes NRW“. Sie schlugen vor ihn „wegen seiner vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt“ zum Naturschutzgebiet zu erklären. Doch vergebens.
  • 1995 startete der BUND seinen Einsatz für den Erhalt des Hambacher Forst. Zunächst durch Widerspruch gegen die Zulassung des Rahmenbetriebsplans, dann mit einer ersten Klage vor dem Verwaltungsgericht (VG) Aachen, in dem er die Aufhebung des Rahmenplans beantragte. Das Verfahren zog sich insgesamt über zehn Jahre und ging schließlich erfolglos vor dem Bundesverfassungsgericht zu Ende.
  • 2004 machte Greenpeace mit einer aufsehenerregenden Aktion auf die Zerstörung des Hambacher Forst aufmerksam. Aber auch der BUND gab nicht auf. 2009 zog er erneut vor Gericht, diesmal gegen RWE.
  • 2007 spitzte sich der Konflikt zwischen Braunkohlegegnern und RWE zu. Erstmals besetzten Menschen in Baumhäusern Teile des Waldes. Sieben Monate harrten sie dort aus, dann wurde das Camp geräumt. Doch kein Jahr später waren die Waldbesetzer zurück. „Seitdem harren die Aktivisten in ihren Lagern aus, immer wieder unterbrochen von Räumungen durch die Polizei“, fasst die Bundeszentrale für politische Bildung es in ihrem Magazin Fluter zusammen. Auch die Gerichte beschäftigen sich immer wieder mit Hambi.
  • 2016 befand das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster die Besetzung für rechtswidrig. 2017 urteilte das Verwaltungsgericht (VG) Köln dass die geplante Rodung dagegen rechtmäßig sei. Doch die Gegner blieben rechtswidrig im Wald und konnten sich auch über Erfolge freuen: Die Bezirksregierung Arnsberg untersagte Ende 2017 Rodungs- und Abholzungsmaßnahmen bis März 2018, und damit fiel erstmals eine Rodungssaison im Hambacher Wald aus, schreibt der BUND in seiner Chronologie.
  • 2018 spitzte sich die Lage erneut zu. Der BUND hatte beim VG Köln erneut Klage eingereicht, diesmal gegen das Land NRW wegen der Zulassung des sogenannten Hauptbetriebsplans, der RWE die Rodung über einen mehrjährigen Zeitraum, jeweils von Oktober Bis Ende März, erlaubte. Zudem forderte ein Bündnis aus Betroffenen, Naturschützern und kirchlichen Organisationen sowie unter anderem auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze, die Rodung auszusetzen, bis die Kohlekommission entschieden habe, wann und wie Deutschland aus der Kohleenergie aussteige. Landespräsident Armin Laschet lehnte eine Vermittlung ab. Nach Aufforderung durch das OVG Münster sicherte RWE aber zu, keinesfalls vor dem 14. Oktober mit Rodungen zu beginnen. Trotzdem ließ die Landesregierung die Baumhäuser am 13. September 2018 mit einem massiven Polizeieinsatz räumen. Die Begründung: fehlender Brandschutz und akute Gefahrenabwehr. Ein Blogger kam in dieser Räumungsphase ums Leben. Er stürzte von einer Hängebrücke und erlag wenig später seinen Verletzungen.

„Als die Räumung annähernd abgeschlossen ist, geben zwei Gerichtsurteile der Protestbewegung neuen Aufwind“, berichtet das Magazin Fluter. Das OVG Münster gab einem Antrag des BUND statt und verhängt einen vorläufigen Rodungsstopp. Und das VG Aachen urteilte, dass das Verbot der geplanten Großdemonstration „Wald retten – Kohle stoppen“ rechtswidrig sei. Die Demo für den Hambacher Forst durfte stattfinden - rund 50.000 Menschen kamen.

Inzwischen ist zwar entschieden, dass der Hambacher Wald nicht weiter gerodet wird, doch die Protestbewegung geht trotzdem weiter, um das Abbaggern rund um Hambi zu verhindern und seinen Fortbestand zu ermöglichen

Aktuelle News und weitere Infos worum es bei den Protesten im Hambacher Forst geht, finden Sie hier.

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